Als Gast wurde unter anderem mit Bürgermeister und stellvertetenden Landrat Waldemar Brohm (CSU) aus Margetshöchheim, einer Gemeinde aus dem unterfränkischen Landkreis Würzburg, ein Hochkaräter auf dem Gebiet der bayerischen Kommunalpolitik eingeladen, der klar aufzeigte, welche Schritte er für den Gemeinderat Untersteinach für entscheidend und wichtig hält, bevor im Gremium in Abstimmung mit der Bürgerschaft eine Entscheidung getroffen wird.

Neben Brohm hatte man noch den Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung (IKT), Sebastian Schönauer, und den Vertreter der Interessengemeinschaft Niedersteinbach aus der Marktgemeinde Mömbris, Landkreis Aschaffenburg, eingeladen. Passen mussten kurzfristig Bürgermeister Michael Pöhnlein aus Nordhalben und der Geologe Otto Heimbucher aus Nürnberg.

Knapp 80 Bürger wohnten der Info-Veranstaltung bei.

Der Vorsitzende der WGU, Helmut Bergmann, machte gleich zu Beginn deutlich, dass man gerne das Brunnenwasser behalten möchte und es dem Wasser der Fernwasserversorgung Oberfranken vorziehe. Mit dem eigenen Tiefbrunnen "Pressecklein" habe der Gemeinderat die Wahl, ob weiterhin auf die Eigenversorgung oder einen FWO-Anschluss gesetzt wird. Helmut Bergmann: "Wir haben viele offene Fragen an die Verwaltung, die wir in der versprochenen Bürgerversammlung gerne beantwortet bekommen hätten. Es werden viele unterschiedlichen Betrachtungszeiträume in der Studie von Bauer-Consult angeführt, und es kennt sich keiner mehr aus."

Die Interessengemeinschaft wurde nach den Worten von Sebastian Schönauer 1986 gegründet, als die Fachbehörden die steigenden, zum Teil exorbitanten Nitratbelastungen verniedlichten, deren Ursachen vertuschen wollten und dabei sogar von Belastungen aus Wäldern, Mooren oder Friedhöfen sprachen. Schönauer weiter: "Fernwasserverbände wurden als Lösungen angeboten, wobei diese für ihren Expansionskurs von der Regierung in München großzügig subventioniert wurden." Der Grundwasserschutz muss vor der eigenen Haustür beginnen, so laute der IKT-Grundsatz der ersten Stunde, der bis heute gelte. Trinkwasser und vor allem Grundwasser ist für den IKT-Vorsitzenden Sebastian Schönauer eine Ressource, die es vor Ort und in der Fläche zu schützen und zu erhalten gilt.

Waldemar Brohm wurde 2008 zum Bürgermeister der Gemeinde Margetshöchheim gewählt und 2014 mit 94 Prozent aller Stimmen im Amt bestätigt. Margetshöchheim, das mit seinen 3200 Einwohnern zum Speckgürtel von Würzburg gehört, verfügt über eine eigene Wasserversorgung, die in der Vergangenheit schon zweimal vor der Stilllegung bedroht war. Die derzeitige Fördergenehmigung für die beiden Flachbrunnen mit 8,50 m Fördertiefe, die 1961 gebaut wurden, läuft bis 2040. Im Jahr 2017 betrun die Fördermenge 155 000 Kubikmeter, und man hatte einen Wasserverlust von knapp 21 Prozent. Das war die Ausgangslage, die Waldemar Brohm 2008 bei seiner Wahl zum Bürgermeister angetroffen hatte.

Die derzeitige Fördermenge liegt bei 138 000 Kubikmeter, und der Wasserverlust konnte auf 9,42 Prozent gesenkt werden, und damit liegt Margetshöchheim deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Der CSU-Bürgermeister hat keine eigene Mehrheit im Gemeinderat: "Ich möchte auch gar keine eigene Mehrheit haben, weil es dazu dient, seine eigenen Ideen und Beschlüsse gründlich zu hinterfragen."

Die Wasserversorgung ist einmal im Jahr bei der Bürgerversammlung ein großes Thema: "Denn es geht schlicht und ergreifend um die Wasserversorgung meiner Gemeinde, und ich bin einer von 3200 Einwohnern. Meine grundsätzliche Meinung ist auch, wenn ich von Anfang an transparent bin, wenn ich informiere und die Bürger am Entscheidungsprozess teilhaben lasse, dann ist das der richtige Weg."

Margetshöchheim sollte aufgrund hoher Nitratwerte an die Fernwasserversorgung anschließen, die auch durch den Gemeindebereich verläuft. Man setzte aber auf die Nachhaltigkeit, das heißt, den Erhalt der eigenen Ressourcen.

Nachdem in Untersteinach weder Mengen- noch Qualitätsprobleme vorliegen, ist für Bürgermeister Waldemar Brohm die Ausgangssituation für den Erhalt der eigenen Wasserversorgung günstig. Untersteinach habe mit einem defekten Leitungsnetz ein Problem, das mit einem Anschluss an die FWO nicht gelöst werde. Sein Fazit: " Sie zerschlagen durch Nichtbetreiben eine gesunde und funktionierende Wasserversorgung. Sie haben Probleme und Aufgaben vor sich, aber sie haben eine Wasserversorgung, die mengen- und qualitätsmäßig funktioniert. Sie würden auch kein Haus einreißen, nur weil sie die Fenster austauschen und die Böden erneuern müssen. Betrachten sie ihre Trinkwasserversorgung als Herausforderung, aber auch als Gewinn. Sie ist ein wichtiges Stück ihrer eigenen Geschichte und sie ist ein Stück ihrer Selbständigkeit, die sie damit aufgeben."

Für wichtig hielt Bürgermeister Waldemar Brohm, dass sich die Gemeinde Untersteinach auch eine zweite Meinung in Form eines zweiten Gutachtens einholt: "Ich möchte die Gemeinde einfach darum bitten, wirklich alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die Fragen ohne Emotionen fachlich zu beantworten.

Roland Hahn aus Niedersteinbach berichtete, dass die Wasserversorgung des knapp 1000 Einwohner zählenden Ortsteiles des Marktes Mömbris von einer Interessengemeinschaft vorgenommen auch gewartet wird. Er kam zum Ergebnis: "Ein eigenes Wasser muss man sich leisten können!"

In der abschließenden Aussprache stellte Bernhard Herrmann die Frage, warum die Gemeinde eine Wasserversorgung aufgeben soll, die mengen- und qualitätsmäßig keine Probleme hat. Der Interessengemeinschaft Kommunale Trinkwasserversorgung zollte Herrmann ein dickes Lob: "Sie steht bei mir für Intelligenz, Kompetenz und Transparenz."