Die Erleichterung in Rugendorf ist groß. Dort gibt es im nächsten Schuljahr nun doch genügend Kinder, um die zwei bisherigen Kombiklassen aufrecht zu erhalten. Wie vergangene Woche berichtet, wurde der Durchbruch beim Erreichen der Mindeststärke dadurch erreicht, dass Kinder aus Stadtsteinacher Familien in der Nachbargemeinde unterrichtet werden.

In Stadtsteinach regt sich nun aber Kritik an dieser Lösung. Zehn Stadtsteinacher Familien sind unzufrieden. Ihr Sprecher Matthias Witzgall: "Das Wohl unserer Kinder wird auf dem Altar politischen Kalküls geopfert." Er ist selbst Vater eines betroffenen Kindes der künftigen vierten Klasse. Er tut die Meinung der Familien kund, die namentlich nicht genannt werden wollen - aus Furcht davor, ihre Sprösslinge könnten Nachteile bei der Beurteilung ihrer schulischen Leistungen haben.

Die Eltern sehen eine ganze Reihe von Benachteiligungen. Eines der Hauptargumente ist die pädagogische Schlechterstellung der Stadtsteinacher Kinder. Denn die Klassenstärke liege an der Obergrenze des Erlaubten. Dies bedeute eine konkrete Benachteiligung, da die Lehrkraft in der ehemaligen Kreisstadt weit weniger Zeit habe, sich individuell dem einzelnen Kind zu widmen.
Da es sich in Rugendorf aber um sogenannte Kombi-Klassen handele, also die Zusammenfassung des Jahrgangs 1 und 2 sowie des Jahrgangs 3 und 4 zu jeweils einer Einheit, ergebe sich bei einer vergleichenden Gegenüberstellung ohnehin ein Zerrbild. "Bei uns in Stanich werden künftig im vierten Jahrgang in etwa 28 Mädchen und Jungs in einer Klasse unterrichtet. In Rugendorf kommt die gesamte Schule größenordnungsmäßig gerade mal auf diese Zahl", schüttelt Witzgall den Kopf.


Finanzielle Nachteile

Doch damit nicht genug. Der 45-Jährige weist auch auf finanzielle Nachteile der "Causa Rugendorf" hin. Die Stadtsteinacher müssten schließlich in die Nachbargemeinde transportiert werden, was zusätzliche Kosten verursache. Dies seien Gelder, die man sich sparen könne und sinnvoller für die Sanierung des in die Jahre gekommenen Schulgebäudes an der Alten Pressecker Straße einsetzen könne. Die Kinder würden in Rugendorf nur an drei Schultagen wöchentlich unterrichtet, an den restlichen zwei müssten sie sowieso nach Stadtsteinach gebracht werden. Dort stünden Schulräume leer, währenddessen in Rugendorf die Schule mit erheblichem finanziellem Aufwand unterhalten werden müsse.

Aber auch in anderer Hinsicht fühlen sich die Stadtsteinacher Eltern benachteiligt. So müssen die Eltern für die Mittagsbetreuung ihrer Kinder deutlich mehr bezahlen als in der Nachbargemeinde. Witzgall verwies dabei auf die Aussage des Rugendorfer Bürgermeisters Ralf Holzmann. Der habe damit geworben, dass die Kommune die Kosten der Mittagsbetreuung übernimmt.

Ihre Punkte der Kritik haben die Eltern sowohl dem Stadtsteinacher Bürgermeister Roland Wolfrum vorgetragen als auch Schulrat Michael Hack. Beide hätten laut Witzgall zwar Verständnis gezeigt, allerdings sei in der Folge leider nichts geschehen. Alles in allem dränge sich der Verdacht auf, als sei die Rugendorfer Lösung keine zum Wohle der Kinder, sondern ausschließlich politisch motiviert, um unter allen Umständen den Fortbestand der dortigen Schule zu gewährleisten.Die Stadtsteinacher Eltern hätten es zwei Mal abgelehnt, ihre Kinder nach Rugendorf zu entsenden. Hierauf seien konkrete Werbeaktionen und Unterschriftensammlungen für die Rugendorfer Schule erfolgt, bei denen man mit den geringen Klassenstärken geworben habe.

Die Stadtsteinacher Beschwerdeführer sind sich bewusst, dass die Entscheidung für das kommende Schuljahr unumkehrbar gefallen ist. Für die Zukunft aber wollen sie derartige Lösungen, die auf eine Schlechterstellung und Ungleichbehandlung der Stadtsteinacher hinauslaufen, nicht mehr tolerieren.


Rücksprache wäre sinnvoll

Dass es das Recht der Eltern ist, ihr eigenes Kind in den Mittelpunkt ihres Interesses zu stellen, stellt der Stadtsteinacher Schulleiter Michael Pfitzner fest. "Es wäre aber sinnvoll gewesen, wenn man sich mit der Schule in Verbindung gesetzt und auf den aktuellen Stand gebracht hätte. Stand heute werden die Kombiklasse 3/4 in Rugendorf nämlich 15 Kinder besuchen, die Regelklasse 4 in Stadtsteinach 25. Damit ist man weit weg von der Höchstgrenze 28." In Bayern sei es zudem generell so, dass die Schülerzahlen in Kombiklassen kleiner sind. "Das ist ja auch sinnvoll."

Er verwies darauf, dass er angesichts der Notwendigkeit einer Teilung der Klasse, wenn die Rugendorfer Kinder dazugekomen wären, in einem Elternabend ein Meinungsbild abgefragt habe - von 23 Elternteilen hätten sich damals nur zwei für eine Teilung ausgesprochen.

Stadtsteinachs Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) rückt die Zahlen aus seiner Sicht zurecht. "15 Schüler in Rugendorf und 25 in Stadtsteinach ist nach meinem Dafürhalten ein durchaus ausgewogenes Verhältnis. Ich kann da beim besten Willen kein politisches Kalkül erkennen. 25 ist eine ganz normale Anzahl." Was die monierte Kostensituation angeht, so stellt Wolfrum klar: "Der Standort Rugendorf als Außenstelle wird von der Gemeinde geschultert. Für Stadtsteinach fällt das nahezu nicht ins Gewicht. Was aber, wenn die Rugendorfer Schüler bei uns wären? Dann hätte ich sicher den Mehraufwand für zusätzliche Zimmer und ähnliches zu tragen."