Vor der Halle hatte er sich zunächst Zeit für Protestierende genommen, die vor einer Verspargelung der Landschaft durch mehr als 200 Meter hohe Windräder warnten. "Sie hören uns wenigstens zu", lobte eine Frau Horst Seehofer, der drinnen später auch seine Parteifreunde zum Zuhören aufrief.

Zunehmende Höhe als Problem

Nahezu pünktlich zum Beginn des Parteitags ist er in Kulmbach. Und während drinnen die Grußworte beginnen, diskutiert der Ministerpräsident draußen in aller Ruhe mit den Demonstranten. Als er in Begleitung von OB Henry Schramm und den Abgeordneten von Lerchenfeld und Schöffel die Halle betritt, ist so viel Zeit vergangenen, dass Schramm schon zur Eile gedrängt wird, weil sein Redebeitrag auf der Tagesordnung steht.

Natürlich sei es ein Problem, dass die "Windtürme immer höher werden", sagt Seehofer später. Momentan seien sie 200 Meter hoch, in absehbarer Zeit sollen es schon 240 Meter sein, wie die Hersteller ankündigten. "Wir müssen darauf achten, dass kein Dorf von Windparks umzingelt wird - und wir müssen in den Dialog eintreten, welchen Abstand wir vorsehen bei Windrädern dieser Größenordnung", betonte der Ministerpräsident.

Anderer Politikstil

Seehofer ist sich sicher, dass seine CSU nur mit einem anderen Politikstil erfolgreich sein kann. Draußen habe ihm einer zugeflüstert, es sei wohl ein Fehler gewesen diese Problematik mit der Energiewende zu thematisieren. "Glaubt jemand, dass wir durch Totschweigen Problem lösen können?", fragt er daher drinnen - und gibt gleich selbst die Antwort: Besser sei es, ehrlich zu reden und zu diskutieren - und wenn man entschieden habe, das dann auch zu vertreten.

"Nur weil ein Bürger kritisch ist, ist er nicht unser Gegner", hielt Seehofer fest "Wir müssen Lösungen suchen - und verliebt sein ins Gelingen", gibt er als Losung für den Wahlkampf aus, der bis Mitte September dauern wird, wenn zunächst der Landtag und eine Woche später der Bundestag gewählt wird.

Die Schönheit der Natur und der Landschaft sei der wichtigste Identifikationsfaktor der Menschen mit Bayern. "Wir wären ganz schlecht beraten, wenn wir die Landschaft beschädigen oder zerstören würden". Die Umsetzung der Energiewende werde allerdings nur mit erneuerbaren Energien und nur mit den Menschen vor Ort gelingen, betonte er.

Rund eine Stunde lang spricht Seehofer vor den Delegierten - und streift dabei Themen wie die Hochwasserkatastrophe ("Es war absolut richtig, dass Bundeskanzlerin, Bundespräsident und bayerischer Ministerpräsident sich vor Ort begeben haben - das ist unsere Auffassung von verantwortlichem Umgang mit der Bevölkerung"), der Finanzsituation im Freistaat ("Wir wollen unserer jungen Generation keine Schulden hinterlassen, sondern Chancen") und die Europapolitik ("Wir sind die Partei Europas - aber wir wollen nicht, dass Europa uns mit zusätzlichen Aufgaben und mehr Bürokratie überzieht").

Lob für Henry Schramm

Ein Lob zollt Seehofer dem Hausherrn, Oberbürgermeister Henry Schramm. Er habe mit mehr als 60 Prozent der Stimmen die Wahl im vergangenen Jahr gewonnen - und sei "eine ganz starke Stütze in der Kommunalpolitik". Schramm wende sich nicht oft mit einer Bitte an ihn - "aber wenn er es tut, dann weiß ich, wird´s teuer", hielt Seehofer fest.

Als "besten OB in meinem Wahlkreis" bezeichnete Bundestagskandidatin Emmi Zeulner Schramm sogar, als sie sich für die Wahl zum Bezirksvorstand vorstellte. Eine herzliche Umarmung gab´s obendrein.

Schramm hielt zunächst fest, dass die bayerische Politik erfolgreich sei - und selbst den Schwächsten gehe es ganz gut. Als großes Problem - selbst für Kommunen wie Kulmbach, in denen es der Wirtschaft gut gehe - benannte er aber die enormen Kosten, die Städte und Gemeinden für die Kinderbetreuung aufwenden müssen. In seiner Stadt seien die Ausgaben dafür von 2,7 Millionen Euro auf inzwischen 5,1 Millionen Euro gewachsen.

Friedrich bleibt Vorsitzender

Im Mittelpunkt des Bezirksparteitags standen auch Neuwahlen, die problemlos über die Bühne gingen. Dabei wurde Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im Amt des Bezirksvorsitzenden nahezu einstimmig bestätigt.
Die Regionen profitierten von den Metropolen, hielt er fest. "Manchmal geht uns die Arroganz der Metropolen aber auch ganz schön auf den Wecker", fügte er mit Blick auf München und dessen OB - Gegenkandidat von Horst Seehofer um das Amt des Ministerpräsidenten - hinzu.

Parteitage sind immer auch Gelegenheiten zu Gesprächen - vorzugsweise mit Horst Seehofer. Zahlreiche oberfränkische Delegierte nutzten die Gelegenheit, ehe der Ministerpräsident die Halle verließ - und draußen erst noch für ein Interview mit den Kollegen von TV Oberfranken zur Verfügung stand.