Amputation oder nicht? "Die Frage hat mich über Monate gequält", sagt Sandra Kienzle, die die Folgen eines Mittelfußbruches im August 2020 vor diese schwere Entscheidung gestellt haben.

Über ihr Schicksal haben wir im Rahmen einer Spendenaktion von "Franken helfen Franken" berichtet. Aufgrund einer Vorerkrankung war es zu Komplikationen gekommen. Weil die 37-Jährige unter einem sogenannten Komplexen Regionalen Schmerzsyndrom leidet, sind neurologische Funktionsstörungen eingetreten. Der rechte Fuß war letztlich versteift und deformiert - ein normales Leben konnte die vierfache Mutter nicht mehr führen. Die Treppen zur Wohnung der Familie im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in der Innenstadt hat die Kulmbacherin nur noch mit größten Mühen auf allen Vieren bewältigt.

Beim Fußball umgeknickt

20 Monate nach dem Unfall - sie war beim Fußballspiel mit den Kindern umgeknickt - ist der Fuß ab. Sandra Kienzle hat sich letztlich zu der Operation, die sie gefürchtet hat, durchgerungen, die Amputation in der Klinik in Rummelsberg durchführen lassen. "Es war die richtige Entscheidung", sagt die 37-Jährige und führt an: "Ich kann mit der Prothese wieder ein mehr oder weniger normales Leben mit den Kindern führen."

Aller Anfang ist schwer

Doch aller Anfang ist schwer - auch das neue Leben mit der Prothese. Sie trete mit dem künstlichen Bein ins Nichts, müsse erst lernen, damit zu laufen, sagt Sandra Kienzle, die zur Krankengymnastik, aber auch ins Fitnessstudio geht. Mit Krücken hat sie die ersten Meter in der Innenstadt zurückgelegt und erfahren, dass mit der Prothese einiges wieder machbar ist. Auf dem Spielplatz am Schwedensteg wechselt sie sich mit Sohn Mats (5) auf dem Trampolin ab. Die 37-Jährige absolviert leichte Hüpfübungen. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas schon wenige Tage nach der OP möglich ist."

Wieder selbst Auto fahren

Noch lässt sie sich nach Rummelsberg fahren, wenn die Prothese angepasst werden muss. Schon in wenigen Tagen wird Sandra Kienzle die über 100 Kilometer nach Mittelfranken aber am Steuer ihres eigenen Wagens zurücklegen. Die 37-Jährige hat sich einen VW Touran gekauft und diesen behindertengerecht umbauen lassen.

Viele Spenden

Es war eine teure Anschaffung, die ihr auch durch die Spendenaktion "Franken helfen Franken" ermöglicht wurde, bei der die stolze Summe von 12.000 Euro zusammengekommen ist. Weitere 2000 Euro hat der Kulmbacher Stammtisch "Die Vögel" beigesteuert, 1900 Euro eine Privatperson, die anonym bleiben will. "Ich bin von der Hilfsbereitschaft überwältigt und danke allen, die sich so spendabel gezeigt haben."

Wieder Fahrstunden

Sandra Kienzle steht nach der Amputation vor vielen neuen Herausforderungen. Sie muss nicht nur lernen, wie man mit künstlichen Gliedmaßen läuft. 20 Jahre nach ihrer Führerscheinprüfung musste sie erneut Fahrstunden nehmen, um das umgebaute Auto lenken zu dürfen. "Es ist ungewohnt, ich habe aber auch die zweite Fahrschulprüfung in meinem Leben bestanden."

Nicht nur Sandra Kienzle ist glücklich, auch Sohn Mats, der mit der Mama wieder spielen kann. Und die älteren Kinder Yannick (17), Yanina (15) und Yoanna (14), die sich riesig darüber freuen, dass ihre Mutter wieder mit Freude am Familienleben teilnimmt.

Wieder eine Hilfe im Haushalt

Sandra Kienzle selbst ist froh und erleichtert, dass sie ihre drei "Großen", die ihr in den vergangenen eineinhalb Jahren viel Arbeit abgenommen haben, wieder mehr im Haushalt unterstützen kann. Staubsaugen war wie das Kochen in der Küche ("Ich konnte nicht am Herd stehen") vor der Amputation nicht möglich. "Jetzt schaffe ich das wieder", sagt die 37-Jährige, die lange Zeit gelitten, nach der 29. Operation innerhalb von nicht einmal zwei Jahren mit der Prothese nun aber wieder Lebensqualität gewonnen hat.