Corona. Ein Wort ist zum Synonym für Stillstand geworden. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind betroffen. "Eine Katastrophe für viele Künstler", sagt Anita Magdalena Franz. "Für das Künstlerleben ist der Austausch mit den Betrachtern wichtig." Die Vorsitzende des Bundes Fränkischer Künstler skizziert im Katalog zur Jahresausstellung der Künstlervereinigung auf der Plassenburg die Situation: "Wir haben neue Formen des Miteinanders finden müssen."

Führungen mit Künstlern

Während fast alle Kulturveranstaltungen abgesagt wurden, hat sich der Bund Fränkischer Künstler entschlossen, allen Widrigkeiten zum Trotz seine 91. Jahresausstellung durchzuführen. Auf eine Vernissage hat man freilich verzichten müssen, auch eine Finissage wird es nicht geben. Doch die Kunst ist da und wartet darauf, Menschen anzusprechen, zu begeistern, zum Nachdenken und zum Austausch anzuregen - seit 5. Juli und noch bis zum 5. September. Samstags und sonntags finden nachmittags um 15 Uhr Künstlerführungen in kleiner Runde statt.

"Es kommen Besucher, aber es könnten mehr sein", sagt Hermann Müller von der Kulturverwaltung der Stadt Kulmbach. "Und die Arbeiten verdienen wirklich Beachtung!"

Dass sich der Weg auf die Burg lohnt, zeigt sich schon im Foyer der Hofstube. Dort wirft Stefan Pieger einen kritischen Blick auf "America today", Martin Rogalla zeigt: "Lives Matter".

Der Bund zeigt in diesem Sommer 134 Werke von 78 Künstlern. Acht davon leben und arbeiten im Landkreis: Helga Hopfe (Mainleus), Pubea Jaksarn (Grafengehaig), Sabine Kage (Kulmbach), Waltraud Caroline Keyn (Kulmbach), Marion Kotyba (Kulmbach), Carmen Kunert (Thurnau), Sabine Neunert (Kulmbach) und Günther Wolfrum (Presseck).

Dass die Ausstellung wie gewohnt stattfinden kann, ist nicht zuletzt 15 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zu verdanken, die die Aufsicht in der Hofstube gewährleisten und dabei auch auf die Einhaltung der Corona-Regeln achten, jeweils in Vier-Stunden-Schichten.

Freundlich empfängt Bernd Volk ein Pärchen, das sich die Ausstellung anschauen möchte, erklärt kurz, was es zu sehen gibt. Der 73-Jährige hat gerade seine Nachmittagsschicht begonnen, einen von insgesamt neun Einsätzen während der zweimonatigen Ausstellungsdauer. "Eine sinnvolle Beschäftigung im Ruhestand", sagt er. Er freut sich über den Kontakt zu kulturell interessierten Menschen und kommt gerne mit ihren ins Gespräch.

Ebenfalls alle Jahre wieder ist Sigrid Brehm auf der Plassenburg als Aufsicht im Einsatz. Warum sie diese Aufgabe immer wieder gern übernimmt? "Ich interessiere mich selbst sehr für Kunst. Und ich möchte meiner Stadt ein bisschen was zurückgeben", sagt die pensionierte Lehrerin.

Für jeden etwas

Sie beaufsichtigt die Werke nicht nur, sondern hat sie sich auch gründlich angesehen. Ihr Favorit ist ein zartes Pastellgemälde von Erika Hochgesang-Weber aus Bayreuth mit dem Titel "Sommer in Masuren". "Das ist ein wunderbar stimmungsvolles Bild", schwärmt die 75-Jährige.

Auch Bernd Volk hat seine Favoriten - Lichtobjekte von Stefan Stock aus Kastl. Kunst zum Anfassen, etwas für Technikbegeisterte. Leuchtdrähte, LEDs und Elektronik befriedigen den Spieltrieb, sind ästhetisch und erfrischend frei von jedem Zweck.

Hermann Müller hat ebenfalls ein paar Favoriten. Besonders angetan hat es ihm das fotorealistische Ölgemälde "The Pond" von Tepedino Kimberly , in dem die Künstlerin sich selbst zum Motiv macht.

Es gibt viel zu entdecken in der weitläufigen Ausstellung. Installationen und Skulpturen, Gemälde, Objektkunst, klassisch-schöne Landschaften wie die des Presseckers Günther Wolfrum und Experimentelles wie die Video-Inszenierung von Stefanie Ziegler und Lisa-Maria Wenk gehören dazu, aber auch Freudenfeste der Farben wie bei Gerda Poiger oder die Auseinandersetzung mit Corona - Versuche, der Krise zu begegnen und den Stillstand zu überwinden.

Kunst auf der Burg

Dauer Die Werkschau des Bundes Fränkischer Künstler ist noch bi 5. September in der Großen Hofstube zu sehen und täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Eintritt Die Ausstellung ist dem Landschaftsmuseum Obermain angegliedert. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt.