Über das Handy hält Maryna Konovalov den Kontakt mit Freunden, die nicht wie sie geflüchtet, sondern in der ukrainischen Heimat geblieben sind. Via Facebook oder Instagram erfährt die 38-Jährige so fast täglich schreckliche Nachrichten. Wie die von ihrer Freundin Kristina Trifonova (23), die einst Miss Mariupol war. "Kristina hat bei einem russischen Angriff ein Bein verloren", berichtet Maryna Konovalov. Die 23-Jährige liegt im Krankenhaus in Donezk, ebenso wie Marynas Bekannte Tatyana Raisova (35), die bei einem Raketeneinschlag ihren zweijährigen Sohn und ihre Eltern verloren hat. Tatyana hat selbst schwerste Verbrennungen erlitten, die sie auf Instagram veröffentlicht hat. Bilder, die so erschreckend sind, dass man sie in der Zeitung nicht zeigen kann.

Mit kleinen Kindern auf der Flucht

Maryna Konovalov, die mit ihrem Mann Roman und den drei Kindern aus der Ukraine geflüchtet und in Rugendorf gelandet ist, möchte Menschen wie Kristina und Tatyjana helfen, die aus ihrer völlig zerstörten Heimatstadt Mariupol im Osten der Ukraine kommen . Mit Geldspenden, die diese dringend benötigten, um etwa Medikamente und Behandlungen zu bezahlen, aber auch um ihnen die Flucht zu ermöglichen. "Ich kenne eine Familie mit zwei Kleinkindern, die aus Mariupol herausgekommen ist, der aber das Geld für die Weiterreise fehlt. Das eine Kind ist eineinhalb Jahre alt, das andere wurde im Krieg geboren", berichtet Maryna Konovalov. Die Familie sitze in einem kleinen Ort fest, benötige Geld, um sich mit dem Auto in eine größere Stadt fahren zu lassen. "Das ist teuer, weil die, die noch ein Auto haben, für die gefährliche Fahrt viel Geld verlangen."

Die Mittel für die Weiterreise fehlen

Mit dem Verein Opferhilfe Oberfranken startet Maryna Konovalov einen Spendenaufruf für Kriegsopfer aus Mariupol. In dem Verein engagiert sich die Stadtsteinacherin Susanne Werner. "Wir wollen Menschen, die sich teils auch in den von Russen besetzten Gebieten befinden, helfen. Menschen, die alle Lebensgrundlagen verloren haben und denen die Mittel für die Weiterreise fehlen", sagt Susanne Werner. Wie der Verein die Spenden den Opfern aus Mariupol zugute kommen lassen will? Über Banken in der Ukraine, an die man noch Geldbeträge überweisen kann.

Maryna Konovalov und ihr Mann Roman hoffen, dass Geld zusammenkommt, das auch ihrer Familie zugute kommt.

Vater befindet sich in besetztem Ort

Marynas Vater Alexandr Sekatschow (74), der Anfang März bei einem Raketenanschlag seine Frau verloren hat und sich jetzt 20 Kilometer entfernt in der kleinen Ortschaft Volodarsk befindet, in der Roman und Marina Konovalov ein Haus gebaut haben. Der Ort sei von den Russen besetzt, berichtet Maryna Konovalov, die sich um ihren Vater große Sorgen macht. Ihr sehnlichster Wunsch: "Ich hoffe, dass er es irgendwie schafft, zu uns nach Deutschland zu kommen."