Das 90-Millionen-EuroProjekt ist eingetütet, die Finanzierung steht. Auf 2024 ist der Spatenstich terminiert, schon Anfang 2027 soll der überörtliche Verkehr nicht mehr auf der B 289 durch den leidgeplagten Ködnitzer Ortsteil Kauerndorf fahren, sondern über die neue, zwei Kilometer lange Umfahrungsstrecke geleitet werden, die auf 750 Metern Länge durch einen Tunnel führt.

Die Straßenbaumaßnahme, für die Anlieger der viel befahrenen Bundesstraße über Jahrzehnte gekämpft haben, ist nach wie vor umstritten. Es gibt Tunnel-Gegner, die das gigantische Projekt weiter ausbremsen wollen. Bei einem Ortstermin mit dem finanzpolitischen Sprecher der Partei im Landtag, Tim Pargent, hatten die Kulmbacher Grünen den Stopp des Projekts gefordert. Bei dem Treffen, an dem auch Alwin Geyer vom Bund Naturschutz teilnahm, war Helmut Kurth aus Ködnitz Wortführer. Kurth hatte schon vor mehr als drei Jahrzehnten Unterschriften gegen die Ortsumfahrung gesammelt und nun gefordert, dass die Anwohner entschädigt und umgesiedelt werden sollten, um in der Folge den Bau des Tunnels ad acta legen zu können.

In den Tagen nach dem Ortstermin war der Aufschrei groß: im Ködnitzer Gemeinderat, aber auch bei der Interessengemeinschaft "Kauerndorfer Ortsumfahrung". Zumal die Grünen nachgelegt haben. In einer Stellungnahme machte Kreisvorstandssprecherin Magdalena Pröbstl deutlich, dass der Tunnelbau nicht verhältnismäßig sei. Von einem massiven Eingriff in die Landschaft mit unkalkulierbaren Kosten ist die Rede. Aus den veranschlagten 90 könnten über 160 Millionen Euro werden, vermutet Pröbstl, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern anmahnt. "Wir sind ausdrücklich auf der Seite der verkehrsgeplagten Bürger Kauerndorfs, wollen aber eine nachhaltige und wirkliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Der Ist-Zustand ist absolut unerträglich. Das kann und darf so nicht bleiben!", so die Vorstandssprecherin, die die Suche nach Alternativen zum Tunnelbau fordert. Sie befürchtet, dass die Ortsdurchfahrt auch bei der Tunnellösung stark befahren sein wird, fürchtet einen massiven Eingriff in die Natur und sieht die Trinkwasserversorgung gefährdet, etwa durch Unachtsamkeiten beim Bau oder beim späteren Betrieb des Tunnels.

Der Grünen-Vorstoß hat den Ködnitzer Kommunalpolitiker Michael Heisinger auf die Palme gebracht. In der Sitzung des Gemeinderats erklärte er: "Wenn so ein Projekt beschlossen ist, dann ist es beschlossen, und man kann da nicht unendlich weiter diskutieren. Jetzt ist einfach einmal Schluss, und da erwarte ich auch von unserer Bürgermeisterin und auch vom gesamten Gemeinderat eine öffentliche Stellungnahme."

Empört sind die Mitglieder der Interessengemeinschaft "Kauerndorfer Ortsumfahrung": "Es gibt einen rechtsgültigen Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben, der von niemandem, auch nicht von den Grünen und vom Bund Naturschutz, beklagt worden ist", stellte Gerhard Wehner bei einem Pressegespräch heraus. Er macht deutlich, dass der Tunnel notwendig sei, zumal gerade der Lkw-Verkehr seit dem Bau der Umgehung von Untersteinach noch weiter zugenommen habe. Dass sich der Bund Naturschutz gegen den Tunnel wende, obwohl er die Lösung 1988 eindeutig favorisiert und sich damals gegen eine alternative Hangtrasse ausgesprochen habe, können die Kauerndorfer überhaupt nicht verstehen. Wie Gemeinderat Thomas Hanisch (WGK) mitteilt, hat der Bund Naturschutz damals sogar eine vom späteren Bundes- und Landesvorsitzenden Hubert Weiger unterzeichnete Stellungnahme verfasst. Die Hanglösung habe man abgelehnt, weil sie einen Eingriff in die Landschaft mit einem höchst schutzwürdigen Biotop zur Folge hätte, der unverantwortlich wäre. Auch auf die Gefahr eines Hangrutsches sei verwiesen worden, der bei der geologischen Struktur in diesem Bereich nicht auszuschließen sei.

Manfred Hahn, der im unmittelbaren Bereich der jetzigen Bundesstraße wohnt, kritisiert das Vorgehen der Grünen. Er spricht von "elf scheinbaren Laien", die sich "wohl unwissend" zu einem Ortstermin getroffen hätten, um den Bau einer Ortsumgehung, für die die Anwohner lange gekämpft hätten und die nun vor der Realisierung steht, "zu ihrer eigenen Profilierung zu stoppen". Unverständnis äußerte er über Helmut Kurth. "Er fordert einfach, uns umzusiedeln und zu entschädigen, wohlwissend, dass das alles schon mehrfach geprüft und als nicht realistisch zurückgewiesen wurde. Wir würden ja nur den Verkehrswert bekommen. Oder wollen die Grünen die Gesetze ändern und alle Grundstückseigentümer in Deutschland bei Bedarf großzügig entschädigen?"

Manfred Hahn machte deutlich, dass die Anwohner tief im Heimatort verwurzelt sind und dort auch bleiben wollen. "Die grüne Parteiführung im Land fordert, alten Wohnraum zu erhalten und zu sanieren, aber vor Ort wollen diese Herrschaften alles platt machen und uns in Neubauten stecken."

Er stellte die Frage, warum bei diesem Ortstermin keiner Kontakt mit den Anliegern und der Bürgermeisterin aufgenommen hat. Die Anlieger pochen seinen Worten zufolge auf die Umgehung. "Und wir gehen davon aus, dass unser Staat zu seinen Beschlüssen steht und Fantasten gleich welcher Partei kein Gehör schenkt."