Die Zuschauerreihen im Medienhaus in der E.-C.-Baumann-Straße sind beim vierten und letzten Wahltalk, zu dem die Bayerische Rundschau und Radio Plassenburg gemeinsam eingeladen haben, gut gefüllt. Zu Gast ist am Freitagabend OB Henry Schramm (CSU), der sich am 15. März erneut zur Wahl stellt und auch von der Wählergemeinschaft Kulmbach sowie der FDP unterstützt wird. Viele Schramm-Fans, Familie und Freunde sitzen im Publikum, stärken ihm den Rücken und spenden reichlich Applaus.

Warum nicht früher?

In den vergangenen zwei Wochen hat Schramm mit Grundstücks- und Immobiliengeschäften unfreiwillig Schlagzeilen gemacht. Ihm wird Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen, es wurden Strafanzeigen erstattet, die Staatsanwaltschaft Bayreuth ermittelt. Vor diesem Hintergrund spielt das Thema natürlich auch beim Kandidaten-Interview eine Rolle. Rundschau-Redaktionsleiter Alexander Müller und Programmleiter Markus Weber von Radio Plassenburg fragen kritisch nach: Warum hat es so lange gedauert, bis der OB und sein Anwalt Karsten Schieseck entlastende Dokumente vorgelegt haben?

Mit derart massiven Vorwürfen konfrontiert, habe er es für richtig gehalten, zunächst alles der Staatsanwaltschaft vorzulegen. "Ich habe Interesse an einer schnellen Klärung der Vorwürfe, möglichst vor der Wahl, und vertraue da ganz auf die Justiz", sagt Schramm. Er habe sich nichts vorzuwerfen und niemals der Stadt geschadet.

Im Gespräch mit dem Moderatoren-Duo zeichnet er die fraglichen Ereignisse noch einmal nach. Er habe anständige und wertgerechte Preise bezahlt, wie sie jeder andere auch hätte bezahlen müssen. Mit dem Grundstückskauf in der Blaich habe er lediglich einem Unternehmer helfen wollen ("auch wenn einem so etwas heute niemand glauben will"), und in der Jean-Paul-Straße habe er das seit 1996 zum Verkauf stehende Haus gekauft, in dem seine kranke Mutter gewohnt habe, um ihr Sicherheit zu geben. "Die Vorwürfe, die gegen mich erhoben werden, kann ich so nicht nachvollziehen. Wenn ich etwas Unsauberes vorgehabt hätte, hätte ich das doch nicht öffentlich in meinem Namen getan."

Auch am Geschäftsgebaren der Städtebau könne er nichts Kritikwürdiges finden. "Die Geschäftsführer machen einen guten Job. Das zeigen die Zahlen." Ob künftig nicht doch mehr Öffentlichkeit durch Ausschreibungen hergestellt werden sollte, wie es die SPD in der jüngsten Stadtratssitzung verlangt hat? Vieles sei denkbar, meint der OB, "aber das soll der neue Stadtrat entscheiden".

"Politisches Klima war schon mal besser"

Fakt sei, die Geschäfte der Städtebau seien mehrfach geprüft und nie beanstandet worden, die Beschlüsse des Aufsichtsrats stets einstimmig gefallen. "Es hätte jederzeit die Möglichkeit gegeben, nachzufragen, aber man hat es vorgezogen, gleich das schärfste Schwert zu ziehen - eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft."

Wie er denn das politische Klima derzeit in Kulmbach beschreiben würde, möchte Markus Weber von Schramm wissen. Der lächelt ein wenig gequält: "Ich denke, es war schon mal besser." Doch der Oberbürgermeister betont, er habe sich in seiner Amtszeit stets um ein harmonisches Miteinander bemüht.

Bei der OB-Wahl 2012 hatte Schramm zwei Gegenkandidaten und auf Anhieb 62 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Dieses Jahr muss er sich mit drei Mitbewerbern von SPD, Grünen und AfD auseinandersetzen. Was erhofft er sich vom Wahlabend? "Ich trete an, um zu gewinnen. Wie ich gewinne, wird sich zeigen." Er habe in 13 Jahren im Amt viele wichtige Entwicklungen angestoßen. "Und wenn die Bürger mir vertrauen und sagen, der kriegt das hin, dann will ich gerne weiter dafür arbeiten, dass Kulmbach eine gute Zukunft hat."

Meilensteine seien die Umgestaltung der Innenstadt mit dem Eku-Platz, die Entscheidung für den Uni-Campus, aber auch Investitionen in die Infrastruktur. Doch Schramm gibt sich bescheiden: "Ich hab das nicht allein gemacht. Ich hatte die Mittel und die Unterstützung des Stadtrats und eine leistungsstarke Verwaltung."

Wie die Zukunft aussehen soll, da hat Henry Schramm ganz klare Vorstellungen: "Wir wollen und brauchen Leben in der Stadt." Wie das erreicht werden kann - auch darüber sprechen Alexander Müller und Markus Weber mit Henry Schramm. Der Uni-Campus hat in seinen Augen eine Schlüsselfunktion, denn daraus entstünden Impulse, die sich vielfältig positiv auswirkten. Es werde investiert und gebaut, unter anderem viele Wohnungen. Die Stadt werde attraktiver für junge Menschen, für Familien, für Unternehmen...

Ist da die Erwartungshaltung nicht doch ein wenig überzogen? "Auf keinen Fall", widerspricht Schramm. Gerade die Fachrichtung Lebensmittel und Ernährung sei für Kulmbach Gold wert - "zehn mal besser als der Medizin-Campus, der ja auch mal für uns im Gespräch war".

Die Entwicklung werde sich schrittweise vollziehen, aber spürbar sein, meint der OB: Mehr Wohnungen im Zentrum brächten mehr Leben in der Stadt, und das bedeute auch mehr Kunden für Einzelhandel und Gastronomie. Doch der OB mahnt die Kulmbacher, ebenfalls mitzuhelfen: Wer sich eine florierende Innenstadt mit vielen Geschäften wünscht, muss auch selbst dort einkaufen!"

Kein "halber OB"

Zum Schluss noch einmal eine kritische Nachfrage zur Doppelrolle als OB und Bezirkstagspräsident: "Bekommen diejenigen, die Sie wählen, nur einen halben Oberbürgermeister, weil Sie nur mit halber Kraft für Kulmbach arbeiten können?", fragt Markus Weber. Das weist Schramm weit von sich, sieht die Doppelfunktion vielmehr als großen Vorteil: Als Bezirkstagspräsident habe er in München einen noch besseren Hebel. "Und wenn ich mit Entscheidern spreche, kann ich gleichzeitig etwas für Kulmbach und für den gesamten Bezirk erreichen."