Ein Samstagsausflug nach Bamberg zum Beispiel. Ein bisschen Weltkulturerbe-Atmosphäre schnuppern, lecker essen gehen, durch die Einkaufsstraßen bummeln, was Hübsches kaufen.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man eine Toilette aufsuchen muss. In meinem Fall finde ich diese in einem Kaufhaus in der Innenstadt. Mehrere Kabinen stehen zur Verfügung. Alle besetzt. Ich warte. Kurz darauf kommt eine weitere Kundin herein, drängt sich recht rabiat an mir vorbei und versucht, die nächstbeste Tür aufzudrücken. "Es sind alle besetzt", lasse ich sie wissen.

Die Reaktion verblüfft mich. Kein Lächeln oder Nicken. Statt dessen schaut mich mein Gegenüber mit irgendwie lustig in die Luft gereckter Nasenspitze an und verkündet mit herablassendem Tonfall: "Das habe ich gesehen. Ich bin aus der Großstadt. Da erkennt man das sofort!"

Ah ja, okay, ich bin nur ein Landei und folglich nicht mit dieser Überlegenheit des Geistes gesegnet. Warum die gute Frau sich dann trotzdem auf Platz eins in der Schlange vordrängelt? Wer kann das wissen? Vielleicht hat man Anspruch auf einen Logenplatz, wenn man aus der Großstadt kommt.

Ich verkneife mir einen Kommentar und denke mir meinen Teil. Immerhin habe ich bei dieser Begegnung wieder etwas gelernt. Das stille Örtchen ist ein Ort der Erkenntnis: Auch dort ist man vor Klugsch... nicht sicher.