Der Tourismus boomt im Frankenwald. Nicht erst seit Corona verbringen immer mehr Menschen ihren Urlaub in der "grünen Krone Bayerns" - wie die Gegend genannt wird. Eine der ambitionierten Fremdenverkehrsgemeinden dieser Region ist Stadtsteinach. Sie hat - gemessen an ihrer Größe - eine sehr gute Infrastruktur mit entsprechenden Freizeiteinrichtungen aufzuweisen. In einer Hinsicht allerdings mangelt es: Die ehemalige Kreisstadt verfügt über kein Hotel. Das wird sich ab Ostern ändern. Dann öffnet das Landhotel "Lindenhof" seine Pforten.

Das Haus gehörte zum ehemaligen Komplex von Salem International, ehe es der Deckenreuther Benno Dressel vor wenigen Monaten erwarb. Der rührige Unternehmer erweckt nun das seit drei Jahren geschlossene Haus aus seinem Dornröschenschlaf: Er verpachtet die Liegenschaft an das Ehepaar Heike und Max Zuber. Beide sind mit der Gastro-Branche vertraut: Max (54) ist gelernter Koch, seine Frau (52) Hauswirtschaftsmeisterin. Das Paar lebt derzeit noch in Oppenheim, zieht aber demnächst nach "Stanich" .

Eigentümer gibt Pächtern sofort grünes Licht: "Chemie hat gestimmt"

Land und Leute sind Max Zuber nicht fremd: In den 70er und 80er Jahren lebte er hier schon einmal - bei der ehemaligen Bruderschaft Salem. Aus der Zeit haben sich noch einige Kontakte erhalten: So zum Arzt Matthias Olszewski, der Maximilian Zuber auf die Offerte Benno Dressels aufmerksam machte. Der wollte das Hotel und die ehemalige Gastwirtschaft verpachten - aber nur in einem unteilbaren Paket. "Die Wirtschaft hätte ich schon öfters vermarkten können, es gab genug Anfragen. Für mich aber war klar, dass ich sie als eine untrennbare Einheit sehe mit dem Hotel."

Als sich die Zubers beim Eigentümer bewarben, gab der grünes Licht: "Die Chemie hat sofort gestimmt." Die Interessenten hätten genau seinen Vorstellungen entsprochen, meinte der Unternehmer in Bezug auf die Pläne der neuen Betreiber. Die möchten nicht nur die 17 Zimmer des Hotels belegen, sondern haben bereits ein gastronomisches Konzept für das Restaurant.

Gutbürgerlich und mit regionalen Angeboten soll die Speisekarte aussehen, dazu gibt es vegetarische Kost. Zudem sind Themenwochen vorgesehen mit speziellen Schmankerln wie etwa Wild. Ausgeschenkt werden nicht nur heimische Biersorten, sondern auch gute Tropfen einer reichhaltigen Weinkarte. "Abgehoben soll es jedenfalls nicht sein", lässt Max Zuber durchblicken. Generell wolle man sich betont familienfreundlich aufstellen.

Paar hat neues Nutzungskonzept für "Lindenhof": Aktionen an Feiertagen

Das Paar möchte das Haus allerdings nicht nur den eigenen Gästen öffnen, sondern auch für die breite Bevölkerung aus der Stadt und deren Umgebung. Damit aktiviert man ein neues Nutzungskonzept: Der alte "Lindenhof" hatte unter der hiesigen Bevölkerung aufgrund seiner speziellen Ausrichtung nur eine kleine Schar von Fans. Das soll sich künftig grundlegend ändern, und die Zubers haben dafür bereits viele Ideen. So sind sie offen für eine enge Zusammenarbeit mit Verbänden und Organisationen. Man könne sich viele Möglichkeiten vorstellen, so Heike Zuber. So zum Beispiel mit Aktionen in der Weihnachtszeit oder auch Ostern.

Buch Wanderführer Franken: Das Wanderbuch Franken bei Amazon ansehen

Auch Vereine können im neuen Landhotel "Lindenhof" eine neue Heimstatt finden. Denn im Untergeschoss steht ihnen mit dem sogenannten Fuchsbau eine eigene Räumlichkeit zur Verfügung. Und natürlich sind auch private Feste oder Firmen-Feiern möglich. Auch Freiluft-Fans sollen auf ihre Kosten kommen: Die Terrasse bietet einen sehr schönen Ausblick.

Zwar noch nicht beschlossen, aber durchaus im Bereich des Möglichen wäre zudem ein Biergarten direkt unterhalb der Gebäude. Dort führt allerdings die künftige Ortsumgehung vorbei. Ein Problem für die Wirts-Familie? Max Zuber schüttelt den Kopf: "Die Straße ist abgesenkt. Die sieht man doch gar nicht", sagt er. Und durch die Lärmschutzeinrichtungen dürften sich auch keine großen akustischen Probleme ergeben.

Bürgermeister freut sich: "Best-of-Lösung für Stadtsteinach"

Dies beurteilt Bürgermeister Roland Wolfrum ähnlich. Er freut sich nicht nur über die vier neuen Stadtbewohner - Max Zubers Eltern ziehen mit um -, sondern über eine Bereicherung des gastronomischen und touristischen Angebots. "Das ist eine Best-of-Lösung für Stadtsteinach. Es passt einfach."

Der Bürgermeister verweist darauf, dass er schon im Vorfeld der Verpachtung im ständigen Austausch mit Benno Dressel stand. Daraus sei eine gute Zusammenarbeit erwachsen, die fortgesetzt werden soll. Begrüßt wurde vom Bürgermeister auch die Tatsache, dass nunmehr neue Arbeitsplätze entstehen. Die Pächter suchen nach Kräften in den Bereichen "Reinigung" und "Service". Unterm Strich ergibt sich also eine klassische Win-Win-Situation: Stadt, Arbeitsmarkt, Tourismus - vom neuen Konzept profitieren alle Seiten. Besser geht es kaum.