Es gibt sie noch, die Frauen und Männer, die im Stillen wertvolle Arbeit leisten. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist der vor drei Jahren gegründete Asylhelferkreis in Neuenmarkt. Gegenwärtig leben etwa 90 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern in der Gemeinde. Laut Bürgermeister Siegfried Decker unternehmen Helferkreis und Kommune gemeinsam große Anstrengungen, um die Asylsuchenden in der Gesellschaft zu integrieren.

Die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen würden bei der individuellen Alltagsbetreuung helfen, Sprachkurse anbieten und Fahrdienste organisieren, so Decker. Der Kreis stoße aber nicht selten an seine Grenzen, "weil es auch eine starke emotionale Arbeit ist".


Frau der ersten Stunde


Kerstin Wanderer gehört zu den Frauen der ersten Stunde. Gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Ulrich Böhm habe man damals helfen wollen. "Aus den anfangs fünf Leuten sind explosionsartig teilweise bis zu 70 Helfer geworden", sagt sie. Es gebe einen "inneren Kern" von zwölf bis 15 Personen und weitere Männer und Frauen, die ab und zu einmal vorbeikommen und ihre Unterstützung anbieten. In der Kleiderkammer, die kurzerhand in "Kaufhaus Ruth" umbenannt wurde, waren von Beginn an Evelyn Hohner, Melanie Schwabbauer, Helma Kühnel, Katharina Moritz, Inge Hoch und Ellen Stelter tätig.

"Ich mache die Arbeit sehr gern, auch wenn es mir zeitweise zu viel geworden ist", sagt Inge Hoch. Die Kleiderkammer werde sehr gut angenommen, auch von Einheimischen und Asylbewerbern aus Stadtsteinach oder Himmelkron. "Wir nehmen für einen Artikel einen kleinen Wertschätzungsbetrag von 50 Cent." Momentan würden vor allem Haushaltswaren benötigt.


"Ein Glücksgriff"


Das Anwesen in der Schulstraße hat der Helferkreis angemietet. "Das Haus war ein Glücksgriff. Es ist fantastisch, was hier geleistet wird", betont Ulrich Stelter, Asylbeauftragter der Gemeinde. Man habe nicht auf Verordnungen geschaut, sondern weil es nötig war. Neben der Kleiderkammer übernimmt der Helferkreis weitere Aufgaben. Um die Deutschkurse kümmern sich Haydee Stölzel, Karl Sauerteig und Heidi Clemens, den Spieleabend organisiert Ivonne Popp, für die Praktikantenarbeit ist Kerstin Wanderer verantwortlich. "Wir haben aufgrund der Belastung entschieden, dass die Bereichsleiter gleichermaßen als Team zusammenwirken", sagt sie.

In das Team integriert ist auch Pfarrer Stefan Schleicher, der ebenso für eine willkommene Entlastung der Mitarbeiter des Helferkreises sorgt.

Inge Hoch muss in der Kleiderkammer mit einem begrenzten Budget auskommen. "So sechs bis acht Stunden sind es schon in der Woche, die man da beschäftigt ist." Und wenn Kerstin Wanderer mit Praktikanten arbeitet, dann kommt sie locker auf zwölf bis 15 Stunden wöchentlich. Bürger übernehmen auch Patenschaften für Neuankömmlinge - wie zum Beispiel für das Ehepaar Aya und Mhdghiath Alnehlawi aus Syrien, das mit seinen Kindern Yulia und Hamzeh privat untergebracht wurde. Ivonne Popp: "Patenschaften gibt es nur bei ganz wenigen Familien, da sich vor allem in der Sammelunterkunft im Haus Ruth die Struktur geändert hat. Es kommen mehr alleinstehende Männer, die kaum Bezugspersonen haben, hier ist unsere Integrationsarbeit gefragt."


Jede Menge Arbeit


Es gibt immer jede Menge Arbeit. Inge Hoch und Kerstin Wanderer sind für jede helfende Hand dankbar. "Das Schöne an unserem Helferkreis ist, dass jeder mit seiner Gabe wirklich das machen kann, was er gut kann und auch mit der Zeit, mit der er sich einbringen kann", so Wanderer.
Siegfried Decker ist sehr dankbar für diese ehrenamtliche Integrationsarbeit. "Wir haben auch eine Mitarbeiterin im Rathaus mit guten arabischen, französischen und englischen Sprachkenntnissen, was bei der Betreuung der Flüchtlinge sehr wertvoll ist.

Und Ulrich Stelter setzt sich vor allem für die Einbindung in die lokale Gemeinschaft ein." Der Bürgermeister lobt den persönlichen, zeitlichen und manchmal auch finanziellen Aufwand: "Nur wenn alle mitmachen gelingt Integration."

Ivonne Popp stimmt ihm zu: "Integration kann nur funktionieren, wenn man aufeinander zugeht. Es ist für mich eine ganz wertvolle Arbeit."