Es war ein wunderschöner Galabend, den die Schülerinnen und Schüler des Caspar-Vischer-Gymnasiums am Samstagabend den über 500 Gästen in der Turnhalle boten. Für das knapp zweistündige Programm hatte man sich Einiges einfallen lassen - und es endete mit einer Lichtinstallation mit dem Titel "CVG leuchtet - Beam mich bunt". Der von Schülern erstellte Film wurde zusammen mit der Musik von Mia Foit gegen Einbruch der Dunkelheit an der Fassade der Turnhalle präsentiert. Die musikalische Ausgestaltung des Abends lag in den Händen von Barbara Fries und Grit Pehle.

Eröffnet wurde der Galaabend mit dem Schulchor und dem passenden Lied von Friedrich von Schiller "Ode an die Freude". Es folgten danach in bunter Abfolge Spielszenen mit "Götterboten", der Gründungsszenerie und den Diskussionen um die Zweigwahl.


In Erinnerungen schwelgen

Einer der zahlreichen Höhepunkte war ohne Zweifel die Gesprächsrunde mit der früheren Schulleiterin Uta von Pezold sowie ehemaligen Schülern, die sich als Zeitzeugen zur Verfügung stellten. Dafür hatte Christian Holhut, der den Smalltalk locker und gekonnt leitete, neben der früheren Leiterin noch Sigrid Krauß aus Hutschdorf und Andreas Sauer, der 1976 der erste Junge allein unter Mädchen war, eingeladen. Moderator Christian Holhut: "Für den einen war es ein Traum, für den anderen ein Alptraum." Sauer, Sohn des damaligen Thurnauer Dekans, ist heute Pfarrer in Lonnerstadt.

Christian Holhut hatte es in den 1980er Jahren ans CVG verschlagen, wie er einräumte; er gehörte zum ABI-Jahrgang 1993, und Mitschüler von ihm waren gewissermaßen als "Fan"-Gruppe bei der Gala dabei: "Es war eine Zeit, in der das CVG von der Mischung her, männlich/weiblich, ziemlich gut aufgestellt war. Das war nicht immer so, deswegen blicken wir auch ein paar Jahre in die Siebziger zurück - in eine Zeit, in der das CVG noch ein Stück weit Mädchengymnasium war."

Uta von Pezold, die die Fächer Englisch und Geschichte unterrichtete, prägte das Gymnasium als Leiterin bis 2000. Zur Frage, was in ihr vorgehe, wenn sie an das CVG denkt, antwortete die Historikerin: "Ich denke normalerweise nicht an das CVG, aber Ihr macht eine tolle Arbeit." Sie räumte ein, dass sie bei manchem dachte: "Aus dem wird nie was." Von Petzold: "Wenn die Schüler in der 7. Klasse gekommen sind, dann waren sie allgemein lieb und nett, aber es folgten dann die Jahre, da könnte man sie an die Wand ketten, aber es legt sich dann wieder und dann machen sie ganz brav Abitur."

Für Heiterkeit sorgte ihr Dank an die ehemaligen Lehrerkollegen, die auch aus weniger begabten Schülern "was gemacht" haben: "Die Gabe hatte ich nicht gehabt." Und als Christian Holhut auf die Rektorin von damals in ihrem Parker als Vorläufer der heutigen Security verwies, wie sie stets ein wachsames Auge auf die Party-Gäste hatte, entgegnete sie: "Ich weiß, das wurde mir verübelt, aber ich hatte auch eine Verantwortung." Nicht selten ließ sie sich den Schülerausweis zeigen oder der Partygast hatte eine nette Armbanduhr um, die sie sich geben ließ und am Ende konnte er sich diese wieder abholen." Und zur bayerischen Schulpolitik hatte von Pezold eine klare Antwort: "Bitte die nächsten zehn Jahre lang keine Reform!"


Der Hahn im Korb

Andreas Sauer hatte 1976, als die Familie von Kronach nach Thurnau zog, die Wahl: entweder MFG oder CVG: "Wie ich an das CVG kam, weiß ich nicht, aber das hatte wohl mein Vater geregelt." Als einzelner Junge in einer Mädchenklasse zu sein, war für Andreas Sauer auch nicht gerade "vergnügungssteuerpflichtig": "Ich denke, die Situation war für alle Beteiligte ungewohnt und gewöhnungsbedürftig, aber rückblickend kann ich sagen: Alle Beteiligten haben sich recht schnell an die Situation gewöhnt. Am schwersten haben sich vielleicht manche männliche Lehrkräfte getan, sich an die ungewohnte Situation zu gewöhnen."

Hin und wieder hatte Andreas Sauer auch manche Eifersüchteleien der männlichen Lehrerschaft wahrgenommen. Den Sportunterricht musste er damals mit seinem jüngeren Bruder am MFG absolvieren. Und zur Frage, ob die Berufswahl Pfarrer mit dem Mädchengymnasium was zu tun hatte, kam von Andreas Sauer ein klares "Nein".

Sigrid Krauß erinnerte sich an eine lustige Begebenheit mit einem Spiegel: "Wir saßen wochenlang mit einem Spiegel vor dem Gesicht und haben im Englischunterricht das ,th' geübt. Die Lehrerin ging dann durch die Klasse - und wer das nicht richtig konnte, der wurde an den Zöpfen gezogen."
Die Lehrerinnen wurden damals noch mit "Fräulein" angeredet, und erst mit dem Caspar-Vischer-Gymnasium im Jahr 1994 kamen dann junge Lehrer an die Schule. "Unser Lateinlehrer kam immer mit Anzug und Krawatte, aber plötzlich kamen da junge Lehrer mit langen Haaren und Pullover. Bei manchem überlegten wir, wie lange er den wohl schon getragen hat."
Die Schulzeit war für Sigrid Krauß nicht nur schön, sondern sie stellte fest: "Ich habe viel gelernt und ich würde es wieder machen." Dass damals auch viele Stunden mit dem Warten auf den Schulbus verbracht wurden, ließ Krauß nicht unerwähnt. Eine Mitschülerin wurde sogar täglich von den Eltern mit dem Traktor von Azendorf nach Kasendorf gebracht, um von dort aus mit dem Zug nach Kulmbach zu fahren.