Der Tagesordnungspunkt 6 der Stadtratssitzung am Donnsertagabend klang wenig spektakulär, aber er hatte Sprengkraft. Es ging um die Änderung des Flächennutzungsplans "Hannes-Strehly-Straße" und des Bebauungsplans "Für das Schul- und Sportzentrum zwischen B 85 und Alter Forstlahmer Straße". Oder kurz gesagt: Dürfen dort auf einer rund 3000 Quadratmeter großen, mit Bäumen bewachsenen Fläche zwei Mehrfamilienhäuser gebaut werden?

Ja, wenn es nach den Stadträten geht. Die Mehrheit stimmte für die Planänderungen, nur die Grünen und SPD-Mann Hans Werther waren dagegen.

Anlieger der Hannes-Strehly-Straße und benachbarter Straßenzüge wehren sich schon länger gegen das Vorhaben, weil sie durch die neuen Gebäude vor allem eine Verschärfung der Hochwassersituation befürchten. Am vergangenen Wochenende hatten Gabriele Fölsche und Harald Schmidt sogar eine Demo gegen das Projekt organisiert. Schmidt war nach der Abstimmung gestern Abend sichtlich sauer: "Es ist eine Frechheit, dass in dieser Größenordnung gebaut werden darf." Dabei habe Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) ihm gegenüber gesagt, dass das in diesen Dimensionen nicht der Fall sein werde.

Auch Gabriele Fölsche zeigte sich enttäuscht: "Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sind in Kulmbach noch nicht angekommen." Und es könne nicht sein, dass ein Architekt und ein Investor bevorzugt würden, während die Immobilien in der unterliegenden Fröbelstraße durch die Hochwassergefahr abgewertet werden, sagte sie. Das ist auch Harald Schmidts Meinung: "Das Wasser wird nach dem Bau sicher nicht weniger."

Es geht Schritt für Schritt voran

Eine Gefahr, die die Mehrheit der Stadträte wohl nicht so sieht: Sie vertrauen den Ausführungen von Bauamtsleiter Jens Ellinghaus, wonach die Entwässerungssituation "noch intensiv mit den Stadtwerken abgestimmt" werde, so dass die Sache am Ende "sauber geklärt" sei.

Bedenken wegen Lärms vor allem von der nicht weit entfernten Bundesstraße zerstreute er: "Nach derzeitigem Stand ist kein aktiver oder passiver Lärmschutz notwendig." Sollte sich hier aber noch etwas ändern, werde es die entsprechenden Auflagen geben. Alles werde schrittweise konkretisiert.

Er stellte zudem klar, dass das Architekturbüro keinen Einfluss auf das Verfahren gehabt habe. Hier sei mit einem Würzburger Stadtplaner gearbeitet worden.

Von den Stadträten gab es keine weiteren Fragen zu dem Projekt.

Wie Oberbürgermeister Ingo Lehmann abseits der Sitzung gegenüber der BR erklärte, sei das Verfahren konsequent nach rechtlichen Vorgaben erfolgt. Sowohl er als auch andere Stadträte hätten mit den Anliegern gesprochen. "Ich habe mir gerne die Zeit genommen und mit verschiedenen Anwohnern über das Vorhaben geredet. Ich habe beispielsweise auch unseren Stadtwerkeleiter hinzugezogen, um alle fachlichen Fragen zu klären und Kritikpunkte aus der Welt zu schaffen. Wenn ich dann aber Vorwürfe höre, dass Oberbürgermeister und Stadträte dem Gespräch mit den Nachbarn ausweichen und die Konfrontation meiden, dann ist das gelogen. Ich habe viele Gespräche geführt, habe Anlieger ins Rathaus eingeladen und war oft vor Ort, um mir ein Bild der Lage zu machen."

OB: Kulmbach braucht Wohnraum

Die Verwaltung habe das Verfahren sauber und stringent aufbereitet und begleitet, letztlich müsse jeder Stadtrat auf Grundlage aller Informationen und Stellungnahmen selbst entscheiden, ob er dem Vorhaben zustimmen möchte oder nicht. "Ich kann aber nur erneut darauf hinweisen, dass wir in Kulmbach dringend Wohnraum benötigen. Und wo Wohnraum gebraucht wird, da wird über kurz oder lang auch gebaut werden", erklärt der OB.