Tierschutz kostet - doch der Kreis derer, die dieses ehrenwerte Anliegen nach Kräften finanziell unterstützen, wird in Zeiten von Inflation und Zukunftssorgen nicht größer. Das merkt auch Hans Beyer, Kassier beim Kulmbacher Tierschutzverein. Des öfteren musste der 70-Jährige zur Bewältigung der Kosten bereits an die Rücklagen, denn die Ausgaben für das Tierheim steigen. Und die Herausforderungen ans Team werden mehr statt weniger.

Ist die Finanzlage noch gut zu bewältigen oder wird es schon prekär?

Prekär nicht, aber wir spüren die beiden Corona-Jahre und die dadurch weggebrochenen Möglichkeiten, Gelder zu akquirieren. Kein Tierheimfest, kein Flohmarkt, kein Glühweinstand - das schlägt bei der Bilanz heftig durch. Wenn wir das alles zusammenzählen, fehlen uns sicher mehr als 10.000 Euro. Wir versuchen, einige Einnahmen mit dem Verkauf von Waren über das Internet zu generieren, aber das fängt die genannten Aktivitäten und den persönlichen Kontakt mit Tierfreunden leider nicht annähernd auf.

Wie steht es um die Spendenbereitschaft der Menschen überhaupt?

Die ist zweifellos immer noch da, zum Glück, aber auch sie geht zurück. Allein bei den reinen Geldspenden, etwa aus den Sammeldosen bei Lebensmittelhändlern oder durch Kundenverkehr im Tierheim, verzeichnen wir ein Minus von 5,5 Prozent. Bei den allgemeinen Sammelbüchsen ist der Rückgang gravierend: 2020 kamen hier noch 2400 Euro zusammen, im vergangenen Jahr waren es gerade mal 730.

Es gibt aber immer noch Zuwendungen aus privatem Engagement. So hatte der Gesangverein Weiher-Mangersreuth gesammelt und 800 Euro zusammen bekommen. 500 davon gingen an die Tafel, 300 an uns. Solche Initiativen helfen uns weiter und wir wissen sehr zu schätzen, dass wir bedacht werden. Leider häufen sich diese Zuwendungen nicht mehr so wie in den vergangenen Jahren. Bei den reinen Geldspenden waren es 2021 rund 54.000 Euro - das Jahr zuvor hatten wir 3000 Euro mehr. Das klingt nicht nach viel Rückgang, aber wir spüren das.

Der Tierschutzverein speist sich ja auch aus den Beiträgen seiner Mitglieder.

Richtig, hier liegen wir aktuell bei knapp 600, wobei wir im vergangenen Jahr einen leichten Schwund konstatieren mussten. 2021 ergab das an Mitgliedsbeiträgen 16.100 Euro, davor waren es fast 2000 Euro mehr. Leider hat uns die unberechtigte Kritik an der Wildkatzenhaltung Negativschlagzeilen beschert und einige bewogen, aus dem Verein auszutreten. Das hat sich zum Glück mittlerweile beruhigt. Es gibt auch zweckgebundene Spenden, zum Beispiel für ein ganz spezielles Tier im Tierheim: Die haben sich die Waage gehalten mit 12.000 Euro. Sachspenden schlagen umgerechnet mit etwa 26.000 Euro zu Buche.

Wie sieht es auf der Habenseite aus? Und welche Kosten stehen dagegen?

2020 beliefen sich die regulären Ausgaben auf rund 218.000 Euro. Da stecken alle Aufwendungen drin: Die Kosten für das Personal - also Tierheimleitung und deren Stellvertretung sowie zwei Teilzeitangestellte - mit 103.000 Euro, dazu der Unterhalt für das Gelände, Strom und Gas etc. Gerade die letztgenannten Kosten werden uns aufgrund der deutlichen Kostensteigerungen härter treffen als in den Jahren davor. Zudem müssen wir auch deutlich gestiegene Tierarztkosten über 26.100 Euro verbuchen, ein Zuwachs von immerhin elf Prozent. Dem allen gegenüber stehen Einnahmen von rund 160.000 Euro. Der notwendige Umbau des Wohnhauses schlug 2021 zusätzlich mit etwa 60.000 Euro ins Kontor. Dadurch haben wir mit einem Minus von 46.000 Euro abgeschlossen.

Wie wird das ausgeglichen?

Das können wir nur aus den Rücklagen ausgleichen, die wir zum Glück noch haben. Da legen wir auch großes Augenmerk drauf, dass wir jeden Euro, der nicht unbedingt benötigt wird, auf die Seite packen.

Wie ließe sich die Einnahmenseite verbessern?

Da kommt die Fundtierabgabe ins Spiel. Dafür kommen die Gemeinden im Landkreis auf, sie zahlen je nach Einwohner einen Obolus an uns als Verein, weil wir die Versorgung dieser Tiere übernehmen. Der derzeitige Satz liegt bei 50 Cent pro Gemeindebürger und Jahr, das wird nicht länger zu halten sein. Wir bräuchten eine Erhöhung auf mindestens 70 Cent. Das wird in den Kommunen sicher nicht auf große Gegenliebe stoßen, aber die bestehenden 50 Cent decken die Aufwendungen, die wir haben, schon seit geraumer Zeit nicht mehr.

Der deutsche Tierschutzbund fordert seit Jahren mindestens einen Euro und hat nun sogar 1,50 Euro ins Gespräch gebracht.

Das stimmt, und das wäre auch der reelle Wert. Uns würde die erhöhte Fundtierabgabe als fest kalkulierbare Einnahme schon bei der Planung helfen, worauf wir uns einstellen können. 2020 hatten wir 35.100 Euro, im Jahr 2021 waren es 400 Euro mehr. Übrigens entrichten bei uns alle Landkreisgemeinden diese Abgabe, allerdings gibt es die eine oder andere Kommune, die etwas weniger zahlt, als sie eigentlich müsste. Um das mal aus unserer Sicht ins entsprechende Licht zur rücken: Sollte in einer Gemeinde eine schwer verletzte Katze gefunden werden und wir die Kosten für Behandlung, Betreuung und Verpflegung etc. addieren, kann der Obolus für nur diesen einen Fall komplett aufgezehrt sein. Deswegen sind die genannten 1,50 Euro realistischer. Leider gibt es seit jeher keinerlei Zuschüsse des Freistaats aus Steuergeldern, auch das würde uns sehr weiterhelfen.