Der 10. Oktober 2019 war ein Schreckenstaq für Petra und Harald Groppweiß. Ein Großfeuer hat an dem Tag ihren Bauernhof im Thurnauer Ortsteil Menchau in Schutt und Asche gelegt. Hunderte Rettungskräfte haben versucht, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Zwar ist es ihnen gelungen, ein Übergreifen auf angrenzende Anwesen zu verhindern, eines konnten sie aber nicht mehr retten: Haus und Hof der Familie Groppweiß, die von einem auf den anderen Tag vor dem Nichts stand. Das Anwesen war ein Trümmerhaufen. "Jetzt kann ich mir vorstellen, wie es in einem Kriegsgebiet aussieht, wenn Leute ausgebombt werden", sagte damals Petra Groppweiß, der es nach der Tragödie schwer gefallen ist, ihre Gefühle in Worte zu fassen.

Funkenflug hat Feuer entfacht

Ihr Mann hatte am Nachmittag am Strohhäcksler gearbeitet, als das Feuer ausgebrochen war. Als Ursache haben Brandfahnder Funkenflug ausgemacht. "Stroh und Heu haben sofort Feuer gefangen. Das waren riesige Flammen", erinnert sich Harald Groppweiß, dem es mit Unterstützung einiger Helfer gelungen ist, Maschinen, vor allem aber auch viele Tiere zu retten.Der Schaden an den Gebäuden ging in die Millionen. Über Wochen war eine Abbruchfirma in der Folge damit beschäftigt, Stallungen und das Wohnhaus abzureißen.

Die Tiere sind zurück

Heute, eineinhalb Jahre später, sind die Milchkühe und das Jungvieh, die in Ställe in Seubersdorf und Trumsdorf ausquartiert werden mussten, nach Menchau zurückgekehrt, die Familie wohnt aber weiterhin in ihrem "Notquartier" in Berndorf. Die Kirchengemeinde hatte der fünfköpfigen Familie spontan das leer stehende Pfarrhaus zur Verfügung gestellt. "Und dafür sind wir ihr sehr, sehr dankbar. Wir hoffen, dass wir dort bleiben können, bis wir in unser neues Haus einziehen können", sagt Petra Groppweiß, die heute froh ist, dass mit der Rückkehr der Tiere zumindest schon mal ein Anfang gemacht werden konnte. Denn dadurch bleiben der Familie Zeit und Nerven erspart. "Zwei mal am Tag mussten wir bis dato zum Melken und Füttern in die Ausweich-Ställe fahren, dafür immer insgesamt immer rund 80 Kilometer zurücklegen."

Versicherung zahlt nicht alles

Eine neue Maschinenhalle und ein großer offener Stall wurden errichtet, in dem die Kühe nicht mehr wie früher angebunden sind, sondern sich frei bewegen können. Modern und und zeitgemäß sind die Neubauten, die viel Geld verschlungen haben. Zwar hat die Brandversicherung gezahlt ("Wir waren neuwertversichert"), doch die ausgezahlte Summe trägt die Investitionskosten bei weitem nicht, so Harald Groppweiß. Vor allem bei der landwirtschaftlichen Technik habe es über die Jahrzehnte einen Quantensprung gegeben. "Früher hat der Melkstand 50 000 Euro gekostet, heute sind es um die 90 000 Euro. Die Preissteigerung müssen wird tragen. Wir müssen beispielsweise auch für die Kosten für den neuen Stromanschluss oder die Wasserleitung aufkommen", sagt der Menchauer, der allen dankbar ist, die Ende 2019 bei einer Spendenaktion eine finanzielle Hilfe geleistet haben.

Stall, Baustelle, Statt

Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, wird Eigenleistung erbracht. "Ich habe angepackt, der Baufirma geholfen, wo es nur ging", sagt Harald Groppweiß. Bei den Aushubarbeiten, beim Schottern und Betonieren, beim Einbringen von Eisenbindern, beim Aufstellen des Stalles. Er ist seit über einem Jahr Bauarbeiter, muss mit seiner Frau aber natürlich auch die Landwirtschaft am Laufen halten. Was zu einer extremen Belastung führt. "Ich stehe oft um 5 Uhr auf und gehe in den Stall, danach auf die Baustelle und am späten Nachmittag, wenn wir dort Tag fertig sind, wieder zu den Tieren gegangen. Ein Familienleben hatten wir nicht. Meine Kinder habe ich oft nicht gesehen."

Rattansofa vor dem Stall

Mit der Rückkehr der Kühe ist zumindest wieder etwas Alltag eingekehrt. Am Viehstall steht auf einer Europalette ein Rattansofa. "Ich habe uns ein Stück Daheim geschaffen", sagt Petra Groppweiß. Das Sofa hat nur symbolischem Charakter, den ein neues Zuhause hat die fünfköpfige Familie - die Kinder sind 11, 12 und 15 - noch lange nicht. Der anvisierte Neubau des Wohnhauses zieht sich in die Länge. Da es wegen des Untergrunds nicht hinter den Betriebsgebäuden errichtet werden kann, muss die Familie auf ein Grundstück ausweichen, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Leithen liegt. Es befindet sich nur einen Steinwurf entfernt. "Dort hören wir die Kühe", sagt Harald Groppweiß, der hofft, dass seine Familie 2022 in einen Neubau einziehen darf.

Da fließen Tränen

Den 10. Oktober 2019 werden er und seine Frau nie vergessen. "Es gibt immer wieder Tage, an denen die Erlebnisse hochkommen. Da fließen bei mir dann schon die Tränen", sagt Petra Groppweiß, die sich über gelegentliche Kommentare ärgert, in denen behauptet werde, ihre Familie habe das Feuer selbst gelegt, um den Bauernhof mit der Versicherungssumme neu aufbauen zu können. "Das schmerzt, denn so ein Feuer, das alles vernichtet, wünsche ich nicht mal meinem ärgsten Feind."

Wunden sind geblieben

Wunden sind geblieben. Auch bei Harald Groppweiß, der am Schreckenstag versucht hatte, die Tiere aus dem Stall zu treiben und dabei schwere Brandverletzungen im Gesicht und an den Händen erlitten hat. Er wurde mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik geflogen, ihm bereiten die Verletzungen heute aber kaum mehr Probleme. Ob er noch einmal so handeln würde? "Ich würde instinktiv sicherlich wieder versuchen, die Tiere zu retten", sagt der Landwirt, der in seinem neuen Stall auf viele Kühe blickt, die ohne sein rasches Eingreifen wohl den Flammentod erlitten hätten.