Keine Wolke, kein Wind, 27 Grad. Kilian Deichsel steht am Wasserrand und blickt auf den ruhigen Badesee in Trebgast. "Am Sonntag kocht hier das Wasser", sagt der 29-jährige Triathlet aus Kulmbach mit einem Lächeln. Am Sonntag findet zum 36. Mal der Trebgaster Triathlon statt.

Als erfahrener Sportler der Regionalliga-Gemeinschaft des ASV und des ATS Kulmbach sowie als amtierender Deutscher Meister der Gehörlosen weiß Deichsel, dass der Start im Wasser "immer ein großes Hauen und Stechen ist, so dass die Gischt weiß aufschäumt" - besonders, wenn wie hier mehrere Wettbewerbe gleichzeitig starten, in diesem Jahr die Regionalliga und die bayerische Meisterschaft. Deichsel nimmt an beiden teil.

Seine Taktik für den Start: "Gleich einen eigenen Weg finden, dem Pulk ausweichen und sich durch die Mitte langsam nach vorne absetzen." Schwimmen sei seine stärkste Disziplin, in der er meist unter die besten Zehn käme. Beim Radfahren schaffe er es meist in die Top-20, kürzlich kam er mit dem deutschen Team bei der Gehörlosen-Europameisterschaft im Radsprint in Belgien auf den dritten Platz. Beim Laufen habe er wegen seines breiten Schwimmer-Kreuzes leichte Nachteile.
"Da muss ich noch ein bisschen ausgeglichener trainieren", sagt Deichsel, der sich in den kommenden Jahren langsam an die Mittel- und irgendwann auch einmal an die Langdistanz wagen will.

Sein Problem diesbezüglich: Im Vergleich zur professionellen Konkurrenz, die etwa 35 Stunden in der Woche trainiert, fehlt ihm als Berufstätigen die Zeit. Deshalb pendelt er etwa die knapp 25 Kilometer von seiner Wohnung in Kulmbach zu seiner Arbeitsstelle in Bayreuth täglich mit dem Rad. "In die wenige Zeit, die ich habe, muss ich das Training eben - so gut es geht - integrieren", erklärt er. Sein 24-jähriger Kulmbacher Regionalliga-Teamkollege und Sportlehramts-Student Patrick Pirhala pflichtet ihm nickend bei. "Mir fällt es schwer, bei all den Sportarten, die ich für mein Studium trainiere, noch Zeit für das Triathlon-Training zu finden", sagt Pirhala. "Andererseits ist es aber ein guter Ausgleich."

Pirhala nahm im Jahr 2012 zum ersten Mal am Trebgaster Triathlon teil, Deichsel 2010. Früher hatte der ehrenamtlich von den Kulmbacher Vereinen veranstaltete Wettbewerb deutlich mehr Zulauf, in den ersten Jahren wurde die Zweite Liga ausgetragen und auch eine Ironman-Distanz angeboten.


Einmalig für Zuschauer

"Damals gab es kaum Triathlon-Veranstaltungen. Aber nach dem Boom in den vergangenen Jahren schießen kommerzielle Wettbewerbe aus dem Boden", erklärt Pirhala, "da kann ein Stadtverein kaum mithalten." Doch für die beiden ist der Trebgaster Wettbewerb nicht nur deshalb etwas Besonderes, weil sie hier den Sport kennen und lieben lernten: "Für Zuschauer gibt es keine bessere Veranstaltung", sagen beide.
Da alle drei Sportarten auf allen Distanzen in Runden um den See verlaufen und auch die Wechselzonen direkt dort sind, können die Zuschauer vom Start bis zum Ende alles hautnah miterleben "und mitfiebern, wie sich die Läufer am Ende battlen", erzählt Deichsel.

Als Triathlet sei man zwar im Allgemeinen über Runden-Wettkämpfe der Monotonie wegen nicht besonders erfreut, "aber wenn einen die Zuschauer in jeder Runde anfeuern, hilft das sehr; besonders wenn man eigentlich am Ende der Kräfte ist, gibt das einen richtig guten Push", beschreibt Pirhala die einmalige Erfahrung in Trebgast.

Deshalb könne er jedem, der sich für den Sport interessiere, raten, in Trebgast anzufangen. Dass man auch in der Team-Staffel antreten kann, erleichtere den Einstieg. "Es lohnt sich auch, bei der Staffel in der Disziplin teilzunehmen, die einem am wenigsten liegt", rät Pirhala. "Denn prinzipiell geht es bei der Sportart nicht darum, sich mit den Anderen zu messen, sondern mit sich selbst. Da helfen die Zuschauer schon enorm."

Andererseits sei Triathlon aber mehr Teamsport, als man denke: Besonders in der Regionalliga, in der Viererteams starten und die Zeit genommen wird, nachdem der Dritte im Ziel ist. "Wir sind eine gute, homogene Mannschaft und versuchen immer, in einer Einheit zu bleiben", sagt Pirhala, "denn das pusht alle - und jeder ist besser, als wenn er für sich alleine antritt."

Liga und Meisterschaft starten am Sonntag um 9 Uhr (Männer) und um 9.25 Uhr (Frauen), der Kurztriathlon beginnt um 10.30 Uhr, der Volkstriathlon eine halbe Stunde später um 11 Uhr. Anmeldungen für den Kurz- und Volkstriathlon sind am Veranstaltungstag noch vor Ort bis 8.30 Uhr möglich. Der Zeitplan, die Online-Anmeldung, Informationen zu den Strecken, Straßensperrungen und Parkplätzen sind hier zu finden.