Grund für die Durchsuchungsaktion ist nach Angaben von Matthias Goers, Staatsanwalt als Gruppenleiter und Pressesprecher, dass der Vorwurf von Vermögensdelikten im Raum stehe. Grundlage für die Aktion sei eine Anzeige gewesen.

Im Verlauf seien Unterlagen beschlagnahmt worden. Genauere Angaben wollte Goers unter Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren allerdings nicht machen. Zwischen Einstellung des Verfahrens und Anklageerhebung sei bei solchen Ermittlungen die Bandbreite der Folgen. Wie lange sich die Untersuchungen hinziehen werden, konnte der Staatsanwalt als Gruppenleiter nicht sagen. Je nach Umfang der beschlagnahmten Akten sei von einem Zeitraum von zwei Monaten bis zu einem Jahr ausgegangen werden.

Awo-Kreisvorsitzende Inge Aures erklärte der Bayerischen Rundschau gegenüber schriftlich: "Da uns an voller Transparenz und Aufklärung gelegen ist, wurden selbstverständlich alle angeforderten Unterlagen herausgesucht und komplett übergeben. Wir unterstützen die Ermittlungen vollinhaltlich und tragen zur Aufklärung bei, dies in Kooperation mit den zuständigen Behörden. Die Ermittlungen richten sich offensichtlich gegen einen früheren Kreisvorsitzenden, für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt. Der Sachverhalt ist bekannt."

Gemeint ist hier der frühere Awo-Kreisvorsitzende Oskar Schmidt. Dieser war nach dem Ausscheiden als Kreisgeschäftsführer Geschäftsführer für den Bereich "Angelegenheiten der Awo und des Awo-Kreisverbandes" mit der Funktionsbezeichnung "Geschäftsleitender Vorsitzender" und übte parallel bis Oktober 2014 das Amt des ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden aus. Ab April 2015 war er für die Maßnahme am Heiner-Stenglein-Seniorenheim zuständig - für die Projektleitung und -steuerung. Hierfür bezog er einen Bruttoverdienst von monatlich 3136 Euro.

Prüfern, die der Awo-Bundesverband beauftragt hatte, war aufgefallen, dass Statusberichte nicht von Schmidt selbst, sondern vom Büro Drenske erstellt worden waren, das er eigentlich kontrollieren sollte. Auch Bauherrenaufgaben seien nicht von ihm wahrgenommen worden, kritisierten die Prüfer.

Der Kreisverband hatte hierzu erklärt, dass die Erstellung von Protokollen nicht Aufgabe des Bauherren und es bei der Awo "Gang und Gäbe" sei, dass diese Aufgabe vom zuständigen Ingenieur- und Architekturbüro vorgenommen würden. Schmidt habe seine Aufgaben wahrgenommen. Nur von ihm geprüfte Unterlagen habe man in der Geschäftsstelle weiterverarbeitet.

Die Wirtschaftsprüfer sahen dennoch eine Dokumentationslücke, erklären, dass nicht ersichtlich sei, dass Schmidt die Überprüfungs- und Kontrollfunktion ausgeübt habe. Aus den Stundennachweisen von Schmidt wird laut den Prüfern deutlich, dass dieser nicht nur Tätigkeiten, die das Bauprojekt betrafen, sondern etwa auch Jubiläen oder Geburtstagsbesuche angegeben hat. So seien 2015 nur 50 Prozent auf das ihm anvertraute Bauprojekt entfallen.

Oskar Schmidt selbst machte deutlich, dass er seine Kontrollfunktion wahrgenommen habe. Jeden Monat sei ein Baubericht verfasst worden. Die Statusberichte seien in Absprache mit dem Büro Drenske erfolgt, dem er die hierfür notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt habe.

Weitere Vorwürfe gegen Inge Aures in ihrer Funktionen als Vorsitzende des Kulmbacher Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt , die seit rund einem Jahr erhoben werden, beziehen sich darauf, dass das Architekturbüro ihres Ehemanns Hans-Hermann Drenske über Jahre hinweg Bauaufträge erhalten hat. Inge Aures ist bisher auch Rücktrittsforderungen aus dem eigenen Kreisvorstand nicht nachgekommen.