In die aktuelle Diskussion über die Erschließung des Kulmbacher Wahrzeichens melden sich nun die "Freunde der Plassenburg" zu Wort. In einer Pressemitteilung äußert sich Vorsitzender Peter Weith:

"Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Plassenburg und damit auch die mögliche Verkehrserschließung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind. Besonders begrüßen wir es, dass die Frage des besseren Zugangs für Individualreisende zum Kulmbacher Wahrzeichen nicht mehr nur auf eine Seil- oder Gondelbahn beschränkt ist. In den letzten Wochen drängte sich ja der Eindruck auf, es gehe ausschließlich um ein ja oder nein zu einer Seilbahnlösung. Dem ist aber nicht so."

Weiter schreibt Weith: "Eine solche technische Anbindung der Plassenburg an die Stadt Kulmbach wäre ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal in der Fränkischen Burgen- und Städtelandschaft und würde den Besuchern ein überwältigendes Erlebnis über der Bierstadt bieten. Noch dazu hätten es gehandicapte Besucher damit einfacher, die Burg zu erreichen. Doch man sollte sich in der Debatte auch anderen möglichen Lösungen nicht verschließen."

Es gehe nicht nur um die Frage, ob eine Seilbahn die Burg erreichbarer machen solle, sondern eigentlich um eine Vielzahl von möglichen Varianten mit denen die Burg und die Stadt enger aneinandergebunden werden könnten. Es dürfe aber nicht ins Blaue hinein diskutiert und ohne fundierte Basis die eine oder andere Verkehrserschließung bereits jetzt abgelehnt werden.

Genaue Untersuchungen

Bekanntermaßen seien ja vom Eigentümer der Plassenburg, dem Bayerischen Staatsministerium für Finanzen und Heimat, aufs genaueste untersucht worden, welche Möglichkeiten zur besseren Verkehrserschließung der Plassenburg sich anböten und umgesetzt werden könnten. Nun sei diese Untersuchung offensichtlich abgeschlossen und die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, voran deren Präsident Bernd Schreiber, möchten im Vorfeld einer öffentlichen Diskussion mit eventuell betroffen Anwohnern den persönlichen Dialog suchen.

Weith: "Es mutet schon seltsam an, dass gerade dieses Vorgehen jetzt verurteilt wird: Haben nicht nahezu sämtliche Bauvorhaben in der Region in den letzten Jahren ihr Konfliktpotenzial hauptsächlich darin begründet, dass die Betroffenen oft erst aus den Medien von den Maßnahmen erfahren haben. Nun agiert eine staatliche Behörde mit viel Fingerspitzengefühl anders und es passt wieder nicht!"

Interessant sei es aber auch, wie viele sich nun zu Wort meldeten (teilweise arte es ja schon in Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen aus), ohne dass konkrete Details öffentlich bekannt seien. Man könnte meinen, hier werde ein kompletter Urwald gerodet und eine Autobahn solle zur Plassenburg gebaut werden.

"Wir bitten alle Beteiligten (und die, die sich bemüßigt fühlen, schon jetzt Stimmung gegen eine mögliche, seit Jahrzehnten geforderten Maßnahme zu machen) einen Gang herunterzuschalten und erst einmal der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen die Chance zu geben, ihre Vorstellungen zu erläutern. Noch einmal: Es darf aber nicht ins Blaue hinein diskutiert und ohne fundierte Basis die eine oder andere Verkehrserschließung bereits jetzt abgelehnt werden."

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Was aber bereits jetzt debattiert und beschlossen werden kann, ist eine mit der Plassenburg verbundene, grundlegende Frage: Soll erst die Henne oder das Ei kommen - oder wollen wir beides zur gleichen Zeit? Das heißt, soll erst die Verkehrserschließung her oder eine Erneuerung der Museen - oder soll beides in einem gemeinsamen Kraftakt zugleich erfolgen?"

Dissens mit dem OB

Die Freunde der Plassenburg gingen hier ausdrücklich nicht mit der jüngst veröffentlichten Haltung von Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) konform, der bereits mehrfach in den Medien zitiert worden sei, er sehe die Verkehrserschließung lediglich als zweiten Schritt nach einer zuvor erfolgten Attraktivierung der Burg und ihrer Museen. Die Debatte, ob erst die Museen neugestaltet werden müssten oder die Verkehrserschließung zuerst kommen solle, sei seit Jahrzehnten ein kulturpolitischer Streitpunkt - und das habe zu keiner Verbesserung geführt - im Gegenteil!

Zwar seien in den frühen 2000er Jahren das Museum "Die Hohenzollern in Franken" und "Armeemuseum Friedrich der Große" nach modernen Gesichtspunkten und mit enormen finanziellen Aufwand neu geschaffen worden, dennoch sei dieser sehr umfangreichen musealen Aufwertung keine Verbesserung der Verkehrssituation gefolgt.

"Die Freunde der Plassenburg hatten die Modernisierung des Hohenzollernmuseums und Exponate für alle Museen mit mehr als 200 000 Euro mitfinanziert. Eine gewisse Enttäuschung, dass dann keine verbesserte Verkehrserschließung folgte, kann den Freunden der Plassenburg wohl niemand verübeln. Doch der Verein will nach vorne blicken." Das eine tun - und das andere nicht lassen sei angesagt! Die Freunde der Plassenburg wünschten eine gleichzeitige Planung und Umsetzung von Lösungen zu den beiden Kernproblemen der Attraktivierung und der Verkehrserschließung der Burg. Weith: "Wir freuen uns, dass der Oberbürgermeister erkannt hat, dass auch das Gesamtkonzept der Plassenburg überarbeitet werden sollte. Er möge bedenken, dass die Stadt Kulmbach in Zusammenarbeit mit dem Landkreis hier vor allem im Bereich der beiden Stiftungsmuseen gefordert ist. Eine Aufwertung und teilweise Neustrukturierung der Museen muss unserer Meinung nach aber zeitlich parallel zu einer besseren Verkehrserschließung erfolgen. Es darf nicht wieder dazu kommen, dass die Plassenburg im musealen Bereich aufgebessert wird und die Verantwortlichen erst danach wieder zaghaft beginnen zu überlegen, wie man die Gäste besser als bisher den Burgberg hinauf bekommt."

Abschließend heißt es: "Gerne bieten die Freunde der Plassenburg an, diesen Prozess der Attraktivierung der Museen der Stiftung Landschaftsmuseum Obermain und Deutsches Zinnfigurenmuseum mit dem eigenen Know-how zur Plassenburg, ihrer Manpower und den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln zu unterstützen. Allerdings müssen auch andere ihre Hausaufgaben machen: Die Freunde der Plassenburg fordern von Stadt und Landkreis Kulmbach, nach vielen Jahren endlich die in der Stiftungssatzung vorgesehene Stelle einer Museumsleitung wieder zu besetzen.

Unterstützung zugesagt

Ganz konkret regen wir für all diese Fragen einen Burg-Gipfel an, bei dem sich alle Entscheidungsträger und betroffenen Institutionen zum Thema Plassenburg auf der Plassenburg treffen sollen, um für die Zukunft der Kulmbacher Wahrzeichens Lösungen zu finden. Gerne wird der Verein die Stadt, den Landkreis und die Bayerischen Schlösserverwaltung zu einer gemeinsamen Tagung laden, die die Initialzündung für eine neue Zeit auf der Plassenburg sein soll. Dies haben wir jüngst auch schon den entsprechenden Stellen signalisiert!"