Die Handlung ist schnell erzählt: Da im Gefängnis ein Wasserrohrbruch repariert wird, sind fünf "Mordsfrauen" vorübergehend in einer gemeinsamen Zelle untergebracht. Fünf ganz unterschiedliche Charaktere. Eine Tat. Alle haben einen Mann umgebracht. Jede auf ihre Weise. Alle aus demselben Grund: Sie sind in ihren Lebensträumen schwer getäuscht worden.

Auch wenn die Theatergruppe Rugendorf eine Laientruppe vom Land ist, so zeigen die Schauspieler bei der Premiere von Stück "Hey, Abschaum - Mordsfrauen im Knast" im Haus der Jugend eine Leistung, die der eines teuer subventionierten Profitheaters in nichts nachsteht. Die Inszenierung (Regie: Matthias Keller; mit Jonas Gleich) stimmt durchgehend auf den Punkt - von der Mimik über die Körpersprache bis hin zu den individuellen Schuhen zur Knast-Einheitskleidung, die den Charakter jeder der fünf Mörderinnen unterstrichen.


Der Fall ist makaber

In der Komödie von Corina Rues-Benz spielen die fünf Darstellerinnen ihre Eigenarten und Besonderheiten exzessiv aus. Da wäre die Metzgerin "Mar-Gott" (Annerose Hohner), die das Sagen hat: Resolut und gleich mit Handgreiflichkeiten drohend, weist sie die Konkurrentinnen in die Schranken, wenn sie an ihrer Autorität zweifeln. Ihr Fall ist makaber. Nachdem ihr Mann ihre Eltern umgebracht hat, kommt die "Innereien-Zerlegungskünstlerin, die ein Lungennetz am Stück freilegen kann", dem weiteren Plan ihres Mannes in die Quere. Er wird fleischereitechnisch gekonnt "verarbeitet."

Dann gibt es noch die blonde Uschi (Sandra Walter). Eine Professionelle aus der Telefonsex-Branche mit erotischer und anzüglicher Stimme. Sie erwartet beim Treffen einen gutaussehenden Prinzen, der sie auf Händen tragen soll. Doch ihr Telefon-Kunde verlacht sie nur. Er verhöhnt sie - ihr Aussehen passe keinesfalls zu ihrer Stimme. Es geschieht im Affekt, dass ihn Uschi vom Hochstand schubst. Bravourös spielt Sandra Walter den Mithäftlingen vor, mit welcher Kunst sie ihre Profession ausgeübt hat.


In flagranti erwischt

Dann ist da noch Erika (Silke Mertel). Ihr Mann amüsiert sich mit ihrer Schwester, und beide glauben, dass Erika dumm und einfältig sei. Sie erwischt die beiden in flagranti - es sind schmutzige Sachen, die die beiden getan und gesagt haben. Erika muss das bereinigen. Mit dieser Chlorbleiche geht alles sauber, steht auf dem Fläschchen. Dass man es nicht trinken darf, steht dort nicht. Silke Mertel muss monatelang am Rand von Sandkästen gesessen und etwas görenhafte, altkluge Mädchen für ihre Rolle studiert haben.

Paula (Anja Rosenberger) ist adrett, ein wenig spießbürgerlich und ordentlich. Die ideale Hausfrau mit streng zum Dutt geordneten Haaren. Ihr Mann ist ein Halodri, der betrunken einen Unfall baut. Er liegt im Krankenhaus im Koma. Als Paula die Versorgungsschläuche rauszieht, muss er sie trotzdem bemerkt haben. "Denn sein Puls ging am Ende nämlich schneller", klärt Paula ihre Mitgefangenen auf.

Und schließlich Fernande (Sandra Lamnek): Die immer Zurückhaltende, manchmal Weltfremde lässt Bibel und Kruzifix nie aus den Händen. Einen Pfarrer soll sie mit einer Madonna erschlagen haben, als dieser die Finanzen für ihr gottgefälliges Werk in Afrika nicht ordnungsgemäß verwendet. Doch ihre Geschichte entspricht nicht der Wahrheit.

Im Hintergrund wirken noch mit: Franz Schnaubelt (Bauten und Stimme aus dem Off), Ramona Löffler und Daniel Schmidt.

Mit der Aufführung "Hey, Abschaum - Mordsfrauen im Knast" könnte die Theatergruppe Rugendorf durchaus erfolgreich auf Tournee gehen.