Sina Bär aus der achten Klasse der Realschule Kulmbach brütet ziemlich ratlos über den Fragebogen, den sie von ihrem Lehrer in die Hand bekommen hat. "Ich weiß eigentlich nichts über Windkraft." So nah wie in Braunersreuth war sie einem Windrad noch nie, doch die richtigen Antworten wollen ihr auch dort nicht einfallen.
"Eigentlich sollte man wohl Energie sparen. Manchmal mach ich's, aber ich weiß eigentlich nicht wie", sagt die 14-Jährige, wenn man sie nach dem tieferen Sinn und konkreten Auswirkungen der Umweltaktionstage auf ihr eigenes Leben fragt.

Ähnlich ratlos ist Lisa Meisel, ebenfalls 14. "Eigentlich finde ich Windkraft schon gut, aber ich hab mir noch nicht so viele Gedanken gemacht", sagt sie. Und auch die anderen Kinder stehen ratlos mitten auf dem Feld, während die Betreiber Erklärungen abgeben.

Immerhin die Jungs haben sich schon mehr mit der Materie auseinandergesetzt. "Die Atomkraft ist gefährlich, deshalb finde ich Windkraft schon besser. Wenn ich jetzt hier stehe, dann finde ich es interessant, wie groß so ein Windrad ist", sagt Florian Hollweg (14) und schaut fast ein bisschen ehrfurchtsvoll nach oben. Dabei ist das Windrad in Braunersreuth bei Presseck, das von Ingrid und Manfred Haas aus Zegast betrieben wird, ein vergleichsweise kleines Exemplar. "Es ist ja nur 400 Meter vom Ort entfernt, deshalb hätten wir hier auch gar kein Größeres Windrad aufstellen können, aber das hätte ich mir auch nicht leisten können", erzählt Manfred Haas. Das Windrad in Braunersreuth ist 73 Meter hoch, die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 53 Metern. Es hat 800 kW Leistung. Rechnerisch müsste sich das Windrad innerhalb von zwölf Jahren amortisiert haben, so Haas. Investiert hat die Familie Haas rund 1,5 Millionen Euro - auch um den landwirtschaftlichen Betrieb zukunftssicher zu machen, erklärt Ingrid Haas mit Blick auf ihren 13-jährigen Sohn Max. Und Max, der im gleichen Alter wie die Realschüler ist, hat sich eine Menge Gedanken über regenerative Energien gemacht. Er findet es gut, dass die Familie ein Windrad betreibt.

Eine Erfolgsbilanz


Der Ausflug nach Braunersreuth im Rahmen der Umweltaktionstage, die es exakt seit zwanzig Jahren gibt, wurde von der Realschule mit Rektorin Monika Hild in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Fachbereich Abfallberatung/Klimaschutz des Landkreises Kulmbach initiiert. "Mit Waldführungen und Waldsäuberungsaktionen wurden die Umweltaktionstage erfolgreich im Jahr 1992 gestartet, mittlerweile bieten wir für die Schüler mit dem Schwerpunkt ,Umweltschutz praktisch' zusätzlich interessante Aktivitäten an", blickt Ingrid Flieger, Hauptorganisatorin vom Landratsamt, mit Stolz auf die Erfolgsbilanz der Aktion zurück.

Insgesamt nehmen in diesem Jahr zwölf Schulklassen an den Umweltaktionstagen teil. Nicht nur Ausflüge nach Braunersreuth bei Presseck stehen an, sondern auch zum Windpark Trogen sowie zur Windkraftanlage Sessenreuth und zur Photovoltaikanlage auf dem Rathaus Wirsberg.

"Wir wissen natürlich, dass es bei der Windkraft glühende Anhänger und monströse Gegner gibt. Aber wir brauchen Windkraft. Denn nur mit Energiesparen ist es nicht getan. Und wir wollen natürlich nicht auf jedem Hügel Windkraftanlagen, sondern wir wollen sie dort fördern, wo es möglich ist - nach einem festgelegten Konzept", betont Landrat Klaus Peter Söllner.

"Bei uns auf den Frankenwaldhöhen ist die Windhöffigkeit einfach gegeben, deshalb sind wir prädestiniert für die Standorte", sagt Bürgermeister Siegfried Beyer.
"Auch für die Landwirte sind die regenerativen Energien wichtig. Man braucht die Fläche der Landwirtschaft, aber auch die Landschaft spielt eine wichtige Rolle", betont Guido Winter, Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Kulmbach.

Windkraft war nur ein Teil der Exkursion. Franz Söllner zeigte den Schülern noch eine weitere Möglichkeit und erklärte die Bürgersolaranlage auf der Schule in Presseck. Sie ist seit 2006 in Betrieb. Jeden Tag kann man mit der Bürgersolaranlage 85 Euro verdienen, so Söllner. Im vergangenen Jahr hat die Anlage 37 000 Kilowattstunden Strom produziert. Ein Vier-Personen-Haushalt braucht rund 3600 Kilowattstunden pro Jahr.