Wie muss das gewesen sein, als Walter Liebl und seine Frau Christine 1992 die Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres noch unverputzten Hauses installieren ließen. Aufbruchstimmung; Revolution im Landkreis! "Es gab viele, die über den Gartenzaun gefragt haben, was denn das da oben sei", erzählt Walter Liebl aus der aufregenden Zeit. "Ja, das war schon eine Besonderheit", sagt der heute 56-Jährige.

Vor genau 20 Jahren, am 14. März, um 15 Uhr, nahmen die Liebls die Anlage in Betrieb. Bescheiden in der Größe (zehn Quadratmeter, 1270 Watt), aber historisch: Die erste Photovoltaikanlage, die im Landkreis ans Netz gegangen ist.

Damals steckte das Thema Energiewende noch in den Kinderschuhen. Gerade hatte die damalige Bundesregierung das 1000-Dächer-Programm aufgelegt, das den Ausbau von Solaranlagen auf Häusern fördern sollte. Walter Liebl, Ingenieur von Haus aus, begeisterte die Technik. Seine Frau engagierte sich im Umwelt- und Naturschutz. Und die Solarfirma IBC, die die Anlage installieren sollte, war gleich ums Eck. Das alles führte dazu, dass die Liebls zugriffen, obwohl sich trotz 65-prozentiger Förderung, ihr Anteil immer noch auf 11 500 Mark belaufen hat. Die Gesamtanlage kostete damals 32 000 Mark.

Weniger in Urlaub


Das war viel Geld. Wie viel, verdeutlicht Walter Liebl so: "Wir haben uns überlegt, dass wir dann halt weniger nach Italien in Urlaub fahren." Anlage oder Urlaub? Die Entscheidung würden andere sicher anders treffen. Doch nicht die Liebls.

Wenn Walter Liebl so zurück blickt, dann ist die vierköpfige Familie aus seiner Sicht gut gefahren mit der Anlage. Auch wenn es für Außen stehende erst einmal anders klingt. "Die Anlage ist seit zwei Jahren rentabel", sagt Liebl. Ganze 18 Jahre hat es also gedauert, bis sie zum ersten Mal Gewinn abgeworfen hat.

Gut war da das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), sagt Liebl. Die nackten Zahlen beweisen es. So war die Anlage bereits acht Jahre alt, als 2000 das EEG beschlossen wurde.

Auch der "Oldtimer" der Liebls kam noch in den Genuss der Förderung. 51 Cent Einspeisevergütung bekommt die Familie pro selbstproduzierter Kilowattstunde Strom raus. Früher - 1992 - waren es nur 16,53 Pfennig. Die 51 Cent erhalten die Liebls noch bis 2020. Die Anlage produziert durchschnittlich im Jahr 930 Kilowattstunden. Sechs Kilowattstunden kann sie an einem schönen Sonnentag liefern. Im Winter sind es manchmal im Monat im Schnitt nur 17,5 Kilowattstunden. Ungefähr 500 Euro Gewinn wirft die Anlage pro Jahr ab.

Belohnt vom EEG


"Das EEG hat uns belohnt", sagt Walter Liebl. Die Liebls können zwar nicht ganz ihren Italienurlaub damit finanzieren, aber sie zahlen zumindest nicht mehr drauf. "Klar, Idealismus gehört dazu", sagt Liebl rückblickend. Ohne den ginge es wohl nicht. Ein Geschäft haben die Liebls mit der Anlage unterm Strich nicht gemacht. Das ist klar. Doch ein Privatmann ist kein Geschäftsmann.

Walter Liebl kann als Ingenieur die Wartung seiner Anlage selbst übernehmen, aber dafür musste er in der Vergangenheit auch zunächst lernen, auf was zu achten ist. "Ich stand einmal im Garten, hab auf das Dach geschaut, da fiel mir auf, dass die Module verschmutzt waren", sagt Liebl. Er seilte sich also an und putzte aus der Dachgaube heraus mit einem Schrubber die Module. "Es ergab sich eine Verbesserung um 6,5 Prozent ", sagt Liebl. Ohnehin hatten die 24 Photovoltaikmodule noch nie einen Defekt. Nur ein Mal mussten die Liebls den Wechselrichter, der aus dem von den Modulen produzierten Gleichstrom, Wechselstrom wandelt, auswechseln. Ein Blitzschlag hatte ihn lahm gelegt.

Und die Liebls sind schon wieder am Planen. Die Anlage hat Jubiläum, Walter und Christine Liebl haben deshalb schon am Rosenmontag beschlossen: "Bauen wir zwei Kilowatt mehr drauf!" Doch dann kam die Hiobsbotschaft: Das Einspeisegesetz ändert sich. Die Förderungen sollen zurückgefahren werden. "Wir haben uns geärgert", sagt Liebl.

Den Plan, die Anlage auszubauen, haben sie zunächst verworfen. Doch nach längerer Überlegung seien er und seine Frau zu dem Entschluss gekommen: "Wir wollen es machen", sagt Liebl. Und merkt trotzdem kritisch an: "Es gibt viele, die das nicht verstehen mit der EEG-Novelle."

Sicher gibt es auch viele, die nur ungern auf ihren Italienurlaub verzichten wollen. Die Liebls würden sich jedenfalls wieder so entscheiden.