Die Studie benennt wissenschaftlich fundiert Ansatzpunkte für soziales Engagement in der Region.Im Rahmen des Social Entrepreneurship Camp wurde sie nun der Öffentlichkeit vorgestellt.


"Langfristig und nutzbringend"

Erstellt wurde die Studie von einem Forscherteam unter Leitung von Eberhard Rothfuß, Professor am Lehrstuhl für Sozial- und Bevölkerungsgeographie. Stiftungsvorstand Frank Kühne dazu: "Der Antrieb unserer Stiftungsarbeit ist stets, wirksame, nachhaltige Projekte für unsere Region zu realisieren. Um gesellschaftlich langfristig und nutzbringend tätig sein zu können, haben wir den Anstoß für die Studie 'SozialRaum Oberfranken' gegeben. Sie ist eine ehrliche, wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme der sozialen Situation in unserer Region, zeigt die dringlichsten Handlungsfelder auf und wird für uns genauso wie für hoffentlich viele weitere Institutionen, Initiativen und Unternehmen Basis für die Gestaltung sozialen Engagements sein."


Stiftung unterstützt

Die Adalbert-Raps-Stiftung hat die Hilfswerft gGmbH bei der Durchführung des Social Entrepreneurship Camps unterstützt. "Junge Professionelle nicht nur in der Region auszubilden, sondern sie für die vielfältigen sozialen Gestaltungsmöglichkeiten zu begeistern und sie in Oberfranken zu halten, ist der zentrale Grund für unser Engagement dort", erläutert Kühne.


Soziales Unternehmertum

Im Social Entrepreneurship Camp setzen sich Studierende mit sozialem Unternehmertum auseinander, erproben selbst, wie Ideen zur Weltverbesserung umgesetzt werden können.


Zentraler Bestandteil

Dabei will die Stiftung nicht nur unterstützend tätig sein, sondern liefert mit der Studie einen zentralen inhaltlichen Bestandteil. red

Die Studie hat sich einer Reihe von Themenfeldern gewidmet. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Jugendliche und junge Erwachsene, Senioren und Geflüchtete. Im einzelnen schlägt sie Folgendes vor:

Jugendliche und junge Erwachsene
Kinderbetreuung: Angebote an Betreuungsmöglichkeiten sind nicht ausreichend => Ausbau und alternative, niedrigschwellige Betreuungsmöglichkeiten sind dringend notwendig.

Einkaufsmöglichkeiten: Im Einzelhandelsbereich gibt es kommunale Konkurrenzkämpfe => Ausbau von Dorfläden und dezentraler, mobiler Versorgung sowie interkommunaler Zusammenarbeit im ländlichen Raum

Mobilität: ÖPNV-Angebot im ländlichen Raum ist unzureichend; lange Pendelwege müssen in Kauf genommen werden. Benachteiligung junger Menschen auch mit Blick auf soziale Teilhabe => Ausbau alternativer ÖPNV-Angebote (Car-Sharing, Fahrgemeinschafts-Plattformen, Anruftaxis u.ä.); interkommunale Zusammenarbeit: Kostenersparnisse, Effizienzsteigerung

Gemeinschaft und Freizeitgestaltung: Starkes Bedürfnis nach Gemeinschaft, jedoch gleichzeitig "Verinselung" als gesellschaftliche Herausforderung => Vereine unterstützen, Anpassung des Angebots an verändertes Freizeitverhalten; neue Kooperationsmöglichkeiten von sozialen Akteuren zum Erhalt kommunaler Jugendangebote

Mitbestimmung: Junge Menschen zeigen den ausgeprägten Wunsch nach kommunaler Mitbestimmung, während die Partizipationsmöglichkeiten limitiert sind => Neugestaltung bzw. Erweiterung der Partizipationsmöglichkeiten (z.B. Online-Plattformen)

Bildung und Arbeit: Die Möglichkeiten sind in Stadt und Land quantitativ unterschiedlich; mangelnde Ausbildungs- und Arbeitschancen sind Hauptmotiv für die Abwanderung junger Menschen => Erhalt und Stärkung des regionalen Ausbildungs- und Arbeitsmarktes sind existenziell

Seniorinnen und Senioren
Soziale Beziehungen:
im ländlichen Raum persönlicher und intensiver (zum Beispiel Nachbarschaftshilfe); wachsende Vereinsamung im städtischen Raum, Auflösung der Familienverbände => Betreuungsformen wie "Seniorengarten" oder "Seniorentagesstätte" ausbauen; Aktionspotenzial von rüstigen, aktiven Senioren mobilisieren

Mobilität: In ländlichen Räumen sind Seniorinnen und Senioren auf ein Auto angewiesen => ergänzende Fahrmöglichkeiten wie Senioren-, Ruf- oder Bürgerbus weiter ausbauen

Betreuung und Pflege: deutlich steigender Bedarf in Stadt und ländlichem Raum => Bedarf nach Hilfen im Alltag/Haushaltshilfen niederschwellig ausgleichen; mehr alternative Wohnformen (Service-Wohnen, Senioren-WGs, Mehrgenerationenwohnen);  Betreuungsformen wie "Seniorengarten" oder "Seniorentagesstätte" ausbauen; Aktionspotenzial von rüstigen, aktiven Seniorinnen und Senioren mobilisieren

Geflüchtete
Grundsätzliches: Die Integration in den Städten Bayreuth und Kulmbach ist aufgrund des Angebots (Vereine, Ehrenamt u.a.) wesentlich einfacher als in den Landkreisen. Herausforderungen im Bereich der Flüchtlingsarbeit können ausschließlich mit Ehrenamtlichen angegangen werden. Die Unterstützung dieses Engagements und sein Ausbau sind essenziell.

Mobilität: Geflüchtete sind - besonders in ländlichen Unterkünften - nur sehr eingeschränkt mobil => Angebot von ehrenamtlichen Fahrgemeinschaften koordinieren

Isolation: Sprachbarrieren, fehlende kulturelle Gemeinschaft und Chancen zur Selbstbestimmung, Arbeitsverbote sowie Perspektivlosigkeit sorgen für Isolation und Frustration bei den Geflüchteten. Die Gefahr der Segregation steigt - und mit ihr die Verstärkung von Vorurteilen der Bevölkerung => "Inseln der Selbstbestimmung und der Gemeinschaft" schaffen und Raum für eigene kulturelle Rituale; Kontakt zwischen Asylbewerbern und Bürgern aktiv fördern, verstärkt auf das gemeinschaftliche Zusammenleben hinarbeiten. red


Die Adalbert-Raps-Stiftung


Gründung 1976 wurde die Stiftung durch Nachlassverfügung des Apothekers und visionären Industriellen Adalbert Raps gegründet. Seitdem setzt sich die Stiftung engagiert für soziale und unmittelbar gemeinnützige Projekte ein, genauso wie für Forschungsleistungen in der Lebensmittelbranche.

Themen In den vergangenen fünf Jahren lag der Fokus im sozialen Bereich auf Aktivitäten in der Jugendarbeit (40 Prozent) und der allgemeinen Unterstützung von mildtätigen und sozialen Institutionen (34 Prozent). Darüber hinaus engagiert sich die Stiftung auch in der Seniorenarbeit (26 Prozent).

Stiftungsvorstand Frank Alexander Kühne (Gesamtleitung der Adalbert-Raps-Stiftung sowie Mitinhaber und Sprecher der Gesellschafter des Unternehmens Raps mit Stammsitz in Kulmbach) und Manfred Greis (Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelsicherheit an der Tierärztlichen Fakultät der LMU München, im Schwerpunkt verantwortlich für die Forschungsprojekte der Stiftung). red