Es braucht keine schweren E-Gitarren-Geschütze, die aus den Boxen donnern, um den Liebhaber anspruchsvoller Rock- und Popmusik in Verzückung zu versetzten. Ein Kinderschlagzeug, ein Standbass, eine Dobro-Gitarre, eine akustische Klampfe und zwei Stimmen reichen völlig aus - schließlich ist Bescheidenheit auch eine Tugend.


Ein netter, schöner Musikabend


Das Ensemble "Anni & Greg feat. Friends" stellte das bei seinem Konzert am Samstagabend im "Theatergarten" der Naturbühne Trebgast eindrucksvoll unter Beweis. Die Kulmbacher Musiker schenkten den rund 80 Besuchern im überwiegend reiferen Alter im idyllischen Biergarten einen zweistündigen Parforceritt durch das Schatzkästlein angloamerikanischer Unterhaltungsmusik, bei dem es ausgelassen, herzzerreißend und kreativ prickelnd zuging.

"Auf der großen Bühne wären sich die Musiker wohl ein bisschen verloren vorgekommen. Hier wird es ein netter, schöner Musikabend", sagte Gastspielorganisator Gerd Kammerer in seiner Begrüßung. Er hatte den Mund nicht zu voll genommen: Der Auftritt der Newcomer-Band war ein gelungener Start in die diesjährige Gastspielsaison, die noch mit Höhepunkten wie dem Harfenvirtuosen Andy Lang (10. Juni) oder dem fränkischen Kabarettisten Klaus Karl Kraus (24. Juni) aufwartet.

"Du bist super", gratulierte Corrina Löwe Sängerin Anja Jungkuntz in der Pause. Warum? "Sie verfügt über eine kräftige, emotionale Stimme und tritt selbstbewusst auf. Zudem interpretiert sie jeden Songs auf ganz charakteristische Art und Weise", schwärmte die Besucherin.


Tolle Stimmen


Die Sängerin durchlebte auf der Bühne eine regelrechte Wandlung von der schmerzerfüllten Klagepoetin, die mit traurig-brüchiger Stimme "Everyone goes away in the End" aus dem "Nine Inch Nails"-Klassiker "Hurt" ins Mikrofon hauchte, zur feurigen Rockerin, die mit rauchiger Stimme zu überzeugen wusste.

Nichts von alledem war zu spüren, als Paula Kammerer mit ihrer lieblich-zärtlichen Stimme die Ballade "Pickin' on me" der englischen Band "Skunk Anansie" anstimme, die den Zuhörern zu Herzen ging.
Als Tom Vogler sich hinzugesellte, hallte der metallische Klang seiner Dobro-Gitarre durch den Biergarten, die den rockigen Songs zusätzlichen Pep verlieh. "All along the Watchtower" aus der Feder von Bob Dylan war der Song, bei dem Robert Maier seiner "Steffi", wie er seinen Kontrabass liebevoll nennt, so richtig die Sporen geben konnte.

Dazu überzeugte Gregor Zech mit seinem filigranen Gitarrenspiel, und Andi Winterling fegte mit seinem Schlagzeugbesen über seine Trommel, dass es eine wahre Pracht war.

Aber auch das Publikum blieb nicht untätig: Vielstimmige "Doo Do Doos" und "La, La Las" hallten an einem lauen Abend bei den unverwüstlichen Klassikern "Take a Walk on the wild Side" von Lou Reed und "The Passenger" von Iggy Pop den Musikern entgegen. So mancher Refrain wollte den Zuhörern nicht mehr von den Lippen und aus den Ohren gehen.

"Du kannst nicht immer bekommen, was du willst", sangen die Musiker auf Englisch in dem gleichnamigen "Rolling Stones"-Evergreen. Doch an diesem Abend sollte sich der Titel des Songs nicht erfüllen, gab es zur Freude des Publikums doch einen erstklassigen Zugaben-Block. Mit einem unter die Haut gehenden Glaubensbekenntnis an die Liebe ("Into my Arms" von Nick Cave) schenkten die Musiker ihren begeisterten Fans zum Abschluss des Abends ein Gefühl der Geborgenheit.


Die weiteren Gastspiele


Nähere Informationen zu den musikalischen und kabarettistischen Gastspielen auf der Naturbühne Trebgast finden Interessierte im Internet unter www.naturbuehne-trebgast.de.