Bei der SPD ist die Freude groß nach dem überdeutlichen Wahlsieg des amtierenden Bürgermeisters. Mit 83,6 Prozent hatte Andreas Hügerich am Sonntag sein Amt verteidigen können. Und auch wenn man keinen zusätzlichen Sitz im Stadtrat dazugewinnen konnte, sind die erzielten 28,5 Prozent "ein Wahnsinnsergebnis für Lichtenfels", wie es am Montagmorgen SPD-Kreisvorsitzender Sebastian Müller formulierte. Damit schnitt man nämlich prozentual besser ab als die CSU mit 26,5 Prozent - und "das gab's noch nie".

Die Schwarzen haben einen Sitz verloren. Ihr Bürgermeisterkandidat Uwe Held wird neues Mitglied im Stadtrat sein. Doch "Stimmenkönigin" ist Sabine Rießner, die den Erstplatzierten auf der CSU-Liste mit einem Vorsprung von 3006 Stimmen auf Platz drei verwies. Mit 7407 Stimmen wurde sie unangefochtene Nummer eins in der Wählergunst. "Ich freue mich wahnsinnig", sagte Rießner in einer ersten Reaktion. Für sie sei das die Bestätigung der gemeinsam vertretenen Linie des parteiübergreifenden Miteinanders. Damit dürfte ihr auch niemand den Posten als Zweite Bürgermeisterin streitig machen, den sie mit großem Engagement inne hat. In der konstituierenden Sitzung wird die Entscheidung darüber wie auch über den Dritten Bürgermeister fallen, denn Winfried Weinbeer zählt ja zu den langjährigen Kommunalpolitikern, die aus Altersgründen nicht mehr angetreten sind. Auch darüber, wer künftig den Fraktionsvorsitz übernimmt, wird dann neu gesprochen werden. Frank Rubner, der diese Funktion seit fünf Jahren ausübt und 2014 zunächst über die Junge-Bürger-Liste in den Stadtrat kam, konnte 3290 Stimmen für sich verbuchen und wurde von den Wählern damit vom Listenplatz zwei auf Rang sieben geschoben.

Die Wähler entscheiden selbst und lassen sich von der vorgeschlagenen Reihenfolge der Parteien und Gruppierungen nicht unbedingt leiten. Ralf Schneider, der 2016 als Nachrücker für den verstorbenen Winfred Bogdahn in den Stadtrat kam, rutschte von Platz acht der SPD-Liste auf 18 und schaffte damit den Wiedereinzug in den Stadtrat nicht. Von Rang zehn auf sechs vorgewählt wurde dagegen der Sohn des früheren Bürgermeisters Bogdahn, Philip Bogdahn, der zu den Neuzugängen zählt. Die Arbeit von SPD-Fraktionssprecher Arnt-Uwe Schille wurde honoriert - und er von Rang fünf auf eins vorgewählt. Deutlich nach vorne rückte der Wähler auch "Altgediente" wie Monika Faber (von elf auf zwei) oder Dietmar Heinkelmann (von zwölf auf fünf).

Des einen Freud', des anderen Leid: Während Christopher Bogdahn, der jüngere Bruder von Philip Bogdahn und erst seit rund zwei Jahren wieder in Lichtenfels daheim, vom neunten Platz der Freien-Wähler-Liste auf Rang drei hochrückte und damit ein Stadtratsmandat erzielte, verpasste Sigrid Mager mit 92 Stimmen weniger den Wiedereinzug. Die Freien Wähler (10 Prozent) haben einen Sitz verloren. Nun hat die Kreisbrandmeisterin auch in der Feuerwehr viel zu tun, so dass sie nicht allzu traurig darüber sein dürfte. Dennoch sagte sie, gerade in ihrem eigenen Wahlbezirk hätte sie sich schon "ein bisschen mehr erhofft". Die Wahl werde in Lichtenfels, nicht in den kleinen Stadtteilen entschieden, meinte die Rothmannsthalerin. Und dass der Name Bogdahn halt auch ein Begriff sei.

Der Entschluss der beiden Brüder, zu kandidieren, sei unabhängig voneinander gefallen, sagte Philip Bogdahn am Montag darauf angesprochen. Er freute sich darüber, einen Beitrag zur Verjüngung des Stadtrates zu leisten und widersprach nicht der These, dass die Wähler hierbei auch eine Wertschätzung gegenüber seinem Vater zum Ausdruck gebracht haben mögen.

Halten konnten die Wählervereinigung Leuchstental-Jura und die Jungen Bürger ihre jeweils drei Sitze mit 8,8 beziehungsweise 9,5 Prozent. Rudi Breuning aus Schney, der im Zusammenhang mit der Listenplatzvergabe von der SPD zur WLJ gewechselt war, ist jedoch nicht mehr dabei. Auch hier kam eine Frau neu dazu: Andrea Dinkel. Eine andere Frau hat es bei ihrer ersten Kandidatur nicht geschafft: Korbstadtkönigin Alicia Vetter war auf der JB-Liste auf Platz vier angetreten. Doch die Gruppierung holte eben keinen zusätzlichen Platz.

Zu den Gewinnern dürfen sich auf alle Fälle die Grünen (12,1 Prozent) zählen. Sie haben einen Sitz hinzu gewonnen und den Stadtrat gleichzeitig mit zwei Frauen verstärkt. Am besten schnitt Mathias Söllner ab, der mit 4193 Stimmen sogar Spitzenkandidatin und Neuzugang Susann Freiburg übertrumpfte. Man darf das als Lohn für die beständige kommunalpolitische Arbeit des Kreishandwerksmeisters ansehen. Er hat den anderen auch eine Erfahrung als Bezirksrat voraus: Dort ist die AfD bereits seit der letzten Wahl mit zwei Personen vertreten. Heike Kunzelmann aus Buch am Forst ist eine davon. Sie wurde nun auch in den Lichtenfelser Stadtrat gewählt. Die AfD kam auf 4,6 Prozent.

Der Stadtrat von Lichtenfels

Allgemeines 30 Stadträte gibt es insgesamt. Den Vorsitz und die 31. Stimme hat der Bürgermeister. Die Namen Folgende Männer und Frauen wurden in den Stadtrat gewählt: für die CSU (8): Sabine Rießner, Emmi Zeulner, Uwe Held (neu), Otto Dinkel, Robert Gack, Dr. Andrea Starker, Frank Rubner und Bernd Krauß; für die SPD (8): Dr. Arnt-Uwe Schille, Monika Faber, Elke Werner, Sven Eisele, Dietmar Heinkelmann, Philip Bogdahn (neu), Günter Reinlein und Ina Dorsch (neu);

für die Freien Wähler/Freien Bürger (3): Eduard Meixner, Rudolf Panzer, Dr. Christopher Bogdahn (neu);

für die Grünen (4): Mathias Söllner, Dr. Susann Freiburg (neu), Siegbert Koch und Dr. Christine Schmidt (neu);

für die Jungen Bürger (3): Philipp Molendo, Christian Bauer und Christian Barth;

für die Wählervereinigung Leuchsental-Jura (WLJ - 3): Roland Lowig, Johannes Oppel und Andrea Dinkel (neu);

für die AfD (1): Heike Kunzelmann (neu) Nicht mehr dabei sind Georg Meißner und Dr. Alfred Thieret (CSU - beide nicht mehr angetreten), Winfried Weinbeer (FW - nicht mehr angetreten), Helmar Zipp (nicht mehr angetreten) und Ralf Schneider (beide SPD), Bernhard Christoph (Grüne - nicht mehr angetreten), Sigrid Mager (Freie Wähler) und Rudi Breuning (WLJ). Der Frauenanteil hat sich seit der letzten Wahl 2014 von 20 auf 33,3 Prozent gesteigert.