• Ein Blick in Pflegeheime 
  • So geht es Mitarbeitern und Heimbewohnern
  • Hoffnungen, Ängste - und ganz andere Krisen

Hübsch anzusehen sind sie: die Pflegeheime im Landkreis Lichtenfels unter einer dicken Schneehaube. In vielen Fenstern brennt heimeliges Licht, das Lust auf Gemeinschaft und Austausch macht. Doch gelangt man ins Innere der Einrichtungen, steht man in meist leeren Fluren, blickt in ebenso leere Gemeinschaftsräume. Es scheint, das Leben in den Einrichtungen spielt sich derzeit ganz woanders ab.

Corona-Lage in Pflegeheimen: Situation noch "angespannt"

Je nach Konzeption des Seniorenheimes beispielsweise innerhalb der Wohngruppen des Awo-Sozialzentrums Redwitz. Dort bleiben die kleinen Gemeinschaften der insgesamt 58 Bewohner im vollstationären Bereich unter sich und gehen ihren Beschäftigungen unter Einhaltung der üblichen Sicherheitsregeln nach. Derzeit wird vermehrt die Aktivierung der Sinneswahrnehmungen, Gymnastik sowie Gedächtnistraining von den Pflege- und Betreuungskräften des Awo-Sozialzentrums angeboten.

Da es beim Personal größere Ausfälle durch Quarantäneauflagen oder Krankheit gab, ist die Personalsituation noch "angespannt", so der Gesamtleiter des Zentrums, Steffen Coburger. "Da wirkt unser Ausbruchsgeschehen von Anfang Dezember, das wir zum Glück schnell und weitestgehend glimpflich in den Griff bekommen haben, noch nach." Dass diese Situation so gut bewältigt wurde, sei unter anderem auch dem Einsatz der Bundeswehr, von Ehrenamtlichen, Mitarbeitenden anderer Awo-Einrichtungen und Kräften der Arbeitnehmerüberlassung zu verdanken. Das Zusammenwirken mit den regionalen Behörden wie Heimaufsicht und Gesundheitsamt funktioniere sehr gut und wirkungsvoll.

"Wir erhalten im Bedarfsfall schnell und unkompliziert Unterstützung", so Steffen Coburger. Auch organisatorische Veränderungen entspannen den Alltag in Redwitz: Die befristete zentrale Zubereitung von Frühstück und Abendessen spare beispielsweise den Pflegekräften in den Wohngruppen Zeit, die anderweitig genutzt werden könne. "Dass wir die Anfangszeit der Corona-Pandemie so gut bewältigt haben und die Monate gerade so gut überstehen, ist eine hervorragende Gemeinschaftsleistung aller unserer Mitarbeiter, wobei die Pflegekräfte die Hauptlast zu bewältigen haben", betont Steffen Coburger. Sie tragen während ihrer gesamten Schicht FFP2-Masken, in festgelegten Bereichen volle Schutzkleidung und müssen jederzeit die komplexen Hygienekonzepte strikt einhalten. Aus Angst, durch private Kontakte innerhalb der Familie oder Ähnliches, das Virus an ihren Arbeitsplatz zu tragen, beschränken viele ihre eigenen Zusammenkünfte noch stärker als ohnehin schon.

Corona-Impfungen: Über die Hälfte der Mitarbeiter und Bewohner geimpft

Das Spannungsfeld zwischen bestmöglichem Schutz und größtmöglichem Freiheit der Bewohner als Menschen sei groß. Die Pflicht der regelmäßigen Schnelltestungen für Personal im Sozialzentrum und die Möglichkeit, im Bedarfsfall jederzeit PCR-Testungen durchzuführen und deren Ergebnisse innerhalb von zehn Stunden vorliegen zu haben, gebe den Mitarbeitenden zwar seit einigen Wochen etwas mehr Sicherheit, dennoch ist die Verantwortung für sie groß. Viele von ihnen haben deshalb auch das Angebot der Corona-Impfung wahrgenommen, von den Bewohnern waren es knapp 90 Prozent. Ein hoher organisatorischer Vorbereitungsaufwand wurde mit einer reibungslosen Durchführung der Impfungen belohnt. Eine vorsichtige Erleichterung macht sich breit - zusätzlich bedingt durch die regelmäßigen Corona-Testungen für die Bewohner. Ein Teil der Unsicherheit bleibt jedoch.

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Ähnlich ist die Atmosphäre im Pflegeheim am Eichberg in Marktgraitz. Mit einer Impfung starteten fast alle der derzeit 63 Bewohner in das neue Jahr. Auch rund 70 Prozent aller Mitarbeitenden nahmen das Angebot wahr. "Die Situation ist ein bisschen entspannter, aber wir haben weiterhin strenge Hygienekonzepte", so der Leiter Markus Trinkwalter. Ein wesentlicher Faktor dabei sind die Besuchsregelungen: Eine fest registrierte Person kann ihren Angehörigen einmal am Tag für eine halbe Stunde besuchen - nach vorherigem Covid-19-Schnelltest mit negativem Ergebnis und im separaten Besuchsraum der Einrichtung. "Das ist wenig, das weiß ich. Aber die Angehörigen zeigen viel Verständnis. Ich musste mich nie rechtfertigen", berichtet der Leiter, der im vergangenen Jahr mit seinem Team auch ein Corona-Ausbruchsgeschehen bewältigen musste.

"Und auch, dass Weihnachten ganz anders war als sonst, ist auch klar." Im Rahmen des Möglichen habe das Pflegeheim aber das Beste daraus gemacht: Eine Andacht des Dekans Lars Rebhan wurde auf den Bildschirmen abgespielt und vieles mehr. Was ihm dagegen Kopfzerbrechen bereitet, ist der psychische Druck, der auf den Pflegekräften ruht. In seinen Gedanken stellt er sich eine Anlaufstelle für diese vor, ähnlich einem seelsorgerischen Angebot aus anderen Bereichen, wo sie sich über Ereignisse, Schicksalsschläge und Ängste aussprechen könnten, mit denen sie täglich zurechtkommen müssen. "Das würde vielleicht etwas Druck und Last von ihnen nehmen."

Pflegeheime zeigen Eigeninitiative im Kampf gegen Corona

Dieser Belastung sieht auch Thomas Petrak, Kreisgeschäftsführer des BRK Lichtenfels, als Ansprechpartner für das Wohn- und Pflegeheim Am Weidengarten in Lichtenfels. Mit Blick auf den seit Jahren bestehenden Fachkräftemangel im Pflegebereich habe sich dort die Personalsituation in diesen Zeiten nicht verbessert. "Sie bleibt angespannt." Was sich ein Stück verbessert habe, sei nach der ersten Impfung am 12. Januar die Stimmung unter den Mitarbeitenden und den Bewohnern der Einrichtung. Thomas Petrak berichtet: "Alle haben ganz toll mitgemacht, und es kam so etwas wie gute Laune auf. Die Bewohner kamen mir sehr locker vor." Vielleicht liege das ein Stück weit an deren Lebenserfahrung: Viele haben schon unzählige Krisen durchstanden und können heute eine größere Gelassenheit an den Tag legen. Dennoch fragt sich Thomas Petrak: "Jetzt, wo die Schutzmaßnahmen in allen Heimen am größten sind, wo Schutzmaterial im Vergleich zur ersten Corona-Welle genügend vorhanden ist, kommt es zu Ausbruchsgeschehen. Was sollen wir noch tun?"

Vergleiche zur ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 zieht auch der Gesamtleiter des Awo-Sozialzentrums Redwitz: "Ohne das umsichtige und fachliche Handeln der Verantwortlichen im Gesundheits- und Pflegewesen hätte es damals eine Katastrophe gegeben. Staatliche Verordnungen und Empfehlungen sind im März und April des letzten Jahres der Realität weit hinterhergelaufen", so Steffen Coburger. Es seien weder genügend Mund-Nasen-Bedeckungen, geschweige denn FFP2-Masken vorhanden gewesen. Die Pflegeheime habe diese anfangs nur schwerlich und über große Umwege beschaffen können. Die Organisation notwendiger Schutz- und Hygienekonzepte einschließlich der Besuche der Heimbewohner durch Angehörige haben viele Pflegeheime zum großen Teil weit vor staatlichen Regelungen selbst statuiert. Es müsse daher die vollbrachte eigenständige Leistung aus dem Gesundheits- und Pflegesektor stärker beachtet und anerkannt werden. "In Form einer besseren Vergütung und höherer, nachhaltigerer Investitionen in die Bereiche der Daseinsvorsorge, was sich letztendlich positiv auf die Attraktivität der Pflegeberufe und deren Arbeitsbedingungen auswirken wird", ist sich Steffen Coburger sicher.

Allen drei genannten Pflegeheimen ist die Vorschrift gemeinsam, dass kein Besucher ohne Anmeldung und vorherigem Schnelltest mit negativem Ergebnis die Einrichtung besuchen darf. Außerdem steht jede dieser Einrichtungen in ständigem Kontakt mit der Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht sowie dem Gesundheitsamt des Landkreises Lichtenfels. Viele von ihnen können auf die wertvolle Unterstützung durch Ehrenamtliche zurückgreifen.

Corinna Tübel

 

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