Mit Tönen und Geräuschen kennt sich Peter Bechler aus. Er spielt Geige und war 1. Konzertmeister im Orchester des Theaters Chemnitz und der Erzgebirgischen Philharmonie Aue. Jetzt wohnt der Musiker im Spiegel und hat es täglich mit Lärm zu tun. Mit Verkehrslärm. "Seit mehreren Jahren kämpfen wir gegen den unerträglichen Krach", sagt er und spricht auch für viele Nachbarn. Sie möchten, dass etwas gegen den Verkehrslärm im Spiegel und am Röhrenplatz unternommen wird. Ihre Forderung: Das Pflaster muss weg, das etwa 200 Meter lange Straßenstück soll asphaltiert werden.

Auf der Straße demonstriert Bechler, wie der Schallpegel durch den Autoverkehr anschwillt. Er zieht sein Messgerät aus der Tasche. Bei Personenwagen liegt das Geräusch um 80 Dezibel. Eine langsamere Geschwindigkeit wirkt sich hörbar aus. Laster fährt gerade keiner vorbei, aber Bechler hat die Geräuschentwicklung in mehreren Messreihen dokumentiert: "Lkw liegen im Schnitt bei 90,3 Dezibel, mit Anhänger sogar bei 92,1 Dezibel."

"Wenn die Laster nicht wären"

Dass die Lastwagen das größte Problem darstellen, wissen auch die alteingesessenen Anwohner am Röhrenplatz. Seit 25 Jahren habe es immer wieder Versuche gegeben, etwas gegen die Lärmbelastung zu unternehmen. Vergeblich. "Wenn die Laster nicht wären, wäre schon viel gewonnen", heißt es.

Mit seiner Unterschriftenliste, die er ans Rathaus geschickt hat, unternimmt Bechler nun einen neuen Anlauf. "Die Straßen sind für die Menschen da und nicht umgekehrt", sagt er und glaubt nicht, dass eine durchgehende Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 etwas bringt. "Es hilft doch nichts, wenn die Leute trotzdem schneller fahren. Und bei Lkw nützt es sowieso nichts."

Der Musiker hat sich beim Gesundheitsamt beraten lassen. Verkehrslärm verursache Stress und mache krank. 65 Dezibel werde bei Dauerlärm als kritische Grenze angesehen."" Durch werde das vegetative Nervensystem geschädigt, und es bestehe ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bechler und seine Mitstreiter fordern, die Grenzwerte der TA Lärm für gemischte Baugebiete wie im Bereich Spiegel/Röhrenplatz einzuhalten: also tagsüber 60 Dezibel und nachts 45 Dezibel.

Die Anwohner laden Oberbürgermeister Ingo Lehmann zu einem Ortstermin ein. "Hören Sie einmal zehn Minuten den Straßenkrach, dann verstehen Sie unsere Entrüstung", so Bechler. Er hofft auf ein Entgegenkommen der Stadt und zieht notfalls eine Klage in Erwägung.

Kein Rechtsanspruch

Hier liegt möglicherweise ein Missverständnis vor. Ob eine Klage erfolgreich wäre, erscheint mehr als zweifelhaft. Denn im Bundes-Immissionsschutzgesetz gibt es zwar Vorschriften für den Lärmschutz beim Neubau oder Ausbau von Straßen, jedoch keine für bestehende Straßen.

Dazu stellt das Bundesumweltamt fest: "Eine generelle Regelung zum Schutz vor Straßenverkehrslärm gibt es für Bestandsstraßen in Deutschland nicht, damit besteht auch kein Rechtsanspruch auf Lärmsanierung."

Bei der Stadtverwaltung wird das Anliegen der Bürger von den Fachabteilungen bearbeitet, die sich mit dem Landratsamt abstimmen, "welche freiwilligen Leistungen zur Verringerung des Verkehrslärms im Bereich Röhrenplatz/Spiegel möglich wären", heißt es. "Ein grundsätzlicher Anspruch auf eine Verbesserung der Situation besteht nicht, jedoch werden wir den Fall wohlwollend prüfen."

Die Stadt wolle den betroffenen Bürgern aber entgegenkommen, wenn es eine Möglichkeit gibt.