Seit 27 Jahren pendelt Volker Dietel mit der Bahn von Bayreuth nach Neuenmarkt zu seinem Arbeitsort im Deutschen Dampflokomotiv-Museum. Das liegt direkt am Bahnhof. Dietel wohnt mitten in Bayreuth, hat kein Auto. Er will auch keins. Nicht zuletzt deshalb beobachtet er die Entwicklungen in der Bahnpolitik mit Unbehagen.
Die Bahn arbeite daran, sich aus der Fläche zurückzuziehen, sich auf die Magistralen zu konzentrieren, ist seine Angst. In anderen Bundesländern habe der Kahlschlag schon stattgefunden. Als Beispiel nennt er die Moselbahn in Rheinland-Pfalz.

Diesen Kahlschlag befürchtet er auch für die Strecke Nürnberg-Dresden, den so genannten Franken-Sachsen-Express über Bayreuth und die Schlömener Kurve. "Angeblich rechnet sich das nicht." Dietel weiß auch, warum das so ist: Baustellen und Technik seien verspätungsanfällig, was Kunden kostet. Die Bahn pokere nun darum, dass der Staat einspringt. Doch der will nicht, sagt Dietel.

Die Entwicklungen bereiten auch Neuenmarkts Bürgermeister Siegfried Decker große Sorgen. Denn vertraglich sei die Bedienung des Franken-Sachsen-Express über Bayreuth nur bis 2013 gesichert. Damit diese Verbindung weiter bestehen bleibt, hat er bereits an den bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer geschrieben. Seine Befürchtung: "Bayreuth wäre mehr oder weniger vom Fernverkehr abgeschnitten. Und die Region Oberfranken-Ost wieder ein Stück von den Entwicklungen abgekoppelt." Vor allem, wenn der Schwerpunkt der Bahn auf die Linie Hof-Marktredwitz-Regensburg gelegt werde.


Keine Zusagen vom Minister



Diese Befürchtung hat mit dem Besuch von Bundesminister Peter Ramsauer in Bayreuth vor einigen Wochen neue Nahrung erhalten. Denn der sei ohne Zusage wieder verschwunden. "Ramsauer hat nichts verkündet, weil es nichts zu verkünden gab."

Doch nicht nur der Weiterbetrieb des Franken-Sachsen-Express ist sein Anliegen. Die Bahnlinie von Hof nach Neuenmarkt-Wirsberg und weiter nach Bayreuth und Kulmbach soll nach dem Willen Deckers elektrifiziert werden. "Denn Dieselloks werden im schnellen Fernverkehr bald keine Rolle mehr spielen."

Ein Drittes noch: Zur Vermeidung von Engpässen im Begegnungsverkehr ist nach den Worten Deckers die Wiederherstellung des zweiten Gleises zwischen Stammbach und Marktschorgast erforderlich. "Der eingleisige Abschnitt ist oft die Ursache für Verspätungen." All diesen Forderungen sei schon mit der "Kulmbacher Erklärung" vor einem Jahr Nachdruck verliehen worden.

Ein optimales Zugangebot von Hof über Neuenmarkt in Richtung Bayreuth-Nürnberg beziehungsweise an den Wirtschaftsraum Würzburg-Frankfurt ist in den Augen des Neuenmarkter Bürgermeisters umso bedeutsamer, nachdem der Betrieb der Fluglinie Hof-Frankfurt eingestellt wurde. "Jetzt ist es wichtig, dass Politik und Wirtschaft mit einer einheitlichen Stimme sprechen, damit die Region nicht abgehängt wird."


Gespräche zum Erhalt laufen



Aus dem Bundesverkehrsministerium hat Decker inzwischen eine Antwort erhalten. Darin heißt es, dass derzeit Gespräche über den Erhalt des Franken-Sachsen-Express laufen. Sowohl die Elektrifizierung als auch der zweigleisige Ausbau wären im Rahmen der Erarbeitung des neuen Bundesverkehrswegeplans 2015 als Planfälle zu berücksichtigen.

Anders als im Fernverkehr ist Decker mit der Anbindung Neuenmarkts im Nahverkehr jedoch zufrieden. Das liege aber daran, dass der Nah- und Regionalverkehr in der Zuständigkeit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft liegt, die ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Freistaats ist.

Mehr zu diesem Thema, ein Interview mit Landrat Klaus Peter Söllner und einen Kommentar lesen Sie am Samstag in der Bayerischen Rundschau.