Die Nachrichten waren alarmierend. In den vergangenen Jahren schlugen Ornithologen und Umweltschützer Alarm: Die Vogel-Population hatte drastisch abgenommen. Die Tiere fanden mangels Insekten immer weniger Nahrung. Aber auch an Behausungen fehlte es. Das rüttelte Simone Siegmund wach. Da sie eine Tierfreundin par excellence ist, wollte sie etwas unternehmen.

Ein Paradies für Tiere

Auf ihrem Grundstück in Stadtstei­nach hat sie ein kleines Paradies für Vögel, Amphibien und Insekten geschaffen. Jetzt möchte Simone Siegmund in ihrem Garten ein so genanntes Artenschutzhaus für Mehlschwalben, Mauersegler und Fledermäuse aufstellen. Das kostet allerdings bis zu 14 000 Euro. Doch Ausgaben in dieser Höhe übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der 41-Jährigen. Deshalb macht sie sich auf die Suche nach Sponsoren.

"Vor drei Jahren haben mein Freund und ich in der Egerländer Straße ein Haus gekauft. Unter dem Dach befanden sich einige Schwalbennester. Die sind aber, vermutlich weil der Sommer so heiß war, heruntergefallen", erinnert sich Simone Siegmund. Spontan erwarb sie drei neue Doppelnester und brachte sie unterhalb der Dachrinne am Haus an. Diese wurden von Mehlschwalben hervorragend angenommen und waren augenblicklich wieder belegt.

Schon Pfützen helfen

Doch nicht nur die akrobatischen Flieger haben es der 41-Jährigen angetan. Für die hat sie übrigens extra Lehmpfützen im Garten angelegt, weil sie die gekauften Nisthilfen gerne noch "ausbauen". So hat sie Nistkästen für Mauersegler und Rotkehlchen ebenso in ihrem Garten aufgestellt wie ein Spatzenhaus und Behausungen für Fledermäuse. Weit über 1000 Euro hat sie für den Tierschutz schon ausgegeben.

Den Lebensgefährten und ihre Tochter bindet sie dabei stets mit in die Arbeiten ein. Beide helfen auch gerne mit. Ein Insektenhotel findet man bei ihr ebenso wie ein Hummel-Haus, in einem gut drei auf zwei Meter großen Teich haben sich diverse Amphibien angesiedelt. Eine Blumenwiese, die nicht gemäht wird, sorgt für ideale Lebensbedingungen für zahlreiche Arten.

Viele suchen Nistmöglichkeit

Heuer hat sie nun festgestellt, dass die Schwalbennester sofort wieder belegt waren, dass aber noch unzählige Vögel auf der Suche nach Nistmöglichkeiten sind. Kein Wunder, gibt es nicht weit von ihrem Grundstück weg zahlreiche Wiesen und den Bachlauf der Zaubach. Viele Menschen wollen ihrer Erfahrung nach aber keine Schwalben oder andere Tiere in ihrem Garten und scheuchen sie deswegen weg.

Im Internet ging sie deswegen gezielt auf die Suche und stieß auf ein Artenschutzhaus. Dies ähnele einem Taubenschlag, erklärt sie. Es bietet Platz für 56 Mehlschwalbenpärchen, dazu noch für Mauersegler und Fledermäuse - allesamt Tierarten, die geschützt sind, wie sie ergänzt.

Simone Siegmund hat sich bereits an Bürgermeister Roland Wolfrum gewandt, der der Idee sofort aufgeschlossen gegenüberstand. Beide überlegten, so ein Artenschutzhaus beim Kinderspielplatz aufzustellen, da die Kommune vielleicht eher einen Zuschuss bekommen könnte. Allerdings verwarfen sie den Gedanken wieder, da die Vögel sich durch die spielenden Kinder vermutlich gestört fühlen würden.

Roland Wolfrum bedauerte, dass die Gemeinde für so ein Projekt auf einem privaten Grundstück kein Geld zur Verfügung stellen könne, der Bauhof könnte aber ein Fundament legen, schlug er vor. Auch einen alten Laternenmasten könnte man bereitstellen. Weiter riet er ihr, sich ans Landratsamt zu wenden.

Spendenkonto eingerichtet

In der zuständigen Abteilung Naturschutz, Wasserrecht und Landschaftspflege bekam die Stadtsteina­cherin die Auskunft, dass die Gelder für dieses Jahr bereits für andere Vorhaben verplant sind. Genauso verhielt es sich bei der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, an die sie sich als nächstes wandte. Dort konnte man ihr keine zeitnahe Hilfe anbieten. "Das hilft ja alles nichts, den Tieren muss jetzt geholfen werden", betont Simone Siegmund.

Deswegen hat sie ein Spendenkonto (siehe Info-Kasten) eingerichtet, damit Tierfreunde sie unterstützen können. Sie könnte sich aber auch vorstellen, dass sich eine Schreinerei bereiterklärt, so ein Artenschutzhaus zu bauen.

Warum kein Gesellenstück?

"Vielleicht kann ja ein Lehrling das als so eine Art Gesellenstück machen." Auch wäre so ein Projekt ihrer Meinung etwas für eine Gruppenarbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder einer heilpädagogischen Einrichtung. Sie hofft, dass auch andere Menschen Nisthilfen an ihren eigenen Häusern anbringen. "Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Menschen was machen, um dem ständigen Rückgang der heimischen Tierwelt entgegenzuwirken und für ein funktionierendes Öko-System zu sorgen. Bei mir im Garten ist jedenfalls alles auf die Tiere ausgerichtet", verdeutlicht sie.