Martin Ständner hat es befürchtet. Ab Montag, 2. November, muss er das Training mit seinen Leichtathleten der Trainingsgemeinschaft TSV Stadtsteinach/UAC Kulmbach wieder einstellen. In seiner Vorahnung hat der Wurftrainer bereits an Landrat Klaus Peter Söllner und Kulmbachs Oberbürgermeister Ingo Lehmann geschrieben. In dem Brief bittet Ständner die Lokalpolitiker um eine Ausnahmegenehmigung für den Fall eines Trainingsverbots, den dann Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch tatsächlich verkündet hat.

Martin Ständner betreu t etliche Leistungssportler, darunter mit dem 18-jährigen Hammwerfer Merlin Hummel eines der größten deutschen Leichtathletik-Talente. "Ein erneutes Trainingsverbot wie über acht Wochen hinweg im Frühjahr kann man - während die Fußballer des FC Bayern München selbstverständlich weiter trainieren dürfen - einem 18-jährigen Leistungssportler nicht vermitteln", meint Ständner. Zudem könne er nicht verstehen, für wen eine Ansteckungsgefahr ausgehe, wenn er auf einer abgelegenen Wurfanlage wie der in Stadtsteinacher Au mit einem Hammerwerfer trainiere.

Schon der erste Corona-Lockdown im Frühjahr habe seinem Verein "großen Schaden zugefügt", erinnert Ständner. So habe sich "ein gerade neu herangezogenes Grüppchen von talentierten Anfängern" wieder aufgelöst. Den 64-jährigen Leichtathletik-Trainer ärgert vor allem, dass es im Frühjahr in anderen Bundesländern Ausnahmeregelungen gab: "In Berlin, Sachsen, Hessen oder Baden-Württemberg durften Bundes- und Landeskader-Athleten unter Corona-Auflagen trainieren - wir nicht! Genauso sieht es im internationalen Vergleich aus."

Kandidat für WM-Gold

Merlin Hummel bereitet sich derzeit auf die U20-Weltmeisterschaft 2021 vor, die eigentlich schon heuer stattfinden sollte. Derzeit gilt der junge Burghaiger als heißester Kandidat auf die Goldmedaille, liegt er doch in der Junioren-Weltrangliste auf Platz 2 hinter einem ein Jahr älteren Ukrainer, der nächstes Jahr in den Herren-Bereich wechseln muss. "Dass unser Kulmbacher Talent somit hochmotiviert ist, dürfte verständlich sein", sagt Ständner.

Für Hummel und seine weiteren Kaderathleten Linus Liebenwald, Max Hübner, Leonie Liebenwald und Mia Güthlein fordert der renommierte Wurf-Trainer deshalb eine "Trainingserlaubnis auf dem Wurfgelände in Stadtsteinach sowie zu unseren Trainingszeiten in der Turnhalle in der Hans-Edelmann-Schule".

SpVgg Bayreuth: Der Manager ist sauer

Richtig sauer ist der Geschäftsführer des Fußball-Regionalligisten SpVgg Bayreuth. Für die neuerlichen Corona-Maßnahmen hat Marcel Rozgonyi (44) wenig Verständnis: "Das ganze Theater ist nicht mehr zu verstehen", sagt der 16-malige Bundesliga-Spieler des FC Energie Cottbus, der seit 2019 Sportlicher Leiter der SpVgg Bayreuth ist. Rozgonyi hält die erneuten Einschränkungen für "überzogen", werde doch nicht berücksichtig, "dass inzwischen zehn Mal so viel getestet wird und die Zahl der wirklich schwer Erkrankten sehr niedrig" sei. "Mit diesen Entscheidungen richtet man ganze Branchen hin."

Da die Bundesregierung den Amateursport vorerst bis Ende November verbietet, wird die SpVgg Bayreuth ihr vorerst letztes Heimspiel am Sonntag gegen den VfB Eichstätt bestreiten. Und das ohne Zuschauer, denn auch im Landkreis Bayreuth steht die Corona-Ampel inzwischen auf Dunkelrot. Ehe zumindest wieder 400 Zuschauer zugelassen werden können, müsste der Sieben-Tage-Inzidenzwert an sechs aufeinanderfolgenden Tagen einen Wert unter 100 aufweisen. Der Altstädter Hygienebeauftragte Rolf Schreiner hat mehr Verständnis als Rozgonyi: "Wir wollen und müssen als Verein unseren Beitrag für die Prävention der Pandemie leisten."

Marcel Rozgonyi versteht immerhin, dass es "Altersgruppen gibt, die besonderen Schutz brauchen". Doch müsse man den Leuten auch mehr Eigenverantwortung zutrauen.

Der SpVgg-Manager sieht nun den Bayerischen Fußball-Verband in der Pflicht: "Es gab eine klare Abmachung mit dem Präsidenten Rainer Koch, dass wir nur mit Zuschauern weiterspielen. Nun erwarte ich eine Lösung vom Dienstleister BFV."

Für die SpVgg Bayreuth bedeutet jedes Spiel ohne Zuschauer einen Verlust von etwa 35 000 Euro, rechnet Marcel Rozgonyi vor, die Einnahmen aus dem Speisen-Verkauf noch gar nicht eingerechnet. "Wir leben zum großen Teil von den Zuschauern im Stadion, von denen auch die Werbe- und Kommunikationsleistungen abhängen - im Gegensatz zur 1. und 2. Liga, wo das Fernsehen überträgt. " Doch der 44-jährige Manager fragt sich: "Warum stampft man den gesamten Amateursport ein? Ist denn der Profi resistent gegen Corona?"

Marcel Rozgonyi sorgt sich vor allem um die etwa 50 Angestellten der SpVgg Bayreuth: "Ich mus sehen, dass sie entlohnt werden." Kurzarbeit habe das Arbeitsamt der SpVgg abgelehnt, weil deren GmbH nicht gewinnorientiert sei, erklärt Rozgonyi, der auch vom Staat Hilfen erwartet.

Wie lange kann die SpVgg Bayreuth in der Corona-Krise wirtschaftlich noch durchhalten kann? Der Manager kann keinen Zeitpunkt nennen. "Wir haben natürlich einen Plan B und werden sicher nicht als erster Verein in der Regionalliga das Handtuch werfen. Aber ohne Zuschauer stoßen auch wir irgendwann an unsere Grenzen."