Eigentlich hatte die Prokon-Unternehmensgruppe am Dienstagabend nur eine nüchterne Informationsveranstaltung zur Entstehung von Bürgerwindanlagen in der Marktgemeinde Wonsees geplant, doch am Ende musste sich Geschäftsführer Ralf Dohmann mit seinen Mitarbeitern Ivo Wüst (Regionalleiter) und Konstantin Kosin (Projektleiter) kritischen Fragen stellen, die überwiegend auf das Geschäftsgebahren von Prokon abzielten. Kritik wurde aber auch über die Informationspolitik zur Fortschreibung des Regionalplanes laut - sowohl an die Adresse der Marktgemeinde Wonsees als auch an das zuständige Ministerium der Staatsregierung gerichtet.
Die Gaststube der Familie Ganzleben war brechend voll und das Interesse so groß, dass manche nur noch einen Stehplatz bekamen. Die Planung von Prokon geht von 16 Windenergieanlagen in der Marktgemeinde Wonsees aus, und zwar im Bereich von Feulersdorf, Schirradorf und Zedersitz, links und rechts der A 70. Zu den Ortschaften wird ein Abstand von mindestens 1000 Metern eingehalten. Die Gesamthöhe einer Anlage beträgt mindestens 196 Meter. Umgesetzt werden soll das Projekt in den Jahren 2013 und 2014.
Die Unternehmensgruppe Prokon hat bereits 266 Windenergieanlagen in 38 Windparks realisiert, wie Geschäftsführer Ralf Dohmann erläuterte. "Mit einem realisierten Investitionsvolumen von rund 734 Millionen Euro im Bereich Windenergie zählen wir hierzulande zu den größten und erfolgreichsten Windparkbetreibern", so Dohmann. Das Unternehmen hat 1000 Mitarbeiter, davon allein im Windbereich 291. Die Geschäftsfelder erstrecken sich nicht nur auf Windkraft, sondern auch auf Biodiesel und Biomasse.
Geschäftsführer Ralf Dohmann erwähnte auch das Geschäftsfeld "Kapitalanlage". Die Finanzierung erfolge durch Genussrechte, und es komme zu keinem Verkauf des Windparks an ausländische Kapitalgesellschaften.
Derzeit geht das Unternehmen von drei Bürgerwindanlagen in Wonsees aus. Geschäftsführer Dohmann: "Die Anlagen werden mitprojektiert und gebaut, es erfolgt aber eine Ausgliederung der Bürgerwindanlage in eine eigene Gesellschaftform, also Genossenschaft oder GmbH & Co. KG." Die Entwicklung der Bürgeranlagen erfolge schlüsselfertig und nach einem Pooling-Prinzip, das heißt, alle Kosten werden für den ganzen Park ermittelt und auf die Bürgerwindanlagen umgelegt. So komme es zu keiner Ungleichbehandlung bei Kosten und Erträgen.
Die Renditeerwartung einer Windkraftanlage bezifferte Dohmann in den ersten 15 Be-triebsjahren mit 5 bis 9 Prozent. Vom 16. bis zum 20. Betriebsjahr schnelle sie auf 15 bis 30 Prozent hoch. Deutlich wurde aber auch, dass ein Bürgerwindpark in Eigenregie nicht nur Chancen, sondern auch Risiken in sich birgt.
In der anschließenden Diskussion wollte Alexander Hartmann wissen, ob ein Netzanschluss derzeit schon sicher gestellt ist. Dazu erklärte Dohmann, dass es im jetzigen Stadium noch keinen Sinn mache, an die Eon heranzutreten: "Die Energieversorger sind aber zum Ausbau ihres Netzes verpflichtet." Das Vorgehen hielt Horst Zahner für einmalig: "Sie projektieren und haben noch keine Genehmigung für einen Netzanschluss." Dohmann hielt entgegen: "Wir sind keine Amokläufer, die einfach bauen!"
Schließlich sprach Alexander Hartmann noch die Warnhinweise im Internet zum Geschäftsgebahren der Unternehmensgruppe Prokon an. Geschäftsführer Ralf Dohmann dazu: "Hier fehlt es an einer ernsthaften, seriösen und damit zeitaufwendigen Recherche. Das ist einfach nur ein Armutszeugnis für die heutige Medienlandschaft. In der mittlerweile über 16-jährigen Prokon-Geschichte hat kein einziger Anlieger Geld verloren. Hier wird sehr viel Schaum geschlagen."
Die Informationspolitik der Gemeinde verteidigte Bürgermeister Günther Pfändner (CSU). Die Teilfortschreibung des Regionalplanes Oberfranken-Ost mit dem Ziel "Windenergie" habe vier Wochen im Rathaus ausgelegen. "Ich habe mich schon gewundert, aber es ist in der ganzen Zeit keine einzige negative Stellungnahme aus der Bürgerschaft gekommen. Wenn wir Einwände bekommen hätten, dann hätten wir uns doch im Gemeinderat ganz andere Gedanken gemacht."