Mit dem Auto zur Plassenburg: Über dieses Thema wird seit Jahren diskutiert. Mal mehr, mal weniger intensiv, ohne konkrete Planung. Nun hat die Diskussion Fahrt aufgenommen: Ein Brief an mehrere Bürger der Gemeinde Ködnitz erweckt den Anschein, als sei die Planung in eine konkrete Phase getreten. Nicht allen gefällt das. Was wissen wir bis jetzt? Seit vielen Jahren wird über eine Öffnung der Plassenburg für den Individualverkehr diskutiert (siehe Chronologie unten). Dadurch erhofft man sich eine Steigerung der Besucherzahlen. Ein Gutachten soll verschiedene Möglichkeiten der Erschließung aufzeigen. Festzustehen scheint, dass auf dem ehemaligen Reitgelände hinter der Plassenburg ein Parkplatz angelegt werden soll. Wie ist der aktuelle Stand in Sachen Gutachten? Dieses Gutachten ist seit mehr als zwei Jahren in Arbeit. Damit beauftragt wurde das Ingenieurbüro K. Langenbach aus Dresden. Die Kosten sollen sich, so das Bayerische Ministerium der Finanzen und für Heimat, das federführend dabei ist, im niedrigen fünfstelligen Bereich bewegen. Derzeit liegt ein Zwischenbericht vor, sagt das Ministerium. Wann das Gutachten fertig ist, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Welche Details aus dem Gutachten sind bereits bekannt? Das Ministerium hält sich bei entsprechenden Anfragen bedeckt, verweist darauf, dass man noch in der Abstimmungsphase sei. Immerhin wurde im Januar dieses Jahres bekannt, dass wohl sechs verschiedene Varianten der Zufahrt zur Plassenburg vorstellbar sind Ein Ausbau der Oberen Buchgasse (die sogenannte Nordhangstraße) Eine Umfahrung des Schieferturms. Das ist der Turm links vom Burgtor, auf dem sich die Terrasse der Gastronomie befindet. Eine Erschließung über einen Forstweg von und nach Fölschnitz Eine Zufahrt über den Burgberg und durch den Kasernenhof zum Parkplatz hinter der Burg Eine Erschließung durch den Buchwald von Leithen aus. Hierbei gibt es zwei Untervarianten: eine Zufahrt für Pkw und/oder für Reisebusse.

Ob auch zu den übrigen Varianten Gespräche geführt werden, hat man uns nicht gesagt. Von einer Trasse von Fölschnitz aus, über die die Gemeinde Ködnitz ebenfalls informiert werden müsste, wusste Bürgermeisterin Anita Sack (FW) bis gestern jedenfalls noch nichts. Wer hat beziehungsweise bekommt bereits konkrete Informationen? Presseanfragen werden vom Heimatministerium in München sehr knapp beantwortet. "Die im Rahmen des Zwischenberichts geprüften Varianten zu einer eventuell möglichen Erschließung über den Buchwald werden derzeit auf ihre tatsächliche und rechtliche Umsetzbarkeit untersucht (insbesondere Genehmigungsverfahren und umweltfachliche Bewertung)", heißt es in der jüngsten Mail aus der Pressestelle.

Die Gemeinde Ködnitz scheint frühzeitig involviert gewesen zu sein. Bereits im Frühsommer hat die Schlösserverwaltung vorgeschlagen, die Planungen im Gemeinderat zu präsentieren. Das ist aus terminlichen Gründen bislang nicht erfolgt. Als Termin hat man nun die September-Sitzung ins Auge gefasst.

Mitte August haben die Anwohner der Leithen einen Brief mit einer Einladung zu einem Gespräch mit der Schlösserverwaltung erhalten. Aus diesem Brief haben die Adressaten die Schlussfolgerung gezogen, dass es um eine Trasse durch den Buchwald geht - die sie aber vehement ablehnen.

Die Stadt Kulmbach, über deren Grund im Fall einer solchen Zufahrt knapp die Hälfte der Strecke verlaufen würde, weiß bislang offiziell von nichts. "Bisher hatten wir noch keinen Kontakt zur Bayerischen Schlösserverwaltung", sagt Pressesprecher Jonas Gleich. "Wir gehen fest davon aus, dass man sich mit uns in Verbindung setzen wird." Allerdings sei es, so Gleich weiter, "schon etwas seltsam", dass an die Bürger und die Gemeinde Ködnitz bereits herangetreten wurde. "Aber wir respektieren selbstverständlich das Vorgehen der Schlösserverwaltung und gehen davon aus, dass hier bewusst ein Schritt nach dem anderen vollzogen wird. Wir sind auf alle Fälle gesprächsbereit." Wie haben Betroffene auf diese Informationen reagiert? Die Anwohner der Leithen haben bereits deutlich gemacht, dass sie keine Straße durch den Buchwald wollen. Auch der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) lehnt diese Variante der Zufahrt ab. In der Öffentlichkeit sind die Meinungen geteilt. Während schon entschiedene Gegenstimmen laut geworden sind - unter anderem auch vom Ködnitzer Gemeinderat Michael Heisinger ("Rangen") - , gibt es auch Befürworter dieser Lösung. Wie geht es jetzt weiter? Die Schlösserverwaltung will alle Beteiligten informieren und ihnen die Möglichkeit geben, im kleinen Kreis zu diskutieren: "Ziel ist eine hohe Transparenz und Einbindung aller Betroffenen." Danach soll das Gutachten fertiggestellt, beteiligte Interessenvertreter (zum Beispiel der Denkmalschutz) sollen über die Ergebnisse informiert werden. Die Anwohner der Leithen haben die vorgeschlagenen Hausbesuche und Einzelgespräche abgelehnt und sich mit der Schlösserverwaltung mittlerweile auf einen gemeinsamen Termin für ein Gespräch verständigt. Die Präsentation der Trassenvorschläge im Ködnitzer Gemeinderat wird voraussichtlich am 21. September im öffentlichen Teil der Sitzung erfolgen. Was wir immer noch nicht wissen - obwohl wir danach gefragt haben: Hat es, wie erzählt wird, schon konkrete Kauf-Angebote an Grundstücksbesitzer gegeben? Das Ministerium lässt das unkommentiert. Warum wurde die Gemeinde Ködnitz so viel früher informiert als die Stadt Kulmbach (und die Staatsforstverwaltung)? Auch hier: kein Kommentar. Nach unserer Kenntnis sind in ähnlich gelagerten Fällen Hausbesuche absolut unüblich. Warum hat man hier diese Form des Gesprächs angeboten? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet. Ebenso übrigens wie die, ob die Planungen auch in Kulmbach öffentlich vorgestellt werden sollen.

Chronologie

"Die unendliche Geschichte" titelte die Bayerische Rundschau im Juni 2019. Da war die Diskussion um eine Erschließung der Plassenburg für den Individualverkehr schon nicht mehr neu. Was bisher geschah: Anfang der neunziger Jahre Kulmbach diskutiert über eine Standseilbahn zur Plassenburg. Die Talstation sollte im Grünwehr entstehen. Nach heftigen Protesten wird das Projekt ad acta gelegt. Parkverbot 1995 Das Parken im Kasernenhof wird verboten. 1. November 2015 Ab sofort darf im Winterhalbjahr im Kasernenhof wieder geparkt werden. Sommer 2017 Ein Parkplatz auf dem ehemaligen Reitgelände hinter der Burg scheint in greifbare Nähe zu rücken. Das Vorhaben wird nicht realisiert: Der Landesdenkmalrat spricht sich zwar nicht gegen den Parkplatz an sich aus, kann sich mit einer Zufahrt durch den Kasernenhof aber nicht anfreunden.

Der damalige Heimatminister und nunmehrige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigt ein Gutachten an, in dem verschiedene Varianten der Erschließung geprüft werden sollen. Mit ersten Ergebnissen sei schon 2018 zu rechnen, so Söder damals. Juni 2019 Das Gutachten lässt auf sich warten - bis heute. "Derzeit erfolgt eine Abstimmung mit den beteiligten Behörden. Ein Ergebnis steht noch aus", sagt das Heimatministerium auf Anfrage der Bayerischen Rundschau. Eine Antwort, die wir auf unsere Anfragen so oder ähnlich in den Monaten darauf noch mehrfach erhalten. August 2020 Ein Schreiben der Schlösserverwaltung schreckt die Anwohner der Leithen (Gemeinde Ködnitz) auf: Man will mit ihnen über eine mögliche Zufahrt zur Plassenburg durch den Buchwald sprechen - eine von insgesamt sechs möglichen Varianten. Die Stadt Kulmbach hingegen hat zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Informationen. Ein Zeitungsbericht in der Bayerischen Rundschau löst eine öffentliche Diskussion aus.