Bis gestern Mittag war Frank Walther nur verhalten optimistisch. "Bitte habt noch Geduld!" appellierte der Friseurmeister auf seiner Facebook-Seite an seine Kunden - und warb um Verständnis dafür, dass er Termine erst dann ausmachen könne, wenn feststehe, welchen Weg Bayern bei der schrittweisen Lockerung der Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise geht.

Seit gestern Mittag steht es fest: Ab dem 4. Mai dürfen Friseure wieder waschen, schneiden, locken. Im Gespräch mit unserer Zeitung macht Frank Walther keinen Hehl daraus, dass er sehr froh über diese Entscheidung ist.

Zwar hat Walther für seine sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in seinem Melkendorfer Salon Kurzarbeit beantragt und auch staatliche Soforthilfen in Anspruch genommen. "Aber nach vier Wochen ohne Umsatz ist der wirtschaftliche Schaden einfach groß."

Wie es nun weitergeht? Da laufen bei Frank Walther, der auch Obermeister der Innung ist, und bei seinen Kollegen in der Region die Planungen noch. Welche Schutzausrüstung nötig ist, ob man eventuell nur jeweils die Hälfte der Plätze in den Salons besetzt - all das werde noch geklärt. Für die Kunden jedenfalls sei die baldige Öffnung eine gute Nachricht: "Ich habe schon viele Terminanfragen, und alle wollen gleich als erstes drankommen."

Unterstützung von Stammkunden

Bereits eine Woche vor den Friseuren dürfen Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen - sofern ihre Verkaufsfläche 800 Quadratmeter nicht überschreitet. Zu denen, die diesen Tag herbeisehnen gehört Christine Friedlein, die Inhaberin der Buchhandlung Friedrich am Holzmarkt in Kulmbach.

Auch in ihrem Geschäft blieb die Tür zu. Zwar hat sie auf telefonische Bestellung Bücher besorgt und geliefert oder über eine Abholstelle abgegeben und wird das auch in der nächsten Woche noch tun. "Aber das Ostergeschäft ist ausgefallen." Eine anstrengende Zeit sei das gewesen, in der es auch Existenzängste gegeben habe.

Die Buchhändlerin hat in dieser Zeit freilich auch schöne Erfahrungen gemacht, wie sie betont: "Von meinen Stammkunden habe ich sehr viel Unterstützung erfahren. Das hat mich sehr berührt und macht mich dankbar."

Harte Wochen liegen auch hinter Christine und Wolfgang Kern, den Pächtern des Kiosk an der Kieswäsch. Auch der war in den letzten Wochen geschlossen. "Zu unserem Eigenschutz", wie Christine Kern betont. Die Zeit sei "eine mittlere Katastrophe" gewesen, betont sie. Ein sonniger April - das hätte einer der umsatzstärksten Monate werden können. Dankbar sind die Kerns in dieser Situation, dass ihnen der Bezirksfischereiverein, von dem sie den Kiosk gepachtet haben, sehr entgegengekommen ist: "Wir haben die Pacht für April zurückbekommen."

Ein Ende der Durststrecke ist in Sicht: "Ab dem 1. Mai haben wir wieder geöffnet", sagt Christine Kern. Im Angebot: Kaffee, Kuchen, Wienerla und vieles mehr. "Aber alles 'to go'!" Den Biergarten dürfen die Kerns nämlich noch nicht öffnen.

Ihre Gäste bitten die Kerns jetzt schon, vernünftig zu sein: "Bitte kommt nur einzeln in den Verkaufsraum, haltet Abstand", so Christine Kern. Sonst könnte es mit dem kleinen bisschen wiedergewonnener Freiheit schnell wieder zu Ende sein.

Für andere Unternehmen ist die Zukunft noch ungewiss. Zum Beispiel für Busunternehmer Max Zier. Er erledigt derzeit Dinge, zu denen man als Unternehmer eigentlich nie Zeit findet: Reifen waschen, das Prüfbuch inspizieren. Die Situation für all diejenigen, die im Bereich Tourismus und Gastronomie tätig sind, ist ernst. "Ich bin jetzt 63 Jahre. Schon vor der Corona-Krise habe ich zwei Busse verkauft, weil ich mich verkleinern wollte", sagt Zier. Aktuell hat er noch drei Busse in Gebrauch. Alle drei stehen ohne Nummernschilder auf seinem Gelände. "Wenn die Busse abgemeldet sind, dann spare ich 350 Euro im Monat. Das Geld kommt ja momentan nicht rein", sagt Zier. Kurzreisen, Tagesausflüge... daran ist derzeit nicht zu denken. Bis Juli sind alle Fahrten storniert.

"Richtig entschieden"

"Söder hat richtig entschieden", sagt Zier dennoch. "Aber natürlich wäre es für uns gut, wenn es wieder losginge." sagt Zier, der sich mit Laborfahrten immerhin eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen hat. Und wenn die Schulen wieder öffnen, ist immerhin ein Bus wieder auf der Straße."

Ähnlich wie Max Zier äußert sich Sabrina Pomper-Dzajic vom Busunternehmen Pomper in Neudrossenfeld. "Wir hoffen einfach."

Auch die Gastronomie lebt aktuell von der Hoffnung auf ein Leben nach Corona. Jörg Höpfner, Betriebsleiter des Gasthofes "Weinbrücke", mag sich über eine Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen nicht aufregen. "Wir haben allerdings schon gehofft, dass es nach den Osterferien weitergeht." Der Gasthof liefert und bietet einen Abholservice an. "An manchen Tagen ist das Geschäft wirklich gut, aber man steckt nicht drin." Fünf bis zehn Prozent des üblichen Umsatzes kämen durch Lieferservice und Fensterverkauf herein. Mehr nicht.

Höpfner fordert deshalb einen Rettungsschirm vom Staat: "Es geht hier um die Bewahrung unserer Tradition."

Auch in Stadtsteinach lebt Traditionsgastronom Dieter Spindler von der Hoffnung auf ein Leben nach Corona. "Die Sonntage sind für uns gut. Da wird Essen abgeholt, aber auch wir kommen höchstens auf zehn bis 15 Prozent unseres Umsatzes", so Spindler. Die Festsonntage fehlen: "Palmsonntag, Ostern, Weißer Sonntag und der Sonntag danach waren wir mit Kommunionen und Jubelkommunionen voll ausgebucht", sagt Dieter Spindler.

Und auch für Musikveranstalter ist derzeit vieles noch in der Schwebe. Noch keine Aussage über eine Durchführung beziehungsweise Absage der Plassenburg-Open-Airs kann Veranstalter Matthias Mayer treffen. Der Geschäftsführer der Bayreuther Motion Kommunikationsgesellschaft verweist darauf, dass nicht genau definiert ist, was Großveranstaltungen sind, die bis Ende August verboten sind.

Unklare Formulierung

Die Regierung habe von Volksfesten und Bundesligaspielen gesprochen. Aber ob auch Konzerte in der Größenordnung der Plassenburg-Open-Airs dazu zählen? "Das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, wenn die Behörden genaue Anweisungen bekommen. So ist das eine sehr unklare Formulierung", sagt Mayer.

Diese Situation sei auch ihm als Veranstalter unangenehm, ihm wäre es auch lieber, Rechtssicherheit zu haben - auch im Hinblick darauf, was mit bereits gekauften Eintrittskarten passiert. "Stand jetzt können und dürfen wir nicht absagen."

Er bitte alle Ticketkäufer noch um etwas Geduld. Sobald klar sei, ob die Konzerte durchgeführt, verschoben oder ganz abgesagt werden, werde das sofort bekanntgemacht und dann werde auch die Ticketfrage geregelt.

Diese Feste fallen aus

Als erster reagierte gestern Vormittag Michael Korn auf die Ankündigung der Bundesregierung, bis zum 31. August keine Großveranstaltungen zu gestatten. "Deshalbmüssen wir das Kulmbacher Volksfest 2020 absagen", schrieb er im Namen der Müller-Korn-Veranstaltungsgesellschaft aus Bayreuth. "Wir hoffen, dass diese Krise unserem Gewerbe nicht zu sehr schadet und wir im nächsten Jahr unsere Stammbeschicker wieder begrüßen und attraktive Fahrgeschäfte verpflichten können." Einen Termin gibt es bereits: Vom 23. April bis 2. Mai kann hoffentlich wieder gefeiert werden.

"Sicherheit im Vordergrund"

Prompt reagiert hat auch die Kulmbacher Brauerei: "Die Kulmbacher Bierwoche findet aufgrund der Corona-Pandemie 2020 nicht statt", hieß es gestern mittag in einer Pressemitteilung. "Die Kulmbacher Brauerei steht zu der klaren Regelung der Bayerischen Staatsregierung, weil sie ein wesentlicher Baustein zur Eindämmung des Corona-Virus ist", sagte Vorstandssprecher Markus Stodden. "In diesen schweren Zeiten müssen die Sicherheit und das Wohl der Allgemeinheit im Vordergrund stehen."

Und auch das Altstadtfest wird wohl nicht stattfinden - ebenso wie viele kleinere Veranstaltungen - davon geht zumindest der Pressesprecher der Stadt Kulmbach, Jonas Gleich, aus. Das sei zwar im Gegensatz zur Volksfestabsage noch nicht 100-prozentig sicher, aber nach den Meldungen aus München müsse man verantwortungsvoll handeln und die Situation realistisch betrachten. "Alles deute auf Absagen hin." Schade sei es in dem Zusammenhang auch um die bereits geleistete Arbeit von Privatleuten, Betrieben und Vereinen. "Aber momentan sind das besondere Umstände."

Keine Kerwas, kein Tanz

Auch im Kulmbacher Umland wird es in diesem Sommer still bleiben. Trebgaster Seefest, Limmersdorfer Lindenkerwa, der Tanz auf der Tanzlinde in Peesten, die Pfingstdampftage in Neuenmarkt - all das wird wohl nicht stattfinden können.

Gar nicht zu reden von den unzähligen kleinen Veranstaltungen, allen voran die Kerwas, die in den warmen Monaten in fast jedem Dorf gefeiert werden: Ein Verlust für die Tradition in der Region, ein Verlust aber auch für die Veranstalter, meist kleinere Vereine, die mit solchen Events ihre Kassen aufbessern.

Auch ein Blick nach Bayreuth zeigt: Gefeiert wird nicht. Das Sommerfest in der Eremitage und das Bürgerfest wurden gestern bereits offiziell abgesagt. Manch andere Veranstaltung ist noch in der Schwebe. Was stattfinden kann und was nicht - das werden die nächsten Wochen zeigen.