Kleine Tyrannen auf der Bühne, ein Konzert für die Jugend und alles Open Air auf dem Marktplatz. Aber vielleicht geht Musikveranstalter Stefan Beier auch ins Wasser. Der Kreisjugendtag am Sonntag, 23. Juni, soll abwechslungsreich werden und wirft seine Schatten voraus. Der Marktplatz rockt, und der Fränkische Tag will wissen, was die Nachwuchsbands des Kreisjugendtags so zu bieten haben.

Stefan Beier schmunzelt, wenn er an das Kommende denkt. Vor allem schmunzelt er wegen der originellen Bands, die zwischen 16 und 21 Uhr den Marktplatz zur Sammelstelle für Rockfreunde machen wollen.
Es ist einer der wenigen sonnigen Tage, drei junge Damen haben sich für ein Interview-Gespräch angekündigt. Sie sind pünktlich und tendieren in Richtung Metal. Und sie haben Anekdotisches zu erzählen.



Stefanie Hauber ist Bassistin. Sie hat schöne lange Haare. Das braucht man, wenn man in einer Rock-Band wie Infected Authoritah spielt. Hart, schnell, laut - die Haare wehen zu Solis und Bassläufen. Sie wehen auch im Klischee. Die 21-Jährige aus Hochstadt am Main hat Bühnenerfahrung. Eben darum weiß sie, was ihr ganz sicher wieder droht: "Ich verfange mich regelmäßig in den Saiten meines Basses. Oder in den Saiten unseres Gitarristen. Das ist Standard", sagt sie lachend. Sie studiert Geowissenschaften in Jena, liebt den Rock und ist höchstens eineinhalb Köpfe größer als ihr Instrument. Beim Metal-Franconia-Festival stand sie auf der Bühne, bei "Der Landkreis rockt" auch, und mit ihrer Band ist sie Vorgruppe der Rammstein-Cover-Band "Stahlzeit". Ins Komponieren ist sie mit einbezogen. "Jeder schreibt seine Stimme", erklärt sie eine Band-Gepflogenheit.

Stefan Beier hat mit vielen jungen Bands zu tun. "Die meisten Leute denken immer, es muss was für 50 Euro sein, bevor es gut ist", sagt er. Erfahrungswerte eines professionellen Musikveranstalters. Die fünf Bands, die zum Kreisjugendfest auftreten werden, kosten den Zuhörer nichts und sind trotzdem gut und gefragt. Der Eintritt wird für das Publikum frei sein. Der Landkreis Lichtenfels, die Sparkasse Coburg-Lichtenfels, der Kreisjugendring Lichtenfels, CFB-Events, das Party- und Fotoportal Eraffe und auch der Fränkische Tag haben ihren Anteil.

Wette mit dem Fränkischen Tag

The Doods, Infected Authoritah, Petty Tyrant, Angel od gried und nulldB heißen die Bands. Sie haben Talent, wie Beier sagt. Was sie nicht haben, sind Allüren. "Man kann mit ihnen super arbeiten."

Beier kann sich nicht daran erinnern, wann ein Kreisjugendfest letztmalig in Lichtenfels stattgefunden hat. Auf jeden Fall soll der Folgetag des Stadtfestes (22. Juni) in Erinnerung bleiben. Als Familientag mit Menschenkicker, Bull-Riding und Vereinen, die sich auf dem Marktplatz bis 16 Uhr darstellen.

Ab dann gehört die Aufmerksamkeit der auf dem Marktplatz aufgebauten Bühne. Hochwertige Technik. Stefan Beier schmunzelt erneut. Er denkt an die Wette, die er mit dem FT laufen hat: Zehn Prominente des Landkreises will er dazu bewegen, öffentlich auf der Bühne Luftgitarre zu spielen. Entweder zu "Ace Spades" von Motörhead, zu "Highway to Hell" von AC/DC, oder zu "Smoke on the Water" von Deep Purple. Landrat Christian Meißner soll schon zugesagt haben. Wenn Beier das nicht gelingen sollte, dann - das hat er sich überlegt - will er womöglich ganz alleine den Marktplatz sauber machen und die Spuren des Festes beseitigen. Oder in den Floriansbrunnen springen? Auch das stand zur Disposition. Wenn er mit seiner Wette aber Erfolg haben sollte, dann wird der FT eine Spende an den Kreisjugendring übergeben.

Binnen zweier Wochen nach Aufruf zur Teilnahme, hätten sich 85 Bands über Facebook gemeldet, allein 20 aus dem Landkreis Lichtenfels, die anderen aus Thüringen, Nürnberg, Coburg, Kronach und Kulmbach. Sie alle wollten auf die Bühne am Marktplatz, so wie Jana Efremova und ihre Band Petty Tyrant, zu Deutsch: kleiner Tyrann.

Beiname: "Rote Königin"

"Endlich eine echt gute Bühne", fasst die 21-Jährige ihre erste Empfindung zusammen, als sie davon erfährt, dass ihre Band als eine von fünf Gruppen gesetzt ist. Die junge Frau trägt wegen ihres roten Schopfes den Beinamen "Rote Königin" und wohnt derzeit auch tatsächlich in einem Schloss irgendwo zwischen Jena und Kronach. Gemeinsam mit ihrem Lichtenfelser Bandkollegen Sandro Weich schreibt sie Songs und spielt Violine dazu. Ihr Ziel ist es, in Stuttgart Musik zu studieren. Der Schlossherr gestattet ihr, auf den Flügeln des Hauses zu üben und sich so laut einzusingen, wie sie will.

Auch Anna Rosenfeld (23) aus Neustadt bei Coburg freut sich auf das Spektakel und die mitten auf dem Marktplatz errichtete Bühne. Sie hat schon durch ihren Beruf Interesse an Bühnentechnik, denn sie arbeitet bei einem Anbieter für Musik- und Studiotechnik. Mit elf Jahren schon nahm sie eine Gesangsausbildung auf, mit 16 spielte sie in ihrer ersten Metal-Formation. "Da machen wir auf jeden Fall mit. Wenn man Glück hat, gewinnt man auch neue Fans."

Fans gewinnen will auch Stefan Beier. Es scheint - nach seiner Erfahrung - ganz gut auszusehen. Besonders bei den Anwohnern am Marktplatz, jenen Menschen, die die Dezibel am 23. Juni aushalten müssen. "Leute haben mit Heavy-Metal nix am Hut, aber begrüßen das Festival."