Der Kreis war überschaubar: Nur wenige Menschen hatten am Wochenende nach wochenlanger Pause erstmals wieder die Gelegenheit, in einer der Kulmbacher Kirchen Gottesdienst zu feiern. Die Auflagen dafür sind streng: eine limitierte Besucherzahl, ausreichender Sitzabstand, Mundschutz.

Maximal fünfzig Gläubige dürfen zum Beispiel gemeinsam in der Stadtpfarrkirche Unsere Liebe Frau oder in die St.-Hedwig-Kirche Gottesdienst feiern. Platz genommen werden kann nur in jeder zweiten Bank auf markierten Plätzen. Mundschutz ist verpflichtend vorgeschrieben.

Schon im Vorfeld waren erhebliche Sicherheitsvorkehrungen notwendig. "Die Besucher haben nur über den Seiteneingang Zutritt zur Stadtpfarrkirche", erklärte Mesner Hans Dirscherl. Vor der Stadtpfarrkirche wurden gelbe Markierungen auf dem Gehweg angebracht. Denn auch auf dem Weg in die Kirche sollten die Gläubigen den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern einhalten.

Nur mit Anmeldung

Diejenigen, die bei der ersten Messe nach den Corona-Ausgangsbeschränkungen dabei sein wollten, nahmen die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen gerne auf sich. Alle hatten sich im Pfarrbüro angemeldet. Maria-Theresa Deichsel registrierte die Namen und Anschriften. "Nur eine Frau war nicht angemeldet. Sie wollte auch ihre Adresse nicht sagen. Aber das brauchen wir unbedingt", erklärte die ehrenamtliche Türsteherin und bat um Verständnis.

In der Kirche galt Mundschutzpflicht. Auch während der Predigt. Pfarrer Hans Roppelt gab offen zu, dass er ein bisschen nervös war. "So viele Leute hatte ich schon lange nicht mehr vor mir", scherzte der Pfarrer und wies darauf hin, dass auch künftig alle Messen weiter via Internet übertragen werden. "Nichts bleibt in diesen Zeiten wie es war, alles wandelt sich - auch die Kirche", bat Roppelt zum Auftakt der Messe um Verständnis.

Um den Menschen das Atmen mit den Masken nicht zusätzlich zu erschweren, verzichtete der Pfarrer auf Weihrauch. Die Predigt wurde bewusst kurz gehalten. Doch ansonsten versuchte der Pfarrer ein bisschen Normalität aufzubauen: Wolfgang Trottmann spielte die Orgel, die Gläubigen sangen - mit Maske.

Auch die Heilige Kommunion erfolgte unter erhöhten Sicherheitsauflagen: "Ich komme zu allen durch die Bänke, übergebe die Hostien kontaktlos, nachdem ich mir die Hände desinfiziert habe", sagte Roppelt. Erst wenn der Pfarrer wieder außerhalb des Mindestabstands ist, darf der Mundschutz gelüftet und die Hostie in den Mund gelegt werden.

Am Ende zog Pfarrer Hans Roppelt eine positive Bilanz.

"Die Leute haben die Sicherheitsvorkehrungen gut akzeptiert. Sie waren freundlich", zeigte sich Pfarrgemeinderat Johannes Deichsel positiv überrascht. "Es ist einfach anders, wenn man zusammenkommen kann und wenn man zusammen Messe feiert. Ich habe mir die Messfeiern auch im Internet angeschaut, aber es ist anders", sagte Christoph Haberecker. "Für mich ist diese Art der Sicherheitsvorkehrungen vertretbar. In der Schule gelten ja auch neue Sicherheitsstandards", sagte Haberecker, der selbst Religionslehrer ist.

Mundschutz und Laufwege

Auch in den evangelischen Kirchengemeinden gab es am Wochenende wieder Gottesdienste. Und auch hier mussten die Auflagen eingehalten werden. So haben sich zum Beispiel in der Gemeinde der Petrikirche die Mitglieder des Kirchenvorstandes bereiterklärt, den sogenannten Sicherheitsdienst zu übernehmen. Mundschutz, Hände-Desinfektion, begrenzte Sitzplätze und genau festgelegte Laufwege durch das Gotteshaus - anders ging es auch bei den Protestanten nicht.