Die letzten Töne sind verklungen auf der Plassenburg, der denkwürdige Open-Air-Sommer 2021 ist Geschichte. Zeit für eine Bilanz. Veranstalter Matthias Mayer von Motion Kommunikation aus Bayreuth dürfte seine achte Auflage der Konzertreihe seit 2013 (vergangenes Jahr fiel sie wegen Corona komplett aus) unter Pandemie-Bedingungen in besonderer Erinnerung behalten. Der 50-Jährige ist trotz aller Unbilden dankbar, dass die Auftritte alle stattfinden konnten. Zahlen unterm Strich seien da "erst einmal zweitrangig", sagt er im Interview mit der BR.

Herr Mayer, wie groß ist die Erleichterung nach dem Abschlussabend mit Wolfgang Niedecken? Es war ein großes Wagnis auch für Sie als Veranstalter, die Konzertreihe stattfinden zu lassen, oder?

Matthias Mayer: Ich bin sehr erleichtert, dass das Festival überhaupt stattfinden konnte, das ist richtig. Das hat mit der Pandemie zu tun, aber auch damit, dass wir in Kulmbach noch nie mit einer so unkalkulierbaren Wetterlage zu tun hatten. Ein Blick auf die Wetterkarte hat gezeigt, dass an manchen Abenden mit schwersten Gewittern gerechnet werden musste - und da kann man rückblickend feststellen: Der Wettergott ist definitiv Plassenburg-Fan, denn außer ein paar Regenschauern sind wir zum Glück verschont worden. Alle Veranstaltungen wurden problemlos bis zu Ende gebracht. Damit sind wir sehr zufrieden.

Wir haben eine sehr positive Resonanz bekommen - von den Besuchern, aber auch den Künstlern. Vier Künstler hatten in Kulmbach ihren Tourauftakt, waren teilweise seit 18 Monaten nicht mehr vor Live-Publikum aufgetreten. Sie stimmten darin überein, dass es nach all den Entbehrungen für sie kaum einen schöneren Auftakt hätte geben können. Das wiederum gibt uns Recht, dass wir die Konzerte veranstalten wollten.

Man tauscht sich in der Veranstalterszene ja untereinander aus. Wie war die Reaktion von anderen, als Sie bekundeten, die Open-Airs durchzuziehen: Stieß das auf Verständnis oder eher auf Skepsis?

Es gibt da zwei Denkrichtungen, wenn ich das richtig überblicke: Die einen haben beschlossen, nichts anzubieten und eher auf staatliche Hilfsmaßnahmen zu setzen. Dazu gehören wir ausdrücklich nicht. Wir sind die andere Seite: Wir wollen machen, was wir machen können. Das liegt daran, dass wir eine Leidenschaft für unser Metier und die Kultur haben. Das fanden einige mutig oder vielleicht auch verrückt, aber so ticken wir eben.

Die Zuschauerkapazität war um zwei Drittel reduziert, statt der üblichen 1500 konnten Sie nur mit maximal 550 Zuschauern kalkulieren. Was sagt der Blick unter den Strich? Hat das Vabanquespiel sich dennoch letztlich ausgezahlt?

Wirtschaftlich stellt sich das alles schwierig dar, das ist keine Frage. Ohne die Hilfe von Sponsoren und auch der einmal mehr wunderbaren Unterstützung der Stadt Kulmbach und eines Programms der Bundesregierung namens "Neustart Kultur", das wir in Anspruch nehmen konnten, wäre es schlicht unmöglich gewesen. Aber auch so ist der finanzielle Aspekt natürlich ein Wermutstropfen. Wir hatten insgesamt rund 5000 Besucher, das ist unter den schwierigen Bedingungen eine ansprechende Zahl. Aber man hat schon gemerkt, dass viele Leute - verständlicherweise - sich noch sehr vorsichtig verhalten, was den Besuch einer solchen Veranstaltung angeht, da dominiert immer noch so eine Art Handbremse im Kopf, die sich erst im Lauf der Zeit lösen muss. Diejenigen, die da waren, haben das Angebt extrem genossen. Dazu trug unser, wie ich meine, ausgeklügeltes Hygienekonzept bei. Wir sind sehr dankbar, wie gut die Leute hier mitgespielt und sich an die Regeln gehalten haben. Das verdient ausdrücklich Lob.

Sind die Künstler Ihnen als Veranstalter finanziell entgegen gekommen?

Generell versucht jeder, seinen Beitrag zu leisten, um eine Veranstaltung durchführen zu können, gerade in Coronazeiten. Natürlich betrifft das auch die Gagen, hier gaben uns die begrenzten Besucherkapazitäten diesmal einen sehr engen Rahmen vor. Hier können wir auf das Ambiente der Burg und auf unser langjähriges und vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit den Musikern zählen, dass beide Seiten zu ihrem Recht kommen. Aber selbst bei reduzierten Konditionen ist auch klar: Bei nicht mal 500 Leuten kann man schwer kostendeckend arbeiten. Immerhin kamen wir dank der knapp 1000 Zuschauer beim Doppelkonzert von La Brass Banda und den rund 750 Besuchern bei beiden Echoes-Auftritten an Größenordnungen aus "normalen" Jahren heran. Besonders gefreut hat mich, dass wir beim Konzert der Band Provinz mit 500 Besuchern vor allem für die Generation der 15- bis 20-Jährigen etwas bieten konnten, denn gerade die Jugend musste in den vergangenen Monaten viele Abstriche machen.

Es heißt, es ging auch darum, den Menschen ein Angebot zu machen?

Genau das. Wir haben mit der Durchführung, die zugegeben schwer war, die Kontinuität der Plassenburg-Open-Airs als Marke gewährleistet. Das allein ist ein Wert an sich, der es rechtfertigt, die nackten Zahlen nicht an erster Stelle zu sehen. Es gab so viele Absagen bundesweit, aber auch in der Region. Da wollten wir bewusst ein Zeichen setzen, dass etwas gehen kann, wenn alle mitmachen.

Und es gibt ein nächstes Mal?

Auf alle Fälle, mit drei Veranstaltungen sind wir ja bereits im Vorverkauf. Es handelt sich um die verschobenen Auftritte von Barclay James Harvest, Angelo Kelly und der Altneihauser Feierwehrkapell'n, dazu kommen in den nächsten Wochen sicher weitere Zusagen für Künstler.