Es könnte durchaus schneller gehen: Weil Harald Greulich die Bergstrecke mit seinem Zweirad aber nicht befahren kann, schiebt er den 125er-Motorroller der Marke Hercules die Kurven nach Krumme Fohre hinunter. Autos und Lastwagen, die oft mehr als die erlaubten 40 km/h fahren, bremsen ab, weichen aus und staunen. "Was macht der denn da?", wird sich so manch einer fragen, der - ausgebremst - gemächlich am Kasendorfer vorbeifährt.

Keine Panne

Harald Greulich hat weder einen Platten, noch klagt er über einen technischen Defekt. Der 64-Jährige macht einfach nur das, "was auf der Gefällstrecke erlaubt ist". "Ich schiebe meinen Roller, wenn ich schon nicht fahren darf", sagt der Zweiradfan, der dann an dem Teilstück vorbeikommt, das das Staatliche Bauamt in Bayreuth dazu veranlasst hat, die Staatsstraße in Fahrtrichtung Kulmbach für Zweiräder zu sperren. Tiefe Längsrisse sind zu sehen, Höhenverschiebungen, die aus Sicht der Experten für Biker und Rollerfahrer, aber auch für Fahrräder eine große Gefahr darstellen.

Es tut sich nichts

Das Verbot ist nicht neu. Es hatte bei Motorradfahrern schon im Sommer 2021 für großen Ärger gesorgt, weil die offizielle Umleitung über Buchau und Mainleus viel Zeit kostet und Sprit frisst. "Sollte diese unsinnige Sperrung nicht schon zum Herbst letzten Jahres wieder aufgehoben werden?", hatte der Azendorfer Günther Wimmer im Mai 2021 im Gespräch mit unserer Zeitung gefragt. Seitdem sind wieder viele Monate vergangen - getan hat sich bis dato aber nichts.

Umfangreiche Bodenprobungen

Nach dem öffentlichen Protest war die Fahrbahn Richtung Kasendorf 2021 zwar wieder freigegeben worden, weil es dort keine Verwerfungen im Straßenbelag gibt, in Richtung Kulmbach stehen aber nach wie vor die Verbotsschilder. Wann dort die Schäden behoben werden und in der Folge die Straße wieder freigegeben wird? Wie Baurat Philip Wagner vom Staatliches Bauamt mitteilt, haben noch bis Jahresanfang umfangreiche Untersuchungen stattgefunden. Bei sogenannten Inklinometer-Messungen wurden - vereinfacht gesagt - 40 Meter lange Rohre senkrecht in den Hang eingebracht, deren Verformung regelmäßig überprüft wurde. So konnten die Experten die Tiefenlage der Verformungen und Verschiebungen im Hang genauer lokalisieren. Es habe sich deutlich gezeigt, dass der Straßendamm in Bewegung ist, so Philip Wagner, der mitteilt, dass die Sanierung des Streckenabschnitts sechs bis acht Wochen dauern und zwischen September und November in Angriff genommen wird. "Derzeit läuft die Ausschreibung der Bauarbeiten." Der Damm werde im Herbst bis auf sechs Meter Tiefe ausgebaggert und mit tragfähigem Material neu aufgebaut. "Auch die Entwässerung wird in diesem Zug natürlich erneuert." Während der Baumaßnahme muss die Straße in dem Teilbereich komplett gesperrt werden.

Die Alternativen

Harald Greulich wird also erst im Frühjahr 2023 wieder mit dem Roller durch Krumme Fohre zum Einkaufen nach Kulmbach fahren. Bis er den Roller winterfest macht, bleiben ihm zwei Alternativen: die Fahrt über die Umleitungsstrecke oder die ungewöhnliche Variante: die Hercules bis Krumme Fohre zu schieben.