Es war eine Baustelle der Superlative: Das vermutlich tiefste Loch der Innenstadt, eine gewaltige Kostenexplosion von geschätzten 14 auf nun 20 Millionen Euro - und beinahe zwei Jahre lang das wohl meist diskutierte Thema in der Stadt: der neue Zentralparkplatz und die neue Tiefgarage, die gestern offiziell für fertig gestellt erklärt wurden - auch wenn noch Restarbeiten zu erledigen sind.
Immerhin, und das ist für die Kulmbacher von enormer Bedeutung, steht der Bierwoche in der Innenstadt nun nichts mehr im Wege.


Nach 40 Jahren marode

Neu sind Zentralparkplatz und Tiefgarage natürlich nicht. Ganz offiziell handelt es sich um eine Sanierung. Die alte Tiefgarage, fertiggestellt kurz vor der Bierwoche 1980, war marode geworden, musste großflächig abgestützt werden. Und auch der Parkplatz oben drüber war unansehnlich geworden.


Eine moderne Tiefgarage mit einem Durchstich zur Tiefgarage unter der Dr.-Stammberger-Halle sollte entstehen, darüber ein großzügiger Platz, attraktiv und einladend. So erläuterte das die Stadt Kulmbach ihren Bürgern in einer Informationsveranstaltung im Februar 2016.

Wenig später wurde es dann schon ernst: Die Tiefgarage wurde geschlossen. Auf dem Zentralparkplatz wurde das Bierfest gefeiert. Und man gab sich zuversichtlich, dass man das im Jahr darauf wieder tun würde.

Im August rollten die Bagger an, rissen die Decke der Tiefgarage auf, gruben sich in die Randbereiche. Die Arbeiten gingen zügig voran: Schon im Dezember wurde die Decke betoniert. Die Stadt Kulmbach wurde nicht müde, zu betonen, dass bis zur Bierwoche 2017 ein Provisorium fertig sei. Bauunternehmer Alois Dechant verkündigte vollmundig: "Der OB kann Pfingsten anstechen." Und der Oberbürgermeister gab sich zuversichtlich. "Einen Plan B gibt es nicht."


Unerwartete Verzögerungen

Aber wie das bei der Sanierung von Altbauten so ist: Es gab unerwartete Überraschungen und Verzögerungen, man war nicht mehr im Zeitplan - und die Kulmbacher Brauerei hatte einen Plan B. Das erste Fass der Bierwoche 2017 wurde auf dem Brauereigelände an der Lichtenfelser Straße angestochen. Noch heute sind die Stichworte "Bierwoche" und "Standort" Garanten für hitzige Diskussionen. Freilich war es nicht nur die Bierwoche, die die Kulmbacher heftig debattieren ließ. Das große Loch mitten in der Stadt war ein beliebter Anziehungspunkt für Passanten, die jeden einzelnen Bauabschnitt aufmerksam verfolgten. Ein "Tag der offenen Baustelle" im Dezember 2017 zog mehr als 500 Besucher an.

Ebenfalls beliebter Gesprächsstoff: die unvermeidlichen Straßensperrungen und Umleitungen - und der so genannte kleine Kreisel, der dann, wenn die Beschilderung angebracht ist, seine Bewährungsprobe bestehen muss.

Ein Politikum war die Kostenmehrung: Sechs Millionen Euro mehr als veranschlagt werden fällig. Ein dicker Batzen Geld, auch wenn die Stadt Kulmbach für das dann insgesamt 20 Millionen Mark teure Projekt mit beachtlicher staatlicher Förderung rechnen kann.


Die Bierwoche kann kommen

Ganz fertig ist der neue Platz noch nicht. Zwar steht die Baum-Arkade entlang der Grabenstraße, auf dem Parkplatz wurden bereits die Fahrbahnmarkierungen aufgebracht und der Verkehr rund um das Gelände rollt wieder. Restarbeiten müssen aber noch erledigt werden.

Dennoch: Die Bauherren können aufatmen Alles ist soweit fertig, so dass am 28. Juli die Bierwoche am gewohnten Standort eröffnet werden kann. Und das ist auch für unzählige Kulmbacher die wirklich beste Nachricht dieser Woche.