Die eigene Homepage im Internet ist für viele Vereine die ideale Plattform, um Werbung für sich zu machen, vor allem für ihre Kinder- und Jugendarbeit. Die Musikvereine im Landkreis Kulmbach und in ganz Oberfranken sind da zur Zeit allerdings ausgesprochen vorsichtig: Sie entfernen alles von ihren Online-Seiten, was die Ausbildung ihres Bläsernachwuchses betrifft.

Unlogisch? Ganz und gar nicht. Die Vereine wollen sich schützen - vor den Kontrolleuren der Rentenversicherung. Diese fahnden nämlich nach Vereinen, die unter Umständen Abgaben an die Künstlersozialkasse leisten müssen, weil sie mit einem "strukturierten Ausbildungsangebot" gewerblichen Anbietern gleichgestellt werden.
Seit 1983 werden selbstständige Künstler und Publizisten auf der Grundlage des Künstlersozialversicherungsgesetzes als Pflichtversicherte in das System der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung aufgenommen. Sie zahlen wie Arbeitnehmer die Hälfte des Beitrags, die andere Hälfte wird von den so genannten "Verwertern" der künstlerischen Leistung sowie über einen Bundeszuschuss finanziert. Strittig ist derzeit die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein gemeinnütziger Musikverein zum abgabenpflichtigen Verwerter wird.

Ängstliches Abwarten


Solange das nicht geklärt ist, empfiehlt der Geschäftsführer des Nordbayerischen Musikbunds, Andreas Kleinhenz, den Vereinen, ihre Nachwuchsausbildung unsichtbar zu machen. "Wir haben alles von unserer Homepage gelöscht, was auf unsere Ausbildungsangebote schließen lässt", sagt der Vorsitzende eines Musikvereins aus der Region der Bayerischen Rundschau - aus verständlichen Gründen anonym. Er hat Angst vor plötzlichen Forderungen hoher Geldsummen, und die ist durchaus begründet: Zwei Musikvereine im unterfränkischen Sand sowie in Forchheim hat es bereits getroffen: Summen von 10.000 beziehungsweise 20.000 Euro stehen im Raum. Die Vereine sind damit so gut wie pleite, können für ihre Musiker keine Noten und keine Trachten mehr kaufen. Sie mussten die Summen bezahlen, klagen jedoch gemeinsam mit dem Nordbayerischen Musikbund gegen die aus ihrer Sicht unberechtigten Forderungen.

"Kinder sind die Leidtragenden"


In Stadt und Landkreis Kulmbach hat bislang noch kein Verein eine Rechnung bekommen, aber alle, die Bläserklassen oder anderen Unterricht für ihren Nachwuchs anbieten, sind verunsichert und diskutieren das Thema nur hinter vorgehaltener Hand, um die Aufmerksamkeit der Kontrolleure nicht auf sich zu lenken. "Die Politiker machen ihre Hausaufgaben nicht, und die Vereine müssen es ausbaden - und die Leidtragenden sind letztlich die Kinder, die bei uns ein Instrument erlernen, um dann im Orchester mitspielen zu können", kritisiert der Vorsitzende eines Vereins, der stolz auf seine vorbildliche Nachwuchsarbeit sein kann.
Was könnte die Politik seiner Meinung nach tun? "Klare Verhältnisse schaffen. Es gibt doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder will man das Ehrenamt stärken und die Jugendarbeit der Vereine fördern, oder man will die Vereine kaputt machen und die Musikausbildung ausschließlich gewerblichen Anbietern übertragen."

Hintergründe und einen Kommentar zum Thema lesen Sie am Dienstag in der Bayerischen Rundschau.