Die Postbauten am Ende der Alten Pressecker Straße in Stadtsteinach haben schon viele Menschen beherbergt: erholungsbedürftige Postbeamte, den Bundesgrenzschutz, auch kurz einmal Schüler. Seit etwa 50 Jahren sind sie im Besitz von Salem International und wurden unter anderem als Kurklinik genutzt.

Vor drei Jahren hat Samuel Müller die Aktivitäten von Salem reduziert und die beiden unteren Gebäude stillgelegt. Inzwischen ist der Stadtsteinacher Benno Dressel der neue Eigentümer. Das Restaurant ist nach wie vor geschlossen, die Zimmer im anschließenden Gebäudetrakt sind nicht belegt.

Immense Kosten

Im Erdgeschoss darunter ist im vergangenen Herbst eine Kinderkrippen-Gruppe eingezogen, die im bestehenden Kindergarten keinen Platz mehr fand. Mit der Zukunft des Kindergartens beschäftigt sich derzeit der Stadtrat. Entweder muss ein neuer gebaut oder das bestehende Gebäude renoviert und erweitert werden. Hierfür stehen Kosten über eine Million Euro im Raum.

Die Fraktion der Freien Wähler im Stadtrat hat allerdings nun die Idee geboren, den Kindergarten insgesamt in eines der Postbauten zu verlegen. Benno Dressel ist demgegenüber nicht abgeneigt und führte die FW-Vertreter Theresa Will, Nick Ehrhardt und Andy Sesselmann sowie Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD) durch die Gebäude.

Künftige Nutzung offen

Für ihn sei die künftige Nutzung noch offen, sagte Dressel bei dieser Gelegenheit. Für das Restaurant gebe es bereits Interessenten, ließ er durchblicken. Ob die Gästezimmer weiterhin als solche genutzt werden, also ein Hotel aufgemacht wird, das sei noch nicht klar. Allerdings könne er sich gut vorstellen, stattdessen das gesamte Gebäude hinter dem Restaurant als Kindergarten zur Verfügung zu stellen.

"Die kleinen Purzel in der Krippe erfreuen mich jeden Tag", sagt er.

Für einen Kindergarten schwierig wäre wohl das untere der beiden Gebäude: In den vier zusammengebauten Häusern befinden sich voll möblierte Einzel- und Doppelzimmer, jedes mit Dusche. Für Kindergruppen wären die verwinkelten Zimmer zu klein; man müsste Wände abreißen und die Duschen abbauen.

Möglicherweise wären dort betreute Wohngruppen für Menschen mit nicht körperlichen Einschränkungen besser untergebracht. Oder es könnten Mietwohnungen entstehen.

Kommt ein Hotel?

Im oberen der beiden Gebäude befinden sich zwar auch Gästezimmer. Die könnten aber je nach benötigter Raumgröße durch Entfernen der Zwischenwände dem Bedarf des Kindergartens angepasst werden. Dann wäre dort allerdings auch das Thema Hotel für Stadtsteinach vom Tisch, das Bürgermeister Wolfrum ebenfalls in seiner Wunschliste zur Stadterneuerung im Blick hat.

Wolfrum hielt es dennoch für sinnvoll, einen Architekten zu bitten, sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Raumanpassungen für einen Kindergarten zu machen. Das Ganze ist auch eine Kostenfrage. 840 000 Euro müssten in jedem Fall allein für die Renovierung des bestehenden Kindergartens investieren werden.

Und die ist nach 40 Jahren und täglicher Nutzung durch 100 Kinder notwendig. Bereits vor gut zwei Jahren hatte die Katholische Kirchenverwaltung als Eigentümer des Kita-Gebäudes auf mehrere sicherheitsrelevante Mängel hingewiesen. Zudem ist das Dach regelmäßig reparaturbedürftig; 2000 bis 3000 Euro müssen laut Kirchenpfleger Klaus Geier jährlich dafür aufgewendet werden.

Platzbedarf ein Problem

Mit der Renovierung ist jedoch noch nicht das Problem des weiteren Platzbedarfs gelöst. Nach einer Vereinbarung tragen katholische Kirche und Stadt die Kosten je zur Hälfte; an einem Neubau würde sich die Kirche allerdings nicht beteiligen, wie Bürgermeister Wolfrum aus Gesprächen mit der Diözese berichtete. Ob das auch genauso sein wird, wenn man den gesamten Kindergarten in ein anderes Gebäude verlagern würde, sei noch nicht besprochen worden. Auch wenn sich Benno Dressel als möglicher künftiger Vermieter des Kindergartens bereiterklärte, sich an den Umbaukosten zu beteiligen, wird der Löwenanteil zu Lasten von Kirche und Stadt gehen. Für kindgerechten Umbau und Einrichtung allein der Kinderkrippe im Erdgeschoss waren fast 200 000 Euro ausgegeben worden. Dabei musste an den Raumgrößen nichts geändert werden.