Fast wäre die komplette Aktion ausgefallen: Kurzfristig wollte das Landratsamt die Obstbaum-Aktion am Samstagmorgen wegen der Corona-Pandemie absagen. Die Verantwortlichen mussten also viel improvisieren, organisieren und anpacken, damit die Vergabe der bereit liegenden Gehölze doch noch stattfinden konnte.

So war die Zufahrt auf dem großen Parkplatz vor und neben dem Landratsamt nur einseitig in

Kreisrichtung nach hinten befahrbar. Aussteigen war verboten – egal ob aus dem Auto oder dem Bulldog. Die Helfer von Michael Stromer kamen mit dicken Mundschutzen an die Fenster der Fahrzeuge, fragten nach den Namen und gaben dann die Abholzettel aus. Weiter ging es für die Kunden in langsamem Tempo zur ersten Ausgabestelle. Dort gab es Pfähle mitsamt Verbissschutz.

Zwei weitere Helfer suchten dann anhand des Abholzettels die bereits vorbereiteten Bäume, und legten sie gebündelt in die Pkw-Anhänger oder Traktor-Container. An der dritten Station erhielten die Kunden eine Pflanz- und Pflegeanleitung. Kurz vor der Ausfahrt auf die Kronacher Straße, wo sonst E-Fahrzeuge aufladen, stand ein kleiner freier Platz zur Verfügung. An dem durften die Besteller aussteigen, um ihre Bäume mit Gurten, Bändern oder Netzen zu sichern. Dann erst konnten sie das Gelände verlassen.

Derweil warteten auf der Kronacher Straße aus beiden Richtungen schon viele Fahrzeuge auf die Erlaubnis einfahren zu dürfen. Sorgfalt und Aufmerksamkeit waren also gefragt.

Bereits seit 25 Jahren

Trotz der vielen Hürden zeigte sich Michael Stromer einigermaßen zufrieden mit der diesjährigen Obstbaum-Aktion. Die gibt es in der jetzigen Form seit etwa 25 Jahren. Josef Schröder rief sie ins Leben, berichtet Stromer: "Die staatliche Förderung lief damals aus, so dass er  (Schröder) eine unbürokratische Lösung suchte."

Die Finanzierung läuft seitdem – neben dem Eigenanteil jedes Baumbesitzers – über den Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Lichtenfels, der auf jährlichen Antrag einen Zuschuss vom Landkreis erhält.

Auch heuer wurden die Bäume wieder per Lkw von einer Obstbaumschule aus dem Erlanger Raum geliefert. Dazu wurden separate Angebote eingeholt. Die vergangenen Jahre waren es jeweils um die 600 Stück, die bei der Pflanzaktion im Herbst bestellt und ausgegeben wurden. An diesem Samstag waren es mehr: Die insgesamt 112 Antragsteller hatten 691 Bäume bestellt.

Allerdings gab es auch Bedingungen: Die Förderaktion gilt nur für Obstbäume in der Landschaft (Streuobstwiesen, Obstalleen beziehungsweise -reihen oder Einzelbäume). Die Bäume müssen zudem im Landkreis Lichtenfels gepflanzt werden und der Antragssteller sollte Mitglied eines Gartenbauvereins sein. Dazu mussten die Besteller im Vorfeld die Gemarkung und auch die Flurnummer der Anpflanzstelle angeben. "Bäume für den Hausgarten werden nicht gefördert und auch nicht mitbestellt – auch andere Baumschulen sollen ihre Bäume verkaufen können", informierte Kreisfachberater Michael Stromer.

Interesse bei jungen Menschen

Die Nachfrage war in den vergangenen Jahren ziemlich gleichbleibend: "Heuer verzeichne ich aber einen beträchtlichen Anstieg. Erfreulich viele und vor allem auch junge Flächenbesitzer interessieren sich für die Anlage einer Obstwiese", freute sich Stromer. Hier zeige sich eine gestiegene Achtsamkeit gegenüber der Natur allgemein und speziell gegenüber der Arten- und Sortenvielfalt.

Die Bäume sind ein praktischer Beitrag hierzu.: "Tatsächlich sind ja Obstwiesen einer der vielfältigsten Lebensräume für Tiere und Pflanzen in unserer Kulturlandschaft", erklärt Stromer. Der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz verstehe sich hierbei von selbst.

Hochstamm-Apfelbäume würden etwa 100 Jahre alt, Birnen oft noch älter. Sie überdauern also ein Menschenleben und man könne durchaus von einer langfristigen und nachhaltigen Investition sprechen. Allerdings sei das kein Selbstläufer, sondern brauche Pflege und Zeit. "Zum Glück haben wir die – übrigens auch vom Landkreis getragene – Kreisfachberatung und  viele Obst- und Gartenbauvereine, die sich seit ihrer Gründung der Obstbau-Kultur verschrieben haben und ihre Unterstützung anbieten", sagt Stromer.

Folgendes bittet der Kreisfachberater zu beachten:  Die Bestellfrist für dieses Jahr ist bereits abgelaufen. Weil Obstbäume aber eine langfristige Investition sind, kann man getrost schon fürs nächste Jahr planen.

"Als Berater stehe ich immer zur Verfügung", sagt Stromer. Im kommenden Jahr wird er wieder ein Seminar zum Thema "Planung einer Obstwiese" anbieten.