Während die meisten Menschen nachts gemütlich im warmen Bett liegen oder an Feiertagen Zeit mit der Familie verbringen, sind Uwe Dick und Michael Hain mit ihren Kollegen vom Städtischen Bauhof auf Achse. Sie befreien im Winter die Straßen von Eis und Schnee, damit alle, die unterwegs sein müssen, sicher ans Ziel kommen. Noch werden sie nicht mitten in der Nacht zum Einsatz gerufen, doch sie sind bereit. Sobald es glatt wird oder schneit, sind sie morgens ab 4 Uhr und oft noch spät nachts in den Räum- und Streufahrzeugen unterwegs.

Die Vorratslager sind voll

Die Dienst- und Einsatzpläne stehen, die Vorratslager sind gut gefüllt. Insgesamt sind im Bauhof sowie bei der Firma Schott 1350 Tonnen Auftausalz eingelagert oder per Servicevertrag geordert. Im vergangenen Winter hatten viele Kommunen Schwierigkeiten mit dem Nachschub, so Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD). "Die Stadt Kulmbach war glücklicherweise nicht betroffen und hatte bis zum Ende der langen Winterdienstsaison genug Auftausalz."

Das soll auch heuer so sein: Es sind 17 000 Liter Calciumchlorid für das Streuen von Feuchtsalz im Bauhof eingelagert und bereits 15 000 Liter Calciumlauge (Calciumchlorid mit Wasser) zur direkten Ausbringung vorgemischt. Weiterhin liegen rund 400 Tonnen Streusplitt für das Streuen der Gehwege, Plätze und Treppenanlagen bereit. 200 Streukästen im Stadtgebiet sind befüllt, die Schneeleitpfähle an den Nebenstrecken stehen.

13 Fahrzeuge hat die bauhofeigene Werkstatt für den Winterdienst umgerüstet - zehn zum Räumen und Streuen der Straßen, Wege und Plätze, drei kleine für die Gehsteige. Insgesamt 234 Straßenkilometer betreuen 16 Fahrer. Uwe Dick und Michael Hain sind in Wechselschicht in einem der drei Unimogs unterwegs, die besonders wichtige Bereiche wie beispielsweise den Krankenhausberg, den Weiherer Berg, den Rehberg sowie Schul- und Kindergartenwege und die Buslinien intensiv betreuen.

Im Handstreudienst sind 39 Mitarbeiter eingesetzt, um städtische Gehsteige, Bushaltestellen, Treppenanlagen, Fußgängerübergänge und öffentliche Flächen zu räumen und zu streuen. Eine Leistung, vor der er großen Respekt hat, sagt Michael Hain: "Das ist schwere Muskelarbeit. Oft muss da über Stunden nasser Schnee geschaufelt werden." Hinzu kommen Einsätze in den frühen Morgenstunden oder spät in der Nacht.

Schnee schippen müssen die Männer in den Räumfahrzeugen nicht. Sie kämpfen mit anderen Problemen. Zum einen müssen sie selbst sicher und hochkonzentriert fahren, um auf rutschigen Straßen ihre schweren Fahrzeuge unter Kontrolle zu halten. Zum anderen werden sie besonders in Wohngebieten immer wieder durch parkende Fahrzeuge behindert. "Manchmal kommen wir einfach nicht durch. Wenn es zu eng wird und wir parkende Autos beschädigen könnten, können wir nicht räumen und müssen vorsichtig rückwärts zurück", schildert Uwe Dick die Situation. "Es hilft uns sehr, wenn die Leute mitdenken und uns genug Platz lassen." Eine Durchfahrbreite von vier Metern sollte frei sein, da die Schneepflüge selbst bis zu 3,20 Meter breit sind. Auch die Wendehämmer dürfen nicht als Parkfläche genutzt werden. Sie werden zum Rangieren gebraucht.

Dem Räumdienst die Vorfahrt lassen

Gefährliche Situationen, die vermeidbar wären, gibt es im Winterdienst häufig, weiß Uwe Dick, der schon seit über 30 Jahren im Dienst der Stadt räumt und streut. "Mancher glaubt, schnell noch vor uns in eine Straße einbiegen zu müssen und zwingt uns zu Bremsmanövern, die kritisch werden können. Wir würden uns freuen, wenn man uns die Vorfahrt lassen würde, gerade an unübersichtlichen Stellen und steilen Bergstrecken."

Mit den großen Räumfahrzeugen unterwegs zu sein, das macht den erfahrenen Winterdienstlern auch Spaß. "Aber wir haben auch großen Respekt vor den Maschinen", sagt Michael Hain.

Wohin mit den Schneemassen?

Bleibt noch das oft leidige Thema: Wohin mit dem Schnee, wenn Massen davon vom Himmel fallen? "Es kann passieren, dass der beiseite geräumte Schnee Zufahrten zu Grundstücken behindert oder auf die geräumten Gehsteige fliegt. Das ist leider nicht immer zu vermeiden. Wir machen das nicht mit Absicht." Umgekehrt bitten Hain und Dick die Bürger, den Schnee von den Gehsteigen nicht auf die Straße zu werfen, sondern platzsparend am Rand zu deponieren. "Wenn wir alle Rücksicht nehmen, hilft das allen."

Bauhofleiter Michael Barnickel appelliert an die Bürger, die ihnen übertragenen Räum- und Streupflichten zu erfüllen. Dieses Jahr neu ist die Regelung, dass derjenige Anwohner bei dem der Gehweg direkt anliegt, alleine für die Verkehrssicherung verantwortlich ist. Eine Entscheidung des Stadtrats, die viele Bürger ärgert, vorerst aber so gilt.

Nicht nur die Stadt Kulmbach hat sich gründlich auf Eis und Schnee vorbereitet. Der Kreisbauhof hat 2500 Tonnen Salz bevorratet, davon 700 in Leuchau, 1800 in Kulmbach. Sieben Fahrzeuge sind aufgerüstet, 24 Mitarbeiter werden im Schichtdienst eingesetzt. Verantwortlich ist der Kreisbauhof für 194 Kilometer Kreisstraßen.

Für die Bundes- und Staatsstraßen sowie die Kreisstraßen in den Landkreisen Bayreuth und Wunsiedel ist das Staatliche Bauamt Bayreuth zuständig. Auch dort hat man Vorräte gebunkert. 11 500 Tonnen Salz in den Straßenmeistereien und 16 000 Tonnen im Zentrallager. 55 Winterdienstfahrzeuge sind mit Pflug und Streuer ausgerüstet. 130 Mitarbeiter betreuen rund 400 Kilometer Bundesstraßen, 730 Kilometer Staatsstraßen sowie 410 Kilometer Kreisstraßen.