Es gibt sie noch, die echten Typen, gerade auf dem Land. Markus Kraus ist ein solches Original. Schon der berufliche Lebensweg des 58-jährigen Hegnabrunners ist einmalig. Vormals Maler und Lackierer, stieg er zum Oberfeldwebel bei der Bundeswehr auf, um später eine Beamtenlaufbahn an der Regierung von Oberfranken einzuschlagen. Damit aber noch nicht genug: Vor knapp 25 Jahren baute Markus Kraus mit einem Partner ein erfolgreiches Unternehmen für Betonsägen und -bohren auf, in dem heute zehn Mitarbeiter beschäftigt sind.

Aber es gibt noch eine andere Seite im Leben von Markus Kraus: die des Fußballers. Das rund Leder ist bis heute seine Leidenschaft geblieben, nicht wenige kennen den Hegnabrunner als ein wandelndes Fußball-Lexikon. Er ist ein Fußballverrückter im positiven Sinne, der seine Erfahrung und sein Wissen heute beim FC Neuenmarkt einbringt, bei dem er vor drei Jahren auch seine aktive Laufbahn ausklingen ließ.

"Mich packte der Ehrgeiz"

In seinem Heimatort Marktleugast erlernte Markus Kraus das Maler- und Lackiererhandwerk. "Ich war ein stinkfauler Kerl damals, mehr wollte ich nicht", sagt er heute und lacht. Die Einberufung zur Bundeswehr sei eine Wende gewesen: "Mich packte der Ehrgeiz, mehr aus meinen Möglichkeiten zu machen."

Entgegengekommen sei ihm damals, dass er als aktiver Fußballer topfit gewesen sei. "So bin ich beim 5000-Meter-Lauf meinen Vorgesetzten aufgefallen. Als Rekrut bin ich sogar einen Kompanie-Rekord gelaufen, der fast zwölf Jahre gehalten hat."

Nachdem die Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft eher dünn gesät waren, entschied sich Markus Kraus, sich beim Bund in Bayreuth länger zu verpflichten und damit die Chance beim Schopf zu packen. Aus zunächst vier Jahren wurden acht und schließlich zwölf. Nach elf Jahren und zwei Monaten schied er als Oberfeldwebel aus und absolvierte danach eine zweijährige Ausbildung zum Regierungsassistenten an der Regierung von Oberfranken.

Er merkte aber sehr schnell, dass für ihn ein "Schreibtischtäter-Job" auf Dauer nicht die berufliche Erfüllung bringen würde. "Es war für mich mitunter qualvoll, wenn der Zeiger auf der Uhr scheinbar keine Sekunde weiter ging."

Der Gang in die Selbstständigkeit

Eine schwere Verletzung seines Schwiegervaters gab dann den Ausschlag, 1996 den Weg vom Regierungsbeamten zum selbstständigen Unternehmer zu gehen und mit einem Partner den Betrieb für Betonsägen und Abbrucharbeiten zu übernehmen. Keine leichte Arbeit, doch Markus Kraus fand sich sehr schnell in seiner neuen Aufgabe zurecht. Heute stellt er zurückblickend fest: "Es war für mich damals schon ein Risiko, zumal meine Frau, die heute die gesamte Büroarbeit erledigt, zwei Jahre später ihren Job als Fachwirtin im Mittleren Dienst an den Nagel hängte. Es hat aber alles funktioniert. Ich konnte gutes Geld verdienen und selbst den Takt angeben." Nach nahezu 25 Jahren ist das Unternehmen Kraus & Kolb längst am Markt etabliert.

Im Fußball ist Markus Kraus in der Region ein Begriff, nicht nur wegen seiner rund 1000 Spiele in einer einer Senioren-Mannschaft und seinen über 300 Toren. Als Spielertrainer bei fünf Vereinen ist er viermal aufgestiegen. Angefangen hat alles bei seinem Heimatverein FC Marktleugast, wo er bereits als 17-Jähriger in der ersten Mannschaft spielte. Die Trainer-Lizenz hat er bei der Bundeswehr-Sportschule erworben.

Vom Stürmer zum Libero

Als wandelndes Fußball-Lexikon ist der 58-Jährige in der Lage, die Torschützen und Ergebnisse aller Welt- und Europameisterschaften aufzuzählen.

Peinlich genau hat er auch über seine Einsätze - er spielte fast auf allen Positionen, sogar im Tor - und Spielertrainer in Himmelkron, Marktleugast, Kupferberg, Gösmes-Walberngrün und Schauenstein Buch geführt. Beim FC Markleugast erzielte er in zwei Jahren 48 Tore. In der zweiten Hälfte seiner Karriere war er in der Abwehr als Libero der ruhende Pol. Und er fügt hinzu: "Ich konnte auf der Position auch mein Mundwerk mit einbringen."

Heute sitzt Markus Kraus bei den Spielen des FC Neuenmarkt mit seinem Freund Florian Schlegel gemeinsam auf der Trainerbank oder läuft an der Seitenlinie auf und ab, um den Trainer zu beruhigen. Nicht selten ein schwieriges Unterfangen, denn beide sind echte Energiebündel.