"Freude schöner Götterfunken" spielte der Musikverein Mainleus und dürfte damit nicht nur Bürgermeister Robert Bosch (CSU), Awo-Kreisvorsitzender MdL Inge Aures (SPD) und Landrat Klaus Peter Söllner (FW) aus dem Herzen gesprochen haben. Denn jetzt geht es los mit der Sanierung des Spinnstuben-Ensembles vor den Toren von Mainleus.

"100 Jahre Nutzung haben ihre Spuren an dem Gebäude hinterlassen", sagte Bürgermeister Bosch mit Blick auf den Zustand des Komplexes. Doch nun hole man die ganze Pracht durch die Sanierung in die Gegenwart zurück. "Immerhin handelt es sich um ein Denkmal, das der Nachwelt in gutem Zustand erhalten werden soll", so der Redner weiter.

Es geht laut Bosch aber nicht nur um eine Sanierung, sondern auch um ein großes Integrations-Projekt. Denn in der Gaststätte, die ebenfalls saniert und neu eröffnet werden soll, werden Menschen beschäftigt, die es aufgrund eines Handicaps sonst schwer auf dem Arbeitsmarkt haben. Betrieben wird die Gaststätte von der Mawo gGmbH, einer Gesellschaft des Marktes Mainleus und des Arbeiterwohlfahrt-Kreisverbands. Unterstützt werde die Beschäftigung dieser Menschen durch das Inklusionsamt Bayreuth.

Doch das sind nicht die einzigen, die das elf Millionen Euro teure Vorhaben unterstützen. Bosch erwähnte zahlreiche Förderer. Einen großen Beitrag leiste dabei der Freistaat Bayern. Zu dem Unterstützern zählen das Landesamt für Denkmalpflege, die Regierung von Oberfranken, die Bayerische Landesstiftung, die Oberfrankenstiftung.

Und natürlich dankte er seinem Vorgänger Altbürgermeister Dieter Adam (FW). Der habe seinerzeit den richtigen Riecher bewiesen und die Chance genutzt, das Anwesen für die Gemeinde zu erwerben. "Vor uns liegt noch ein langer Weg, aber am heutigen Tag machen wir einen großen Schritt. Und das wollen wir feiern", betonte Bosch. 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

Landrat Klaus Peter Söllner (FW) sprach von einem in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Projekt. "Es ist nicht nur eine riesige Baumaßnahme und ein umfangreiches Gelände, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde, ein Arbeiterschloss." Der Markt als Bauträger habe mit der Sanierung eine mutig, zielorientierte und weitsichtige Entscheidung getroffen. Die großartige Förderung habe der Gemeinde letztlich Recht gegeben.

Von einer "Herzensangelegenheit der Awo" sprach deren Kreisvorsitzende MdL Inge Aures (SPD). Viele Jahre habe die Arbeiterwohlfahrt an den Sanierungsplänen gearbeitet. "Das ist unser Baby. Aber laufen lernt es im Markt Mainleus", sagte sie. Für sie sei es eine Freude, den Grundstein für die Sanierung mit legen zu dürfen. Zugleich hob die Abgeordnete die Bedeutung als Integrationsprojekt hervor. Sie sprach die Hoffnung aus, dass das Ensemble bald wieder mit Leben erfüllt wird, denn: "Dieses Baudenkmal ist deutschlandweit einmalig."

CSU-Landtagsabgeordneter Martin Schöffel wies auf den Bedarf an Wohnraum in Mainleus und Umgebung hin.

In dem Ensemble entstehen 24 Mietswohnungen.

Die Einweihungsfeier verfolgten nicht nur die Offiziellen, sondern auch viele Anwohner und weitere interessierte Mainleuser. Die bekamen schon einmal einen Vorgeschmack, wie schön es in den Spinnstuben einmal sein wird. Denn der Biergarten der künftigen Gaststätte war schon bestuhlt, dort ließen sich die Besucher Bier und ein Essen im Schatten der großen, alten Bäume schmecken.

Das ist die Vorgeschichte

Fabrikant Fritz Hornschuch ließ in Nachbarschaft seiner Spinnereifabrik zwischen 1913 und 1940 eine Arbeitersiedlung errichten - neben Einfamilienhausreihen auch das Spinnstuben-Ensemble. Mit dem Niedergang der Textilfabrikation geriet die Pflege der Anlage mehr und mehr ins Hintertreffen.
Zuletzt waren Sozialwohnungen in dem Gebäude untergebracht. 2017 zogen die letzten Mieter aus. Seitdem stand der Komplex leer und war dem Verfall preisgegeben.

Seit Jahren wurde über die Zukunft des beeindruckenden Bauwerks vor den Toren von Mainleus spekuliert. Erstmals im Januar 2007 wurden Pläne bekannt, wonach das Ensemble für 2,5 Millionen Euro saniert werden soll. Doch die Überlegungen zerschlugen sich, nachdem sich ein knappes Jahr später der Investor von dem Projekt zurückzog.

Im Dezember 2012 kaufte der Markt Mainleus für 150 000 Euro die Anlage. Rund 11 000 Quadratmeter Grund gehören zu dem Ensemble. Geplant war, dass die Awo das Ensemble übernimmt und dann saniert.

Diese Planung änderte sich aber im Dezember 2016. Der Markt Mainleus übernahm das Projekt. Hintergrund: Für die Gemeinde gibt es rund 550 000 Euro mehr Zuschüsse als für die Awo. Die Kosten waren damals mit etwas über acht Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen liegen sie bei über elf Millionen.

Mit der Sanierung sollen 24 barrierefreie Wohneinheiten in unterschiedlichen Größen (Mehrgenerationenwohnanlage) entstehen, sieben davon rollstuhlgerecht. Vier Aufzüge sind vorgesehen. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen 35 und 85 Quadratmeter. Auch eine Sozialstation wird einziehen. Im Keller sollen ein museumsähnlicher "Raum der Geschichte" und ein Jugendtreff eingerichtet werden. Auch die Gastwirtschaft wird wiederbelebt.


Hohe Förderungen zugesagt

Kosten und Finanzierung: Über elf Millionen Euro sind für die Sanierung veranschlagt. Dank hoher Förderungen beläuft sich der Eigenanteil des Marktes auf derzeit 1,6 Millionen Euro. Einen Unsicherheitsfaktor gibt es allerdings noch: Aufgrund der guten Konjunktur und der damit einhergehenden hohen Auslastung der Baufirmen sind die Ausschreibungen eine "Zitterpartie".
Erste Ergebnisse lagen 40 Prozent über der Kostenberechnung. Nach der Aufhebung und einer erneuten Ausschreibung konnten die Arbeiten mit einer achtprozentigen Steigerung vergeben werden.

Bürgermeister Robert Bosch (CSU) hat bereits Nachfinanzierungsgespräche mit den Fördergebern angekündigt.