Der Feulersdorfer Gemüsebaubetrieb versinkt in einem kunterbunten Blütenmeer. Überall summt und krabbelt es. Wildbienen schwirren um den blaublühenden Natternkopf, die Gelbe Resede oder die pinke Büschelnelke. Distelfinken picken die Samen aus Kornblumen und Karden. "Auf der Natursteinmauer sonnen sich Eidechsen und in den Hecken haben wir Rebhühner und Fasane beobachtet", berichtet Fritz Boss, einer der beiden Geschäftsführer der Scherzer & Boss Fruchtgemüse GmbH.

Im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme hatte sich der Betrieb verpflichtet, den Bau der Gewächshäuser naturschutzrechtlich zu kompensieren. Daher legten im Frühjahr 2019 die Naturgartenplaner Reinhard Witt und Katrin Kaltofen gemeinsam mit ihren Praktikanten auf insgesamt acht Hektar Fläche Lebensräume für Wildtiere und -pflanzen an. Etwa die Hälfte der Flächen befindet sich in direkter Nähe zum Betrieb oder auf dem Firmengelände. Zwei Hektar Blühwiesen wurden außerhalb des Betriebs in der Nähe der Wanderwege angelegt. Auf weiteren zwei Hektar sollen in den nächsten Jahren ebenfalls Blühwiesen entstehen.

Kosten liegen bei 150 000 Euro

Rund 150 000 Euro kosten die aufwendigen Naturschutzmaßnahmen. Die Wildpflanzen wurden alle passend zum Magerstandort ausgewählt und brauchen daher Zeit, sich zu entwickeln. Der vergangene Sommer war trocken, daher zeigten sich kaum Sprösslinge. Doch mit dem Regen in diesem Frühjahr entfalteten die Pflanzenmischungen ihre Blütenpracht und verwandelten den Außenbereich der Gewächshäuser in eine Oase der Artenvielfalt. "Wir freuen uns, dass die Maßnahme so gut greift", bestätigt Fritz Boss.

Als Gartenbaumeister kennt er sich zwar im Gemüsebau aus, doch was Wildpflanzen angeht, darf er nun einiges dazu lernen. Er zeigt auf die Felsen und Sandbänke im Außenbereich neben der Straße: "Hier graben sich bestimmte Wildbienenarten ein", erklärt er. Naturgartenplaner Witt und seine Mitarbeiter dokumentieren regelmäßig die Tier- und Pflanzenarten, das Scherzer & Boss-Personal kümmert sich um die Pflege der Flächen. Um die Blühanlagen zu erhalten, müssen sie regelmäßig gemäht werden, dieses Jahr zweimal, dann nur noch einmal. "Das Mahdgut müssen wir abnehmen, damit der Boden nicht zu nährstoffreich wird", erklärt Boss. Im Großen und Ganzen seien die Flächen aber sehr pflegeleicht.

15 Hektar Kulturfläche

Seit diesem Januar ist auch das zweite Gewächshaus in Betrieb. Das Unternehmen verfügt nun über 150 000 Quadratmeter Kulturfläche in Feulersdorf. "Alles ist nach Plan gelaufen, wir sind zufrieden", sagt Boss. Auch die Wasserrechnung gestalte sich bisher einwandfrei. Der Betrieb verbrauche maximal fünf Prozent Brunnenwasser, das restliche Wasser stammt aus den großen Regenauffangbecken auf dem Firmengelände.

Die mittlerweile rund 100 Mitarbeiter des Betriebs genießen die Atmosphäre an den idyllischen Pausenplätzen. Boss zufolge sind die Ruheorte intuitiv entstanden: "Man muss sehen, wo es die Menschen hinzieht, wo sie sich gerne aufhalten, welche Gehwege sie gerne nutzen."

Die Wohnhäuser auf dem Betriebsgelände sind in geräumige Zweierapartments aufgeteilt. Zur Ausstattung im Außenbereich gehören nun auch ein Bolzplatz und eine Grillecke. Angesichts der Coronakrise betont Boss: "Wir sind froh um die Regionalität und, dass wir als Lebensmittelerzeuger systemrelevant sind."