Kornblume, Kamille oder Ackerkratzdistel sind zwar schön anzuschauen, doch können sie Landwirten große Sorgen bereiten, wenn sie zwischen den Feldfrüchten wachsen. "In großen Mengen kann jede Wildpflanze zum Problem werden", erklärt Landwirt Clemens Hilpert (22). Fremdsamen mindern Qualität und Preis des Ernteguts.

Der Kampf um Wasser und Licht

Zu viele grüne Pflanzenteile, etwa die Köpfchen der Kornblume, geben Feuchtigkeit ab und können die Trockenheit des Ernteguts mindern. Dann bilden sich Schimmelpilze, die Getreide oder Erbsen gänzlich unbrauchbar machen können. Vor der Ernte konkurrieren Unkräuter mit den Kulturpflanzen um Wasser, Licht und Nährstoffe und auch während der Ernte machen sie den Landwirten das Leben schwer.

"Kamille wickelt sich in die Haspel des Mähdreschers", erklärt Hilpert. Bei der Ackerkratzdistel könne man förmlich zuschauen, wie sich die vielen kleinen Flugsamen - ähnlich wie beim Löwenzahn - über den ganzen Acker verbreiten, um im Folgejahr in noch größeren Beständen zurückzukehren.

Schritt in Richtung Ökolandbau

Seit den 1960er Jahren konnte man die Qualität und Erträge von Feldfrüchten mit Hilfe von Pflanzenschutzmitteln sichern. Für die Landwirte bedeutete das ein stabileres Einkommen, für die Bevölkerung Lebensmittelsicherheit. Heute sind Pflanzenschutzmittel in Verruf geraten, da ihnen nachgesagt wird, dass sie die Artenvielfalt erheblich schmälern. Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" unterschrieben im Juli 2019 mehr als 1,7 Millionen bayerische Staatsbürger und sorgten damit für strengere Vorgaben für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

"Ich will vorbereitet sein, falls irgendwann Pflanzenschutzmittel komplett verboten werden", sagt Clemens Hilpert. Zwar betreibt er nach wie vor konventionelle Landwirtschaft, doch hat er einen Schritt Richtung Ökolandbau gewagt und die mechanische Unkrautbekämpfung getestet. Dazu hat er sich vor zwei Jahren einen Striegel gekauft.

Auf 15 Meter ausklappbar

Die Landmaschine hat mit dem Handstriegel zum Pferdeputzen auf den ersten Blick sehr wenig gemein, ist sie doch im ausgeklappten Zustand 15 Meter breit. Das Konzept ist allerdings das Gleiche. Lange Metallzinken kratzen über den Boden und entfernen einen Teil des Unkrauts. Der größte Teil der Striegelwirkung besteht darin, dass Unkraut verschüttet wird und mangels Licht nicht mehr weiterwachsen kann.

An den Anblick der gestriegelten Felder musste sich Hilpert anfangs erst gewöhnen. Nach dem Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln sehe das Feld genauso aus wie vorher, nicht aber nach der mechanischen Unkrautbekämpfung: "Nach dem Striegeln sehen die Felder schlimm aus, aber die Kulturpflanzen kommen damit überraschend gut zurecht."

Eine Frage der Sicherheit

Am besten funktioniere das Striegeln nach dem Säen, wenn die Unkräuter noch im Keimblatt sind. Der Landwirt habe mit der Methode zwar noch nicht überall Erfolg, doch beispielsweise in den Erbsen habe er die Kornblume dieses Jahr weitgehend unter Kontrolle gebracht. Das sei sogar mit den gängigen Pflanzenschutzmitteln schwierig.

"Ich könnte mir einen Umstieg auf Bio vorstellen, doch mehr Sicherheit bietet mir der konventionelle Landbau", erklärt Clemens Hilpert. Vater Harald bestätigt, dass er Landwirte kenne, die den Umstieg auf Bio gewagt hätten und die Landwirtschaft dann ganz aufgeben mussten. "Wer weiß, wie lange die Biowelle noch anhält."

In landwirtschaftlichen Betrieben seien immer wieder Investitionen nötig. Bei der Familie Hilpert stünde der Bau eines neuen Stalls für das Milchvieh an. "Investitionen müssen sich mindestens auf die nächsten 25 Jahre rechnen", so Harald Hilpert. Durch immer neue, politische Entscheidungen fehle hier die Planungssicherheit. Dass sein Sohn eine Ausbildung zum Landwirt gemacht hat und den Hof übernehmen will, freue ihn sehr. Gleichzeitig habe er auch Sorge, wie es weiter geht. "Jeder sagt: ,Hör' auf mit der Landwirtschaft und geh' ganz normal auf die Arbeit'", berichtet Clemens Hilpert. Während der Schulzeit habe er Praktika in anderen Berufen gemacht. "Aber den ganzen Tag in einer Halle rumstehen macht mich nicht glücklich", so der 22-Jährige.

Landwirt aus Leidenschaft

Landwirt sei er aus Leidenschaft geworden. Er sagt zwar, die Politik nehme ihm die Motivation, dennoch sucht er ununterbrochen nach Lösungen. Er denkt über Weidehaltung nach, über einen großen Laufstall, über Melkroboter und Biolandbau. Die Entscheidung, in welche Richtung es schließlich gehen soll, will er auch danach treffen, ob eine künftige Lebenspartnerin ebenfalls an der Landwirtschaft interessiert ist.