Es ist eine Frage, die nicht nur die knapp 450 Mitarbeiter der Sparkasse Kulmbach-Kronach beschäftigt: Wer folgt auf Vorstandsvorsitzenden Klaus-Jürgen Scherr, der zum 1. September offiziell aus dem Kreditinstitut ausscheidet und in den Ruhestand geht?

Die Kandidaten

Die Entscheidung fällt in den nächsten Wochen. Der 17-köpfige Verwaltungsrat wird wohl einen seiner bisherigen Vorstandskollegen zum Nachfolger küren: Steffen Potstada, der seit 2007 bei der Sparkasse und seit 2017 Vorstandsmitglied ist, oder Harry Weiß, ein Urgestein, der schon seine Ausbildung bei der früheren Kulmbacher Sparkasse absolviert hat, seit 2002 Teil dem Führungsgremiums angehört.

2005 waren es noch 5

Eines steht schon jetzt fest: Das Vorstandsgremium wird mit dem Ausscheiden von Klaus-Jürgen Scherr, der 2009 Stefan Erbacher abgelöst hatte, wieder von drei auf zwei Mitglieder verkleinert. Nach der Fusion der Sparkassen Kulmbach und Kronach 2005 bestand dieses noch aus fünf Führungsköpfen: Neben Stefan Erbacher waren damals Harry Weiß und Rudy Früh (zuvor alle Kulmbach) sowie Michael Kaim und Klaus-Jürgen Scherr (zuvor Kronach) Vorstände. Im Rahmen des Fusionsvertrages war die Reduzierung auf drei Vorstände festgelegt worden. Ein solches Führungsgremium sei die "richtige Größe" für eine Bank, die 2007 mit knapp 700 Mitarbeitern eine Bilanzsumme von zwei Milliarden Euro erzielt hatte, sagte Scherr, nachdem bekanntgegeben worden war, dass er Vorstandsvorsitzender wird.

Er war ein Wunschkandidat

Aus drei waren in der Folgezeit zwei Führungskräfte geworden. Mit der Ernennung von Steffen Potstada war das Gremium dann übergangsweise wieder auf drei Vorstände erweitert worden, wohl auch mit Blick auf das nahende Ausscheiden Scherrs. Der hatte Potstada damals als seinen Wunschkandidaten bezeichnet.

Das verdienen Vorstände

Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, zählte die Sparkasse 2019 noch etwa 450 Mitarbeiter, die Bilanzsumme lag bei 2,5 Milliarden Euro. Dass die Zahl der Vorstände auf zwei reduziert, geht mit einer Kostenersparnis einher. Die drei Vorstände erhielten 2019 zusammen ein jährliches Gehalt von 990 000 Euro. Immer im Blick hat das Verwaltungsgremium dabei auch die Pensionsansprüche für ausgeschiedene Vorstände und deren Hinterbliebene. Hier waren im vergangenen Jahr weitere 951 000 Euro fällig.

Entscheidung naht

Wann die Entscheidung getroffen wird, wer Klaus-Jürgen Scherr nachfolgt? Wie der Vorsitzende des Verwaltungsrats, der Kronacher Landrat Klaus Löffler, auf Anfrage erläutert, wird der von der Zweckverbandsversammlung turnusgemäß neu gewählte Verwaltungsrat "den im Dezember des vergangenen Jahres begonnenen Prozess um die Nachfolgeregelung von Dr. Klaus-Jürgen Scherr zeitnah wiederaufnehmen". Wie so viele Aktivitäten in den vergangenen Wochen und Monaten sei auch diese für die Sparkasse und damit für die Städte und Landkreise Kulmbach und Kronach so wichtige Personalie vorübergehend etwas in den Hintergrund getreten. Der neue Verwaltungsrat (von 17 Verwaltungsräten sind acht Mitglieder neu im Gremium) werde den Prozess "unter Begleitung der Sparkassenakademie Bayern und damit unter höchster Transparenz sowie mit Hochdruck vorantreiben, damit wir spätestens im Herbst eine Entscheidung um die Nachfolge von Dr. Klaus-Jürgen Scherr, der dann altersbedingt nach 25 Jahren ausscheidet, für die Position des Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse präsentieren können."

Für Harry Weiß spricht die Erfahrung. Der 59-jährige gebürtige Kulmbacher hat bei der Kulmbacher Sparkasse seine Ausbildung absolviert. Er kehrte nach einer Tätigkeit bei der Rhön-Rennsteig-Sparkasse in Thüringen nach Oberfranken zurück und ist seit 2002 Vorstandsmitglied.

Ein Quereinsteiger

Steffen Potstada ist mit 47 Jahren der jüngere Kandidat. Potstada ist ein beruflicher Quereinsteiger. Er hat Jura an der Universität Regensburg studiert, ist seit 2007 bei der Sparkasse, wo er zunächst im Bereich Sanierung, Abwicklung und Recht tätig war. 2017 wurde der gebürtige Marktredwitzer dann ins Führungsgremium berufen.