Mit einer langen Liste von Aufgaben begann Gerhard Theuer (Pro Rugendorf) vor einem Jahr seine Amtszeit als Rugendorfer Bürgermeister. Liegengebliebenes aufarbeiten, die Infrastruktur der Gemeinde verbessern und Visionen für die Zukunft entwickeln - all das hatte er sich auf die Fahne geschrieben. Erste Erfolge sind mittlerweile zu verzeichnen.

Sie haben im Wahlkampf gesagt, Sie möchten die Lebensqualität der Rugendorfer erhalten und verbessern. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem ersten Amtsjahr?

Gerhard Theuer: Ich habe mir mein erstes Jahr als Bürgermeister von Rugendorf komplett anders vorgestellt. Die Corona-Pandemie hat die Möglichkeiten des direkten Gesprächs mit den Bürgern und Unternehmen meiner Gemeinde reduziert. Gerade diese Gespräche machen jedoch die Arbeit als Bürgermeister aus, da ich so die Wünsche und Anliegen direkt kanalisieren und wenn möglich bedienen kann. Auch die Kontaktaufnahme zu Behörden oder Dienstleistern der Gemeinde wurde auf ganz neue Beine gestellt und ist teilweise aufwendiger geworden.

Besonders schade fand ich, dass das sonst sehr aktive Vereinsleben in der Gemeinde komplett heruntergefahren werden musste. Ich vermisse die zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten unserer Vereine sehr.

Gleichwohl haben wir die Herausforderungen angenommen und dringende Maßnahmen fortgeführt oder neu in die Spur gegeben. Ein erster Erfolg konnte mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED erzielt werden. Die Investition amortisiert sich durch die Stromeinsparung innerhalb von 2,5 Jahren, und der CO2-Ausstoß der Kommune wird langfristig gemindert.

Als eine der drängendsten Aufgaben haben Sie vor einem Jahr die Wasserversorgung genannt. Sind Sie da vorangekommen?

Die langfristige Sicherstellung der Wasserversorgung für den Hauptort Rugendorf ist eine Aufgabe, die für mich weiterhin höchste Priorität hat. Nachdem ich mir einen Überblick über die Situation verschafft habe, musste zunächst der Grunderwerb der Fassungsbereiche der Quellen forciert werden. Hier konnten wir einen Durchbruch erringen.

Nun gilt mein Augenmerk der technischen Sicherstellung der Wasserversorgung. Hier ist als erste Maßnahme ein Teilbereich der Sammelleitung von den Quellen zum Hochbehälter zu erneuern. Danach werden wir voraussichtlich zuerst die Sanierung der Quelle angehen, bei der dies den größten Erfolg bezüglich der Erhöhung der Wassermenge für Rugendorf verspricht.

Sobald dies, die Verlegungen eines Rückwegs und die Einzäunung der Fassungsbereiche erledigt ist, dürfte der Festsetzung des Wasserschutzgebietes nichts mehr im Wege stehen. Wir planen alle Schritte in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Kulmbach und dem Wasserwirtschaftsamt Hof.

Die Kosten der ersten Schritte werden derzeit ermittelt. Hierbei ist es für mich wichtig, die Wasserversorgung so gut wie notwendig zu verbessern, aber auch immer die Kosten für die Bürger im Rahmen zu halten.

Ein großes Anliegen war Ihnen das Thema Nahversorgung. Im ehemaligen Dorfladen gibt es eine Tagespflege. Sie wünschen sich aber noch einiges mehr. Was fehlt und steht ganz oben auf Ihrer Wunschliste?

Zur Verbesserung der Nahversorgung und der Infrastruktur habe ich schon unzählige Gespräche geführt. Ich musste jedoch feststellen, dass ich hier ziemlich dicke Bretter bohren muss, da in der jetzigen Zeit jeder Interessierte Investitionen sehr intensiv prüft.

Meine Wunschliste für Rugendorf ist lang: Sie umfasst einen Laden, einen Zahnarzt, ein Wirtshaus, und als I-Tüpfelchen wäre ein Seniorenheim die Krönung. Mir ist bewusst, dass hier kleine Schritte gegangen werden müssen. Ich werde jeden nach Kräften unterstützen, der etwas derartiges plant.

Gute Chancen haben Sie vor einem Jahr für weitere Gewerbeansiedlungen in Rugendorf gesehen. Schnelles Internet und ausreichend Flächen sind vorhanden. Was hat sich da bisher getan?

Anfragen zu den bei uns vorhandenen Gewerbeflächen erhalten wir regelmäßig. Wir sind auch mit verschiedenen Gewerbetreibenden im positiven Gespräch. Auch hier wird jedoch die Entscheidung über eine Ansiedlung aktuell genauer überlegt als in vergangenen Zeiten, so dass es noch nichts Konkretes zu vermelden gibt.

Welches sind Ihre Ziele für 2021?

Als aktuelle Aufgaben sind ganz eindeutig die Blöcke "Wasserversorgung - Sicherung der Versorgung des Hauptortes Rugendorf" und "Abwasserentsorgung - Prüfung der Anforderungen an unsere Kläranlagen" zu nennen. Weiterhin werden wir im Straßenbereich punktuell Sanierungen angehen. Für Bauwillige wollen wir Grundstücke zu annehmbaren Preisen erschließen und anbieten.

Grundsätzlich erhoffe ich mir, dass unsere Bürger wieder etwas ungezwungener aufeinander zugehen und miteinander umgehen können, wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Weiterhin hoffe ich, dass unsere zahlreichen Vereine nach Corona einen guten Neustart haben werden, und ich bin gerne bereit, hier zu unterstützen.

Was sagt die ÜWG-Fraktion?

Bei der Bürgermeisterwahl in Rugendorf hatte sich Gerhard Theuer (Pro Rugendorf) gegen Matthias Keller (ÜWG) durchgesetzt. Keller wohnt nicht mehr in der Region. Deshalb hat die BR Hermann Dippold als Fraktionssprecher der ÜWG gefragt, wie zufrieden die ÜWG mit der Arbeit des neuen Chefs im Rathaus ist.

Bei der Antwort auf die Frage, ob Gerhard Theuer ein guter Bürgermeister sei, ist Dippold zurückhaltend. "Er ist ein freundlicher Mensch und versucht, Antworten zu geben. Aber ich habe den Eindruck, dass er seine Wünsche nicht durchsetzen kann." Dippold glaubt, dass Theuers "Berater" größeren Einfluss auf die Entscheidungen im Rathaus haben als der Bürgermeister selbst. "Pro Rugendorf bestimmt, was gemacht wird."

In den Gemeinderat wurden acht Gemeinderäte von Pro Rugendorf und vier von der ÜWG gewählt. Dass da bei Abstimmungen die Mehrheit die Oberhand hat, nimmt Dippold zu Kenntnis. Glücklich macht es ihn nicht. "Wir diskutieren viel im Gemeinderat, aber die Umsetzung wünschen wir uns durchsichtiger." Zu viel finde hinter verschlossenen Türen statt. Was Rugendorf braucht? "Mehr Transparenz in allem!"