Endlich - ab kommenden Montag dürfen die Vereine wieder die Kulmbacher Sporthallen nutzen. Damit endet eine achtmonatige Schließung, die Stadt und Landratsamt wegen der Corona-Pandemie verhängt haben. Lediglich die Schulen durften rein.

Die lange Zwangspause für die Vereine hat Mientje Krüger geärgert. Sie kritisiert: "Überall in Oberfranken dürfen die Sportler schon lange wieder in die Hallen, nur in Kulmbach nicht." Aber gleichzeitig seien bei Familienfeiern, auch in Kulmbach, teilweise bis zu 100 Teilnehmer erlaubt gewesen.

Krüger spielt Basketball in der Bezirksliga beim ATS Kulmbach. Die Frauenmannschaft trainiert und spielt normalerweise in der CVG-Halle. Im Sommer konnte man sich mit einem Training auf dem Außenplatz behelfen, seit vier Wochen sind die ATS-Frauen ebenso wie die Bayernliga-Männer des Vereins Gast in der Neudrossenfelder Schulturnhalle. Diese steht den Vereinen schon seit Anfang August wieder zur Verfügung. Die Marktleugaster Schulturnhalle dürfen die Vereine sogar schon seit Ende Juni wieder nutzen.

"Keinen konstruktiven Diskurs"

Die unterschiedliche Regelung im Landkreis kann Krüger nicht verstehen. "Seit Juni haben viele Abteilungen des ATS sowie Vorstandsvorsitzende Heidesuse Wagner versucht, mit dem Landratsamt in den Dialog zu treten, um die Kulmbacher Hallen wieder nutzen zu dürfen. Wir haben auch angeboten, für alle Vereine ein Hygienekonzept zu erstellen. Doch leider gab es keinen konstruktiven Diskurs", kritisiert Krüger. Stattdessen habe das Landratsamt "die vermeintlich einfache Lösung der Verbots-Kultur gewählt".

Dass der Landkreis Kulmbach mit der Öffnung seiner Hallen für die Vereine sehr spät dran sei, belege eine Umfrage unter allen oberfränkischen Basketballvereinen vom September, so Krüger. Zu diesem Zeitpunkt konnten von 22 Vereinen 19 wieder trainieren. Das sei für die Kulmbacher Sportler frustrierend und ein klarer Wettbewerbsnachteil, so Krüger. Auch die Jugendarbeit habe unter der Sperrung gelitten, meint sie: "Wie die Vereine unter diesen Bedingungen ihre gesellschaftliche und soziale Aufgabe wahrnehmen sollen, bleibt unklar."

ATS-Vorstandsvorsitzende Heidesuse Wagner kann den Ärger von Mientje Krüger verstehen, denn auch ihr leuchtet es nicht ein, dass anderswo die Hallen schon lange wieder offen sind, nur in Kulmbach nicht. "Ich weiß nicht, warum man hier so viel Angst hatte."

Landrat weist Kritik zurück

"Die schulische Nutzung der Hallen hatte Vorrang", entschuldigt Landrat Klaus Peter Söllner die späte Öffnung der Sporthallen. Man habe Abschlussprüfungen, Lehrerkonferenzen oder Elternabende in die Turnhallen verlegen müssen. Die Situation in anderen Landkreisen sei oft eine andere, deshalb für ihn auch nicht vergleichbar.

Söllner tritt zudem dem Vorwurf entgegen, die Situation der Vereine zu ignorieren. "Uns liegt der Vereinssport sehr wohl am Herzen, mit Ausnahme der Wochenenden kostet die Nutzung unserer Hallen den Vereinen auch nichts." Kämmerer Rainer Dippold weißt zudem darauf hin, dass der Landkreis trotz einer Pflicht zur Haushaltskonsolidierung die Vereinsförderung in Corona-Zeiten um 26 000 auf 58 000 Euro aufgestockt habe.

Ingo Hirschmann, am Landratsamt für die Vergabe der Hallenzeiten zuständig, verwundert Krügers harsche Kritik, denn von offizieller Seite sei kein Verein an ihn herangetreten. "Und ich habe mit jedem Verein Kontakt gehabt", sagt er. 24 Vereine nutzten die landkreiseigenen Hallen, 48 Trainingszeiten gebe es, von denen allein die Abteilungen des ATS Kulmbach 33 belegten. Weil künftig zwischen den Trainings- und Wettkampfeinheiten zweier Vereine eine Stunde gelüftet werden muss, hat Hirschmann neue Hallenpläne erstellt. "Wir haben alle Vereine berücksichtigen können, kein Jugendtraining ist hinten runtergefallen."

Wie Abteilungsleiterin Kathrin Limmer ergänzt, haben die Bayernliga-Basketballer des ATS sogar eine Ausnahmegenehmigung für die Nutzung der CVG-Halle in den Sommerferien erhalten. Die lange Lüftungszeit in den Hallen müsse deshalb sein, damit die automatische Belüftungsanlage die Luft komplett austauschen könne. Oliver Hempfling, der Leiter des Corona-Krisenstabes, sagt: "Wir wollen damit eine Querinfektion zwischen den Vereinen verhindern." Zudem müsse jeder Verein ein eigenes Hygienekonzept haben. Die Sportler erinnerte Hempfling noch einmal daran, dass man mitten in einer Pandemie stecke: "Man muss einfach den Anspruch zurückschrauben, dass alles wieder so ist wie vor Corona."

Stadt erlaubt 50 Personen

Auch die städtischen Turnhallen werden am Montag geöffnet, denn die Stadt habe sich an der Regelung des Landkreises orientiert und den Schulen Vorrang eingeräumt, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt Kulmbach erlaubt vorerst maximal 50 Personen in der Halle. Die Umkleiden sind nutzbar, die Duschen ebenso wie in den Landkreis-Hallen nicht.

In den städtischen Hallen reichen allerdings 15 Minuten Frischluftzufuhr, da es keine Lüftungs-Anlage gibt. Zwischen den Trainingseinheiten muss jedoch eine halbe Stunde Pause sein. Pressesprecher Jonas Gleich hätte es für "sehr schwierig" gehalten, "jeden Verein vor der Öffnung der Hallen nach dessen Vorschlägen zu fragen und diese zu diskutieren", da jeder "unterschiedliche Vorstellungen hinsichtlich der Hygienemaßnahmen" habe. Daher sei eine einheitliche Vorgabe durch die Kommune sinnvoll.

So läuft es in anderen Kreisen

Die Bayerische Staatsregierung hat bereits Ende Juni den Vereinssport in den Hallen wieder erlaubt. Ab diesem Zeitpunkt hat man zum Beispiel in Bayreuth die Hallen wieder geöffnet. Wir blicken auch nach Bamberg, Lichtenfels und Kronach.

Bayreuth

Das Sportamt Bayreuth, das für die sechs städtischen Sporthallen zuständig ist, hat bereits Ende Juni den Vereinssport unter dem Dach wieder zugelassen. Sportamtsleiter Christian Möckel erklärt: "Wir haben in den Sommerferien teilweise geschlossen, aber mit Beginn der Schule standen alle Hallen wieder für das Training der Vereine zur Verfügung."

Die Klubs waren natürlich zur Umsetzung strenger Hygienemaßnahmen verpflichtet. Die Vereine enttäuschten Möckels Vertrauen nicht: "Alle haben sich sehr diszipliniert an die Vorgaben gehalten, durch den Sport gab es keine Corona-Ansteckung", sagt Möckel, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Sportämter ist. In dieser Funktion weiß er, wie unterschiedlich in Bayern die Hallennutzung möglich ist. "In Nürnberg haben auch noch keine Hallen auf, da wurde die Hockey-Freisaison bis November verlängert", sagt Möckel. Er plädiert, den Vereinen mehr Eigenverantwortung zu übertragen: "Die Sportvereine bemühen sich in der Regel sehr, eine Ansteckung zu vermeiden, denn sie wissen, dass sonst ihre Chance schnell dahin ist."

Bamberg

In Bamberg sind die Hallen für das Vereinstraining sechs Wochen vor den Sommerferien wieder geöffnet worden. Es wurde ein Hygienekonzept erarbeitet und die Zahl der Sportler je nach Raumgröße beschränkt. Die Duschen sind gesperrt und es ist ein Mund-Nasen-Schutz beim Betreten und Verlassen der Halle zu tragen. Das Training muss 15 Minuten vor dem eigentlichen Ende abgeschlossen und die Halle verlassen werden, um einen Luftaustausch durchzuführen. Nach den Sommerferien ging es mit dem Trainingsbetrieb weiter. Für die Wettkampfsaison hat jeder Verein ein Hygienekonzept aufstellen müssen.

Das Duschen ist je nach den Gegebenheiten vor Ort gestattet, in den kleineren Schulturnhallen meist aber verboten.

Lichtenfels

Im Sportzentrum der Stadt Lichtenfels können sich zwei Personen pro Duschraum und maximal acht Sportler je Umkleidekabine aufhalten. Die Handballer der TS Lichtenfels dürfen seit Ende Juli wieder trainieren, ausnahmsweise auch in den Sommerferien. Das Training ist jedoch auf 60 Minuten pro Einheit beschränkt. "Danach muss die Lüftung bei leerer Halle laufen", sagt TS-Abteilungsleiter Jonas Ottolinger.

In den fünf vom Landratsamt Lichtenfels vergebenen Hallen wie der Obermainhalle Burgkunstadt müssen die Vereine dem vom Amt ausgearbeiteten Hygienekonzept zustimmen, bevor sie sie nutzen können. So ist etwa das Duschen in Burgkunstadt noch nicht erlaubt.

Kronach

Die landkreiseigenen Hallen sind seit 5. Oktober wieder geöffnet. Lediglich eine Halle bleibt geschlossen, weil die Durchlüftung nicht in dem erforderlichen Maß gewährleistet werden kann, heißt es aus dem Landratsamt. Spätestens alle zwei Stunden muss gelüftet werden. Die Duschen sind noch gesperrt.cs/us