An das Jahr 2010 erinnert sich Thomas Bergmann nicht gerne zurück. Zwar spielte die erste Mannschaft in der Bezirksliga, doch im Nachwuchsbereich hatte der TSC Mainleus seinen Tiefpunkt erreicht. "Wir hatten nur noch fünf D-Jugendliche, eine Jugendabteilung gab es quasi nicht mehr", sagt Bergmann. Damit wollte sich der heutige TSC-Jugendleiter nicht abfinden, ergriff die Initiative - und das mit Erfolg. Acht Jahre später spielen mehr als 100 Kinder und Jugendliche für den TSC Mainleus.


Von null auf zehn Teams

Zehn Nachwuchsteams stellt der Herren-Kreisklassist in der kommenden Saison, von den G-Junioren bis zur C-Jugend hat er alle Altersklassen besetzt. "Ziel ist es, dass einige dieser Talente in ein paar Jahren in der ersten Mannschaft spielen. Die Jugend ist das Kapital der kleinen Vereine", sagt Michael Eichner.

"Dass es bei uns überhaupt weitergegangen ist, haben wir zum größten Teil Thomas zu verdanken." Der stellvertretende Vorsitzende des TSC nennt für den Erfolg von Bergmann vor allem drei Eigenschaften: Überzeugungskraft, eine gewisse Penetranz und die nötige Fußballverrücktheit.
Überzeugend musste Bergmann vor allem in der Anfangsphase im Jahr 2010 sein. Sein Traum: Sein vierjähriger Sohn soll in einer Mainleuser Bambini-Mannschaft spielen. Moritz Bergmann war quasi der erste Spieler der neuen TSC-Jugendabteilung - und ging nach Burghaig in den Kindergarten.


Spielerbörse Kindergarten

Für Thomas Bergmann der richtige Ort, um neue Spieler zu finden. Er sprach Freunde von Moritz und deren Eltern an, machte ihnen das Fußballspielen beim TSC schmackhaft. Das Resultat: Neun Kinder starteten im Herbst 2010 zusammen in den Bambini-Spielbetrieb. Das Besondere: Noch heute sind sechs dieser Kinder für die SG Mainleus aktiv, jetzt in der C-Jugend-Kreisliga.

"Die Spieler des Jahrgangs 2004 waren immer unsere Speerspitze. Darum herum haben wir die Jugendabteilung aufgebaut", sagt Bergmann. Der 46-Jährige wurde nicht müde, neue Spieler zu suchen. Immer wieder veranstaltete er Schnuppertrainings und Turniere, fädelte die Zusammenarbeit mit den Nachbarvereinen SV Kirchleus und SV Motschenbach ein - und war penetrant. "Wenn einer in einem Satz ,ja eigentlich, aber' gesagt hat, war er schon so gut wie verhaftet", sagt Bergmann und lacht. "Ich habe dann immer wieder nachgehakt."

Das galt auch bei möglichen Kandidaten für Trainerposten. Die Übungsleiter sind für Bergmann genauso wichtig wie die Spieler: Sie müssen mit Kindern umgehen können, Fußball-Verstand haben und die Fähigkeit, diesen weiterzugeben. "Der Aufbau der Jugendabteilung wäre ohne die vielen guten Trainer nicht erfolgreich gewesen", weiß Bergmann und nennt stellvertretend Markus Langheinrich, Christoph Limmer, Uli Backert, Michael Eichner, Vitor do A dro sowie Markus und Michael Pistor. "Das sind genauso wie ich Fußballverrückte, die ihre Freizeit zum Wohl der Kinder nicht auf dem Sofa, sondern auf dem Platz verbringen", sagt Bergmann.


Zulauf bringt Probleme

Er selbst ist in der Woche etwa 15 Stunden für den TSC im Einsatz - als Jugendleiter, Trainer, Fördervereinsvorsitzender oder Social-Media-Betreuer. Auch um die Sponsorenakquise für die Jugendabteilung kümmert sich der 46-Jährige.

Mit Bergmann an der Spitze hat sich beim TSC eine Gemeinschaft entwickelt, in der auch die Eltern der Spieler ehrenamtliche Arbeiten übernehmen. Zudem stellten sich Erfolge ein, so dass sich die TSC-Nachwuchsabteilung mittlerweile wieder einen guten Ruf in der Region erarbeitet hat und weiter wächst.

"Das ist Fluch und Segen zugleich", weiß Eichner um die Probleme, die die größer werdende Abteilung mit sich bringt. Zum einen sei der organisatorische Aufwand - zum Beispiel bei der Platzbelegung - immens, zum anderen mangle es an neuen Trainern und Betreuern. "Zum Glück haben wir einen großen Stamm an Helfern, aber jeder Verein kennt das Phänomen, dass es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu finden", sagt Eichner. Er ist seit 1989 beim TSC und hat viele Spieler kommen und gehen sehen, die auf sich selbst konzentriert waren und nach der aktiven Karriere schnell die Bindung zum Verein verloren haben. Eichner wünscht sich, dass die Herrenspieler die Jugendabteilung noch mehr unterstützen.


"Unbezahlbare Momente"

"Ein ehrenamtliches Engagement kann auch die Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen", sagt Eichner und gerät anschließend ins Schwärmen. "Wenn man sieht, mit wie viel Spaß die Kinder und Jugendlichen auf dem Platz dabei sind und sich weiterentwickeln, weiß man, warum man so viel Zeit für die Nachwuchsarbeit opfert. Das sind einfach tolle und unbezahlbare Momente."