"Hier kocht Mama", steht fettgedruckt auf der Eingangstüre des Altenkunstadter Bootshauses, in dem sich bis vor einem halben Jahr noch eine Gaststätte befunden hatte. Nach einem Brand Anfang des Jahres tauschte "Mama", eine 93-jährige Altenkunstadterin, ihren Platz hinterm Tresen gegen eine Unterkunft bei ihrer Tochter. Was passiert mit dem Haus, das sich im Besitz der Gemeinde befindet?
Eine Antwort auf die Frage suchte und fand der Bauausschuss der Gemeinde am Dienstagabend bei einem von Gemeinderat Jan Riedel von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) angeregten Ortstermin. Man kam überein, an gleicher Stelle ein neues Bootshaus zu errichten. "Wenn wir ein Gebäude in identischer Form und mit derselben Nutzung bauen, dann zahlt uns die Versicherung rund 105 000 Euro", sagte Bürgermeister Robert Hümmer.


FC und Wasserwacht wollen

Interesse an einer Nutzung haben laut Bürgermeister sowohl der 1. FC Altenkunstadt als auch die Wasserwacht. Ersterer hätte gerne einen Vereinsraum mit Bewirtung, letztere sucht nach einer Unterstellmöglichkeit für ihr Rettungsboot. Beide Vereine würden sich mit Eigenleistung beim Bau einbringen. Mit ihnen sollen Gespräche darüber geführt werden.
Die an einer Stelle stark verkohlte hölzerne Außenfassade zeugt noch von dem Unglück, das sich in einer kalten Winternacht unweit des Maines ereignet hatte. "Ein Aschekübel hatte den Brand ausgelöst", sagte Hümmer beim Blick auf das beschädigte Gebäude. Dem schnellen Eingreifen der Wehr sei es zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert sei. Die rüstige Wirtin war mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht worden. Ihr Gaststättengewerbe meldete sie ab. Nicht nur das Feuer, auch der Zahn der Zeit hatte dem Gebäude zugesetzt. "Es ist nicht mehr viel Substanz vorhanden", stellte der Bürgermeister nüchtern fest. Die bestehenden Toiletten neben dem eigentlichen Bootshaus sollen saniert und zu öffentlichen Pissoirs werden.


Wird der Friedhof erweitert?

Auf dem Altenkunstadter Friedhof wurde 2016 eine neue Urnenanlage aufgestellt. Von den 40 Feldern sind bereits 21 vergeben. Auch anonyme Bestattungen liegen im Trend. Wie soll die Gemeinde auf diese Entwicklungen reagieren? Ludwig Winkler (FBO) schlug eine Erweiterung in Richtung Osten vor, Walter Limmer von der Jungen Wähler Union (JWU) plädierte dafür, auf dem vorhandenen Friedhofsareal nach freien Plätzen zu suchen. Man kam überein auszuloten, welche Bestattungsmöglichkeiten es auf dem bestehenden Gottesacker gibt. Zudem soll mit Blick auf die Zukunft grundsätzlich überprüft werden, ob nicht auch eine Erweiterung möglich sei.
Über Raser in der Rechtsanwalt-Krauß-Straße beschwerte sich die Familie Reinhard bei der Gemeinde. Obwohl sich in diesem Bereich enge Schulwege und unübersichtliche Ausfahrten befänden, legten so manche Autofahrer einen Fahrstil an den Tag, der dem Umfeld nicht angepasst sei, beklagen die Anwohner in einem Schreiben an die Gemeinde. Ihrer Forderung nach einer Reduzierung der Geschwindigkeit kam der Ausschuss nach: Beginnend bei der Eisdiele soll in der Straße zukünftig ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern gelten. Auf Anregung des Bürgermeisters wurden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Auch von Prügel kommend ortseinwärts beim Friedhof soll eine 30er-Zone errichtet werden. Das letzte Wort hat allerdings der Landkreis, handelt es sich doch in beiden Fällen um eine Kreisstraße.
Im Neubaugebiet evangelische Kirche besteht bereits ein solches Tempolimit. Daran halten sich nach Beobachtung von Jeanine und Stefan Weis allerdings nur wenige Autofahrer. Im Kreuzungsbereich der Straßen Neumühle und An der Wiesenmühle komme es daher zu brenzligen Situationen. In einem Schreiben an die Gemeinde fordert das Ehepaar verkehrsberuhigende Maßnahmen anzudenken wie zum Beispiel die Aufstellung weiterer Tempo-30-Schilder oder Fahrbahnverengungen. "Ich habe mir vor Ort ein Bild gemacht. Es wird dort teilweise geparkt, was zur Verkehrsberuhigung beiträgt. Auch der Verkehr dürfte wieder abnehmen, wenn alle Wohnhäuser im Neubaugebiet fertiggestellt sind", sagte der Bürgermeister, der weiteren Maßnahmen für überflüssig hielt. So sah es auch das Gremium, das den Antrag der Bürger einstimmig ablehnte.


Gewerbegebiet in Woffendorf

Die Gemeinde wird mit einer großflächigen Werbetafel auf einem Grundstück entlang der Staatsstraße 2191 von Altenkunstadt nach Weismain für ihr geplantes Gewerbegebiet in Woffendorf werben. "Das Schild ist von beiden Seiten aus gut zu sehen", begrüßte der Bürgermeister den Standort. Zugleich hoffte er, dass das Plakat nicht lange stehen bleibe und fleißig gebaut werde. Der Bauantrag der Gemeinde erhielt einstimmig das gemeindliche Einvernehmen.
Ist die Marter bei Spiesberg standfest und auf wessen Grund steht sie? Das wollte Karl-Heinz Hofmann (SPD) in der Bauausschusssitzung im April wissen. "Sie ist nicht wackelig und befindet sich auf einem Grundstück des Landkreises", teilte der Bürgermeister mit.
Der Landwirt, der die Biogasanlage bei Prügel betreibt, wollte diese mit zwei weiteren Motoren ausstatten. Dagegen legte der Bauausschuss sein Veto ein. "Das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde hat das ihrer Ansicht nach rechtswidrig versagte gemeindliche Einvernehmen ersetzt. Der Betreiber kann jetzt bauen", gab der Bürgermeister bekannt.
Die Nachbarkommune Mainleus plant ihre Zukunft. Zu den obersten Sanierungszielen des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes gehört die Entwicklung des Spinnereigeländes. Die Altenkunstadter Ausschussmitglieder legten hier keine Steine in den Weg, sondern begrüßten das Vorhaben der Nachbargemeinde.